Flächenbrand am Golf: Energie-Schock trifft Märkte unvorbereitet
Nach der Eskalation zwischen Iran, USA und Israel steht die Straße von Hormus faktisch still. Öl und Gas explodieren, Europas Industrie gerät unter Druck – und Spekulanten sitzen auf dem falschen Fuß.

Die geopolitische Lage im Nahen Osten ist am Samstag (28.2.) nach der Tötung des iranischen Staatsoberhauptes sowie mehrerer hochrangiger Führungsmitglieder durch koordinierte Luftangriffe der USA und Israels eskaliert. Der Iran reagierte mit massiven Vergeltungsschlägen auf Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Katar, Kuwait, im Irak sowie gegen Tel Aviv und Nordisrael. Die Straße von Hormus ist de facto blockiert: Reedereien stellen die Passage ein, Versicherer verweigern den Schiffen den Schutz. Durch die Meerenge fließen täglich rund 20 Mio. Barrel Öl – etwa 20% des weltweiten Bedarfs – sowie rund ein Viertel des globalen LNG-Handels. Besonders exponiert sind Indien und China, das rund 40% seiner Ölimporte über diese Route bezieht.
Energiepreise explodieren – Europa besonders verwundbar
Mit Öffnung des Future-Handels sprangen die Ölpreise am Montagmorgen um 12% nach oben. Während sich die US-Börsen zunächst stabil zeigten und den Wochenauftakt sogar im Plus beendeten, geriet der DAX bereits deutlich unter Druck und setzte seinen Abverkauf am Dienstag fort. Belastend wirken die niedrigen Gaslagerstände in Deutschland, die mit der drohenden Unterbrechung globaler Lieferketten kollidieren. Zumal Deutschland stark auf das katarische LNG angewiesen ist, das die Straße von Hormus passieren muss. Die deutschen Speicher sind mit 20,8% auf historischen Tiefs. Europäische Gasfutures schossen entsprechend in den vergangenen zwei Tagen um rund 80% nach oben. Die Sorge vor Gasrationierungen und einem deutlichen Anstieg der Energiekosten, insbesondere für die ohnehin angeschlagene Industrie, ist schlagartig zurück.
Spekulanten falsch positioniert
Die Eskalation trifft die Energiemärkte in einer fragilen Phase. COT-Daten zeigen, dass nicht-kommerzielle Marktteilnehmer wie Assetmanager und große Spekulanten im Erdgas-Future so stark auf der Short-Seite positioniert sind wie zuletzt zu den Tiefpunkten des Corona-Crashs 2020 – damals folgte eine massive, volatile Aufwärtsbewegung bis in den Spätsommer 2022. Auch im Ölmarkt ist diese Gruppe historisch niedrig engagiert, was zusätzlichen Preisdruck nach oben erzeugen könnte.
Hinzu kommt die aktuell spätzyklische Hochkonjunkturphase, in der die Realwirtschaft zunächst vergleichsweise preisunempfindlich reagiert – vergleichbar mit der realwirtschaftlichen Lage in 2022. Zwar haben die US-Märkte die geopolitische Eskalation anfänglich abgeschüttelt, doch die wachsende Gefahr anhaltender Versorgungsstörungen dürfte die Risikobereitschaft deutlich dämpfen.