Trotz mieser Stimmung: Vorstände deutscher Unternehmen kaufen weiter
Die Stimmung in Deutschland ist trüb. Am Aktienmarkt ist davon nichts zu spüren. Auch Deutschlands Insider lassen sich davon nicht beirren, das zeigt unsere April-Auswertung.

Der ifo-Geschäftsklimaindex auf dem tiefsten Stand seit der Corona-Krise. Der Einkaufsmanagerindex signalisiert Schrumpfung, der ZEW-Index ist auf -17,2 Punkte abgestürzt. Wer die Sentiment-Indikatoren liest, könnte meinen, Deutschland stehe kurz vor dem Wirtschaftskollaps.
Dann schaut man auf den DAX. Er kratzt an der Marke von 25.000 Punkten, steht knapp 2% unter seinem Allzeithoch. In den USA sind S&P 500 und Nasdaq längst auf neuen Rekordständen, wenngleich nicht wenige Beobachter diese Entwicklung inzwischen mit wachsender Skepsis verfolgen.
Man könnte einwenden: Der DAX ist nun mal kein Spiegel der deutschen Binnenwirtschaft, sondern ein Barometer für globale Konzerne. Doch auch der SDAX steht auf Rekordhoch und unsere monatliche Auswertung der Directors‘ Dealings für April zeigt, dass vor allem Nebenwerte hoch im Kurs stehen.
Der mit Abstand größte Einzelkauf des Monats entfiel auf den Ticketvermarkter und Konzertveranstalter CTS Eventim aus dem MDAX, der knapp die Hälfte seiner Erlöse in Deutschland erwirtschaftet. Dort stockte Firmengründer und Vorstandschef Klaus-Peter Schulenberg über seine KPS-Stiftung seinen Anteil zum zweiten Mal in Folge um rund zehn Millionen Euro auf. Bereits Ende März hatte er zugegriffen, als der Kurs nach einer enttäuschenden Prognose um gut 23% eingebrochen war. Der letzte vergleichbare Kauf datierte aus dem August 2025, damals zu einem Kurs von über 80 Euro. Nun kauft Schulenberg bei rund 51 Euro und verdoppelt das Volumen.
April 2026: Wenig Transaktionen, aber eine Richtung
Der April hat erwartungsgemäß eine niedrige Zahl an Transaktionen, konkret sind es 23 Käufe oder Verkäufe bei 19 Unternehmen. Die „quiet period“ vor den Quartalszahlen schränkt den handelbaren Zeitraum auf wenige Tage zu Monatsbeginn ein. 22 von 23 Transaktionen waren Käufe, das entspricht einer Kaufquote von 95,7%. Lediglich Prosiebensat.1 verzeichnete einen Verkauf.

Der Trend hält seit Monaten an: Seit dem Tiefpunkt im Juli 2025 (64,7%) hat sich das Bild kontinuierlich zugunsten der Käufer verschoben, auch wenn sich die Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen verschlechtert haben.
Auffällig ist zudem, dass der Schwerpunkt nicht bei den großen Standardwerten liegt. Nur vier der 19 Unternehmen sind DAX-Mitglieder (DHL, Fresenius, GEA, MTU Aero), acht gehören dem SDAX an, drei kommen von außerhalb der DAX-Familie. Insider in der zweiten und dritten Reihe greifen häufiger und regelmäßiger zu als ihre DAX-Kollegen.
Besonders deutlich wird das im Zwölfmonatsvergleich. Unternehmen wie Kontron, HelloFresh, Grenke oder CTS Eventim tauchen Monat für Monat auf der Kaufliste auf, unabhängig von der jeweiligen Nachrichtenlage.

Wie immer gilt: Insider-Käufe sind ein Signal unter vielen. Dass in einem strukturell stark eingeschränkten Monat dennoch fast ausschließlich Käufe gemeldet werden, spricht für sich.
Die Übersicht zu den April-Transaktionen finden Sie hier.