Nach Beginn des Krieges im Nahen Osten mussten DAX, MDAX und SDAX deutliche Verluste hinnehmen. DAX und MDAX verloren seit Ende Februar rund 7%, der SDAX gut 6%. Die Verschiebungen im Momentum-Ranking (das den aktuellen Kurs mit dem Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate vergleicht) spiegeln diese Entwicklung naturgemäß noch nicht vollständig wider. Nach gut zwei Wochen lassen sich aber bereits erste Tendenzen erkennen. Gerade in solchen Phasen lohnt sich der Blick auf relative Stärke, weil er früh zeigt, wohin Kapital zu fließen beginnt.

Oben und unten stabil, in der Mitte in Bewegung

Am oberen Ende des Rankings gibt es zwar einige Verschiebungen, das Bild bleibt aber insgesamt stabil. An die Spitze hat sich unser Musterdepotwert Aixtron gesetzt. Das Unternehmen lag zum Jahresende noch auf Rang 21 und führt die Liste nun an. Dahinter finden sich weiterhin vor allem Namen, die schon Ende Dezember in der Spitzengruppe zu finden waren: Verbio und Klöckner behaupten ihre starke Position ebenso wie Nordex oder unser Musterdepotwert Elmos Semiconductor.

Auch am unteren Ende der Tabelle zeigt sich trotz einzelner Bewegungen ein weitgehend vertrautes Bild. Aktien, die Anleger zuletzt mit negativen Nachrichten konfrontiert haben, verloren weiter an Momentum. Dazu zählen etwa die Deutsche Pfandbriefbank, Carl Zeiss Meditec oder Gerresheimer, die weiterhin zu den Titeln mit dem schwächsten Momentum zählen.

Interessant ist vor allem die Entwicklung im Mittelfeld. Hier zeigen sich erste Anzeichen einer leichten Verschiebung zugunsten klassischer defensiver Branchen. E.On klettert 60 Plätze auf Rang 16, RWE sieben Plätze auf Rang 13. Die Deutsche Telekom legt fast 90 Plätze auf Rang 23 zu und hat seit Jahresende spürbar an Momentum gewonnen. Versorger und Telekommunikationswerte sind mit ihren stabilen Cashflows weniger konjunkturabhängig und werden in Phasen erhöhter geopolitischer Unsicherheit höher gewichtet.

Zeichen einer Risiko-Rotation

Auch einzelne Industrie- und Technologiewerte bleiben gefragt. Unternehmen aus Bereichen wie Halbleitertechnologie, Energie- oder Infrastrukturtechnik profitieren davon, dass Investoren verstärkt auf strukturelle Wachstumsthemen setzen.

Auf der anderen Seite verlieren vor allem zyklische Konsumwerte an Momentum. Titel wie Adidas, Beiersdorf, Zalando oder Delivery Hero sind im Ranking deutlich zurückgefallen und finden sich auf den Rängen 133 bis 140 der insgesamt 160 Titel der DAX-Familie. Steigende Unsicherheit und höhere Energiepreise belasten den Konsum.

Das Gesamtbild deutet auf eine vorsichtige Risiko-Rotation hin: Kapital fließt tendenziell aus zyklischen Konsumwerten in defensivere Sektoren sowie ausgewählte Industrie- und Energietitel. Wie stark sich diese Bewegung in den kommenden Wochen fortsetzt, bleibt abzuwarten. Wir nutzen das Momentum-Ranking in unserer täglichen Arbeit als hilfreiches Frühwarnsystem, um neue Trends an den Märkten zeitig zu erkennen.