Infineon bekommt Rückenwind aus mehreren Richtungen
Mit Anhebung der Jahresprognose und sehr optimistischen Aussagen zur weiteren Entwicklung liefert der Vorstand von Infineon reichlich Futter für den Höhenflug der Aktie.

Die am Mittwochmorgen (6.5.) von Infineon vorgelegten Q2-Zahlen des Geschäftsjahres 2025/26 (per 30.9.) hätten wahrscheinlich nicht ausgereicht, um die fulminante Rally der Aktie (+65% seit Ende März) zu rechtfertigen. Umsatz (+6,2%) und Segmentergebnismarge (17,1% nach 16,7%) lagen im Rahmen der Erwartungen. Wachstumstreiber war das Segment Power & Sensor Systems, in dem die Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren eine zentrale Rolle spielen. Hier stieg der Umsatz um 26,1%, die Marge kletterte von 13,5% auf 20,4%. Noch bessere Ergebnisse verhinderte vor allem das Automotive-Segment, das bei einer niedrigeren Marge (18,1% nach 20,7%) um 1,5% schrumpfte. Belastend wirkte hier vor allem das schwächere Geschäft mit Hochvolt-Komponenten für Elektrofahrzeuge, wo der Markt von Preisdruck und Überkapazitäten geprägt wird.
Trotzdem macht gerade dieses größte Segment (48% Umsatzanteil) auch Hoffnung. Infineon spricht konkret von besseren Auftragseingängen. In modernen Autos steigt der Bedarf an Chips, zum Beispiel für zentrale Computer, Sensorik, Steuergeräte, Sicherheit und Softwarefunktionen. Diese Bereiche sind auch deutlich profitabler. „Ohne das Hochvolt-Geschäft läge die Automotive-Marge klar bei 25 Prozent“, erklärte CEO Jochen Hanebeck im Earnings-Call. Zusätzliches Wachstum winkt im Geschäft mit Stromversorgungslösungen für klassische Server-Prozessoren (CPU-Power-Management). Wenn künftig nicht nur GPU-Server, sondern auch normale CPU-Server wegen des zunehmenden Einsatzes von KI-Agenten stärker nachgefragt werden, vergrößert sich der adressierbare KI-Markt für Infineon. „Ehrlich gesagt dürfte dieses Geschäft als Nächstes massiv anspringen“, sagte der Firmenchef.
Bei der KI-Prognose ist noch Luft nach oben
Vor diesem Hintergrund hat Infineon seine Jahresziele trotz ungünstigerem Wechselkurs angehoben. Der Chiphersteller rechnet nun mit einem deutlich steigenden Umsatz (zuvor: moderates Wachstum), einer Segmentergebnis-Marge von rund 20 Prozent (zuvor: im hohen Zehner-Prozentbereich) und einem berichteten Free Cashflow von rund 1,25 Mrd. Euro (zuvor: 1,0 Mrd. Euro). Die offizielle KI-Guidance wurde „nur“ bestätigt. Hanebeck betonte allerdings, dass die für das Jahr 2027 geplanten 2,5 Mrd. Euro KI-Umsatz „keine Obergrenze“ seien und Infineon daran arbeite, die nötigen Kapazitäten weiter auszubauen. Die Nachfrage übersteige weiterhin deutlich das Angebot. CFO Sven Schneider verwies deshalb auch auf eine mögliche positive Preisdynamik. Die Strategie, Kapital und Produktionskapazitäten in Richtung KI-Stromversorgung zu verschieben, scheint sich demnach auszuzahlen.
Ausgezahlt hat sich auch unsere Kaufempfehlung für die DAX-Aktie (61,84 Euro; DE0006231004), die seit der jüngsten Besprechung im Februar 55% zulegen konnte. Die Bewertung nähert sich mit einem 12-Month-Forward-KGV von 29 dem oberen Ende der 10-Jahres-Range (12 bis 32). Allerdings dürfte der stärker untermauerte Aufschwung auch zu einem spürbaren Anstieg der Gewinnschätzungen führen.
Wir ziehen den Stoppkurs deutlich von 22,00 Euro auf 34,00 Euro nach. Wer noch nicht investiert ist, versucht den Einstieg per Abstauberlimit. Akkumulieren Sie Infineon bei Kursen von 52,00 Euro.