Warum der KI-Boom Infineon noch stärker hilft als gedacht
Der KI-Boom treibt längst nicht mehr nur die Nachfrage nach KI-Prozessoren. Bei Infineon rückt ein Effekt in den Vordergrund, der bereits den letzten großen Halbleiterzyklus geprägt hat.

Seit unserem jüngsten Update vor gut einem Monat hat die Aktie von Infineon weitere 31% zugelegt, obwohl es zum Ende der vergangenen Woche einen deutlichen Rücksetzer um gut 16% gab. Im Zeitraum seit Ende März ist der Kurs in der Spitze sogar um 142% gestiegen. Getrieben wurde die Rally durch deutlich gestiegene Umsatz- und Gewinnschätzungen sowie zum Teil massiv erhöhte Kursziele der Analysten. Trotzdem zählt Infineon am deutschen Markt mit einem 12-Monats-Forward-KGV von 34 zu den Aktien mit dem höchsten Bewertungsaufschlag auf ihren langfristigen Durchschnitt (10 Jahre: 20; 5 Jahre: 18).
Die Gewinn-Multiples liegen mittlerweile auf und zum Teil auch über den Bewertungen während des bislang letzten großen Halbleiteraufschwungs in den Jahren 2020/21. Damals gerieten die Lieferketten zunächst durch stark steigende Nachfrage nach PCs, Smartphones und Spielkonsolen unter Druck. Standardchips wurden knapp, obwohl die Nachfrage nach Autos und Industrieanlagen noch kaum anzog. Erst später griff die Knappheit auf Automobil- und Industriekunden über. Die Unternehmen bestellten vorsorglich mehr, um ihre Lager aufzufüllen, was den Zyklus weiter verstärkte.
Der Aufschwung breitet sich aus
Ein ähnliches Muster könnte sich jetzt wiederholen. KI-Rechenzentren benötigen große Mengen an Komponenten für Stromversorgung und Energieeffizienz. Zugleich liegen die Lagerbestände in Teilen der Automobil- und Industrie-Lieferketten noch auf niedrigen Niveaus. Schon kleinere Engpässe dürften zusätzliche Bestellungen auslösen. Mehrere Halbleiterhersteller berichten bereits von steigenden Auftragseingängen, besserer Planbarkeit und höherer Preisdurchsetzung.
Zu dieser Entwicklung passen auch die jüngsten Aussagen von Infineon. Der Konzern erwartet im Geschäft mit Stromversorgungslösungen für KI-Anwendungen weiterhin hohe Wachstumsraten. Neue Produkte für die Energieversorgung moderner Rechenzentren sowie Kooperationen im Umfeld der Nvidia-Plattformen belegen die starke Stellung der Münchner in diesem Wachstumsmarkt. Zugleich mehren sich Hinweise auf eine Stabilisierung im Automobilgeschäft, nachdem der Lagerabbau vieler Kunden die Ergebnisse zuletzt belastet hatte.
Der Markt setzt auf weiter steigende Gewinne
Infineon befindet sich also in einer komfortablen Situation. Die große Frage wird sein, wie lange der Aufschwung diesmal anhält, bevor die dann wieder prall gefüllten Lager die Nachfrage einbrechen lassen. Der Optimismus ist derzeit sehr groß: Laut Konsensschätzungen soll sich der Gewinn je Aktie von 1,12 Euro im Geschäftsjahr 2024/25 (per 30.9.) bis 2028/29 verdreifachen. Doch selbst auf Basis dieser weit in der Zukunft liegenden EPS-Schätzungen handelt die Aktie (80,89 Euro; DE0006231004) bereits mit einem KGV von 24. Für nachhaltige Kurssteigerungen müssten die Prognosen also noch weiter steigen. Im aktuellen Umfeld ist das nicht ausgeschlossen.
Allerdings gilt: In früheren Zyklen erreichte die Aktie ihren Höhepunkt häufig schon, als die Gewinnschätzungen noch weiter stiegen. Investierten Anlegern raten wir daher zum Halten der Infineon-Aktie mit einem deutlich von 34,00 Euro auf 70,00 Euro nachgezogenen Stoppkurs. Im Bereich des vor 26 Jahren markierten Allzeithochs bei 93,60 Euro sollten Sie die Hälfte Ihres Bestands verkaufen.