Expertenumfrage Teil 2

Zwischen KI-Euphorie und Bewertungsrealität: Was Strategen und Fondsmanager für 2026 erwarten

US-Techaktien prägen die Indizes, doch defensive Qualitätswerte, regionale Umschichtungen und Absicherungen wie Gold rücken 2026 in den Fokus. Was Strategen und Fondsmanager erwarten, lesen Sie in Teil 2 unserer großen Expertenumfrage.

Jorg Schirmacher,
Invesment-Analyse
Invesment-Analyse © AdobeStock

2026 wird kein Jahr für Anleger im Autopilot, so viel steht wohl fest. Für viele ist unverändert KI der dominierende Markttreiber: als Investitions- und Produktivitätsmotor. Aktien bleiben alternativlos, wenngleich die US-Indizes starke Konzentrationen aufweisen und ein deutlich heterogeneres Bild unter der Oberfläche kaschieren. Bei US-Tech lassen hohe Bewertungen kaum Raum für Enttäuschungen, zugleich finden sich zahlreiche Unternehmen aus defensiveren Sektoren zu deutlich niedrigeren Bewertungen. Politische Eingriffe, steigende Staatsverschuldung und geopolitische Konflikte bleiben schwer kalkulierbare Risiken, die Anleger bei der Bewertung mitdenken müssen.


Was ist Ihre zentrale These für die Kapitalmärkte 2026 und wie setzen Sie diese Überzeugung in den Portfolios Ihrer Kunden um?


Bert Flossbach, Mitgründer, Flossbach von Storch
Das Umfeld bleibt anspruchsvoll. Unter der Oberfläche zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite stehen die großen US-Technologieschwergewichte. Sie stehen aktuell für mehr als 40% des US-Aktienmarkts und treiben die Entwicklung der KI maßgeblich voran – mit jährlichen Investitionen im Umfang von hunderten Milliarden US-Dollar. Die damit verbundenen Wachstumshoffnungen und Bewertungen lassen allerdings wenig Raum für Enttäuschungen. Ob sich die milliardenschweren Ausgaben in nachhaltige Erträge übersetzen lassen, ist offen. Fehlinvestitionen würden die Kurse belasten, gefährden aber nicht die Substanz der Geschäftsmodelle.

Dem steht eine große Zahl solide aufgestellter Unternehmen mit moderaten Bewertungen gegenüber. Viele dieser Firmen stammen aus eher defensiven Bereichen wie Basiskonsum oder Gesundheit. Das Wachstumspotenzial dieser Unternehmen ist oftmals unspektakulär, die fundamentalen Risiken sind es allerdings auch. Anleger erhalten eine planbare Geschäftsentwicklung zu einem relativ günstigen Preis. Breite Indizes kaschieren diese Unterschiede und bergen Klumpenrisiken. Für Anleger steigt damit die Bedeutung der fundamentalen Bewertung von Geschäftsmodellen und -aussichten. Bloße Narrative sollten diese Bewertung nicht ersetzen.

Gold nimmt in diesem Umfeld eine besondere Rolle ein. Der starke Preisanstieg ist weniger Ausdruck von Euphorie als von Vorsorge. Steigende Schulden, Fragezeichen hinter der Unabhängigkeit der US-Notenbank und Konfiskationsrisiken in den USA stärken den Charakter als Wertanker. Auch wenn kurzfristige Rücksetzer möglich und wahrscheinlich sind, bleibt Gold eine Versicherung gegen systemische Risiken. Dieses Marktumfeld verlangt Disziplin. Realistische Renditeerwartungen, ein nüchterner Blick auf die Bewertung und eine ausgewogene Portfoliostruktur sind wichtiger denn je.

Martin Lück, Gründer, Macro Monkey
Amerika bleibt die ökonomisch attraktivste, politisch aber zunehmend riskante Anlageregion. Ökonomisch attraktiv, weil die Ertragsaussichten breiter KI-Anwendungen ungebrochen sein dürften und US Tech-Unternehmen von diesem Boom am stärksten profitieren. Zunehmende Verschuldung und die Sorge vor Überinvestition dürften zwar immer stärker in den Vordergrund treten, aber die enormen Gewinnzuwächse noch in den jüngsten vergangenen Quartalen verdeutlichen, dass diese Entwicklung noch nicht an ihrem Ende ist.

Gleichzeitig werden die USA als Anlageregion aber auch immer unberechenbarer. Die jüngsten Ankündigungen von Gehaltsobergrenzen für Rüstungsmanager, dem Verbot von Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufen sowie weiterer Regularien zeigen, dass die Trump-Administration jederzeit bereit ist, nach politischem Gusto in Eigentumsrechte einzugreifen, eine der wichtigsten Grundfesten für das störungsfreie Funktionieren von Marktwirtschaften. Wenn Anleger nicht wissen, ob und wie Unternehmen reguliert werden, in die sie investieren möchten, sind Investitionsentscheidungen nicht planbar bzw. unterliegen kaum kalkulierbaren Risiken. Die Konsequenz ist, dass Risikoprämie auf amerikanische Aktien deutlich höher sein müssen.

Auch darüber hinaus hat die geopolitische Unsicherheit bezüglich US-Anlagen zugenommen. Der harte Konfrontationskurs, den die Trump-Regierung spätestens seit Jahresbeginn fährt (Stichwort Venezuela, Grönland, Kuba etc.) kann jederzeit zu feindseligen Aktionen auch gegenüber bisherigen Partnern führen, etwa in Europa. So könnten Investitionen in US-Unternehmen als unerwünscht deklariert oder Gläubiger de facto enteignet werden. Dass so etwas keine irren Fantasien sind, sondern von Trump-Beratern wie Fed Board-Mitglied Steven Miran sogar in Schriftform propagiert wurde, sollten Anleger nicht völlig ausblenden. Drittens schließlich ist es angesichts einer fortschreitenden Isolierung Amerikas und einer Abkehr vom Welthandel wahrscheinlich, dass der Dollar weiter abwertet. Schon 2025 haben europäische Anleger mehr als 10% ihrer Erträge in US-Aktien über die Währung wieder eingebüßt.
Vor dem Hintergrund dieser Kombination aus ökonomischer Attraktivität und politisch bedingter Unberechenbarkeit ist Anlegern im Jahr 2026 zu empfehlen, Aktien- und Anleiheinvestments breiter zu streuen. Bei Aktien bedeutet dies, die Gewichtung von US-Aktien zu reduzieren und im Gegenzug Gewichte in Europa und den Schwellenländern aufzubauen.

Vincenzo Vedda, Chief Investment Officer, DWS
Rational Exuberance – unter diesem Motto starten wir optimistisch ins Jahr 2026. Wir erwarten ein konstruktives Umfeld für Risikoanlagen. Wachstumsimpulse, günstige Finanzierung und eine neutrale bis lockere Geldpolitik geben den Ton an. Zwei Zinssenkungen der US-Fed, eine stabile Inflation nahe dem EZB-Ziel und deutsche Fiskalpolitik sorgen für zusätzlichen Rückenwind. China setzt auf Technologie, Japan auf Reformen, und Asien profitiert vom Chip-Boom sowie stärkerem regionalen Handel. Zölle verlieren an Schärfe, auch wenn strukturelle Effekte bestehen bleiben. Digitalisierung und Energiewende prägen die Kapitalströme, weshalb selektives Investieren wichtiger wird.

Aktien bleiben attraktiv. In den USA könnte der S&P 500 bis Ende 2026 rund 7.500 Punkte erreichen, getragen von Gewinnwachstum und Investitionen in KI. Finanzwerte profitieren von moderaten Renditen und Deregulierung. KI bleibt ein zentraler Treiber, birgt jedoch Enttäuschungspotenzial. Deshalb bevorzugen wir keine Region einseitig. Europa punktet mit Infrastruktur- und Verteidigungsinvestitionen, Japan mit Reformen. Gold bleibt ein bewährtes Instrument zur Diversifikation.

Auch Anleihen eröffnen Chancen. Die Devise lautet „Carry-on“, also die Vereinnahmung hoher laufender Renditen. Leichtes Wachstum, sinkende Inflation und unterstützende Zentralbanken schaffen ein ideales Umfeld, auch wenn steigende Staatsschulden bremsen. In den USA erwarten wir Renditen für zehnjährige Anleihen zwischen 3,75 und 4,25 Prozent. Mittlere Laufzeiten profitieren vom Ende des Quantitative Tightening. In Europa bleiben Bund-Renditen stabil, während ultralange Laufzeiten Potenzial für eine steilere Kurve bieten. Unternehmensanleihen bewerten wir bei Investment Grade neutral, bei High Yield sind wir vorsichtiger. Den Dollar sehen wir bei EURUSD 1,15 als fair bewertet.

Trotz der positiven Aussichten für die Aktienmärkte ist eine breite Streuung Pflicht, zwischen aber auch innerhalb von Anlageklassen. Gold bleibt ein gutes Diversifikationsinstrument. Auch innerhalb der Anlageklasse Aktien ist eine Risikostreuung angezeigt. Sollte die Euphorie in Sachen KI unerwartet abebben, könnte es beispielsweise sinnvoll sein, Aktien aus dem Gesundheitssektor zu halten. Denn die dürften aufgrund ihres defensiven Charakters vermutlich vergleichsweise gut durch solche möglichen Stressphasen kommen.

Bobby Vedral, Gründer, Macro Eagle
Der Rückenwind ist zu stark, um nicht investiert zu sein (Big Beautiful Bill, Mid-Terms-Stimulus, Defence Spending, AI-Capex, Zinssenkungen). Trotzdem bevorzuge ich Non-US-Aktien, weil mir dort sowohl die Bewertungen als auch das Konzentrationsrisiko in Tech/AI zu hoch sind. Europäische Aktien (vor allem Deutschland), Asien (Korea und Japan) sowie Lateinamerika (insbesondere vor dem Hintergrund der neuen US-Priorität auf die „Western Hemisphere“ und das Rohstoff-Exposure) bilden mein Core-Portfolio.

Oliver Schmidt, Chief Investment Officer, Metzler Asset Management
Wir gehen 2026 von einem weiterhin konstruktiven, aber zunehmend differenzierten Marktumfeld aus. In den Basis- und Positivszenarien bleiben risikobehaftete Anlageklassen wie Aktien strukturell begünstigt – getragen von moderatem Wirtschaftswachstum, der Fortsetzung des KI-Trends und einer unterstützenden Geldpolitik, insbesondere in den USA. Gleichzeitig steigt das Enttäuschungspotenzial aufgrund hoher Bewertungen in einzelnen Marktsegmenten.

In der Portfolioumsetzung bedeutet das für uns eine schrittweise Reduktion der Risikoneigung und einen stärkeren Fokus auf Qualität. Auf der Aktienseite setzen wir verstärkt auf Unternehmen mit stabilen Cashflows, soliden Bilanzen und defensiven Geschäftsmodellen. Innerhalb der defensiven Sektoren könnten weiterhin Pharma- und Medizintechnik-Unternehmen gegenüber Firmen aus der Nahrungsmittel- und Haushaltsgüterindustrie den Vorzug erhalten.

Auf der Anleiheseite fokussieren wir uns auf Single-A-Unternehmensanleihen, während wir Staatsanleihen – abgesehen von wenigen sicheren Häfen wie deutschen Bundesanleihen – nicht mehr in allen Risikoszenarien als erste Wahl sehen. Gold spielt eine zunehmend wichtige Rolle als strategischer Baustein zur Stabilisierung der Portfolios.

Christian Jasperneite, Chief Investment Officer, M.M. Warburg
An Kapitalmärkten ist grundsätzlich immer Demut angebracht. Daher sind Thesen für die Entwicklung von Kapitalmärkten mit einem Horizont von zwölf Monaten immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Generell sind wir aber vergleichsweise optimistisch. Unser Hauptszenario geht von weiter steigenden Aktienmärkten aus. Nachdem die Unternehmensgewinne in Europa in den vergangenen drei Jahren stagniert haben, deutet sich für 2026 eine Erholung an. Zwar halten wir die Prognosen der Unternehmensanalysten für zu optimistisch, doch der nachlassende Gegenwind von der Währungsseite, die Erholung der Unternehmensinvestitionen sowie die expansive Geld- und Fiskalpolitik dürften die Gewinnsituation im neuen Jahr in Europa verbessern. Gleiches gilt für die USA: Dort dürften die Gewinne dieses Jahr angesichts einer florierenden Wirtschaft und einer unterstützenden Wirtschaftspolitik erneut prozentual zweistellig wachsen. Wir erwarten daher für 2026 ein weiteres positives Aktienmarktjahr, rechnen allerdings wie bereits 2025 mit zwischenzeitlichen Phasen erhöhter Risikoaversion.
Für die Aktienmärkte halten wir neue Rekordstände für sehr wahrscheinlich. Das alles spricht für eine Übergewichtung von Aktien bei gleichzeitiger Beibehaltung einer hohen Gewichtung von US-Aktien.

Das Rentenmarktjahr 2026 dürfte anders als in den Vorjahren weniger von externen Faktoren wie der Zollpolitik und den davon abgeleiteten Inflationserwartungen geprägt sein. In den USA wird die Federal Reserve angesichts eines sich leicht eintrübenden Arbeitsmarktes (und eines nicht komplett wegzudefinierenden politischen Drucks) vermutlich die Leitzinsen bis Ende 2026 erneut zwei- bis dreimal senken, doch gilt das inzwischen mehr oder weniger als Konsens und dürfte dementsprechend kaum einen Marktteilnehmer groß überraschen.

Die erwarteten Leitzinssenkungen dürften sich aus unserer Sicht am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve bemerkbar machen. Das lange Ende hingegen könnte unter dem Einfluss der hohen Staatsausgaben, dem damit verbundenen steigenden Angebot an US-Staatsanleihen sowie einem potenziellen Vertrauensverlust leiden, insbesondere, falls es zu stärkeren politischen Eingriffen in die geldpolitische Unabhängigkeit der Federal Reserve durch Präsident Trump kommen sollte. Vor diesem Hintergrund rechnen wir bei 10-jährigen US-Treasuries bis zum Jahresende 2026 mit einem moderaten Renditeanstieg um rund 15 Basispunkte auf etwa 4,20%. Wie im Euroraum dürfte dies zu einer leichten Versteilerung der Zinsstrukturkurve führen.
Aus dieser Markteinschätzung ergibt sich die Empfehlung, die Duration gegenüber der jeweiligen Benchmark maximal neutral zu halten.

Thomas Kruse, Chief Investment Officer, Amundi Deutschland
2026 wird wirtschaftlich ein Übergangsjahr in ein neues industrielles Regime sein. KI-getriebene Investitionsausgaben, Veränderungen in der globalen Industriepolitik, eine stärkere Widerstandsfähigkeit der Unternehmen gegenüber Zöllen und voraussichtliche geldpolitische Lockerungen sollten die Konjunktur trotz aller Herausforderungen am Laufen halten. Allerdings sollten Investoren ebenso die Risiken einer hohen Aktienkonzentration bei gleichzeitig hoher Bewertung, einer steigenden öffentlichen Verschuldung, einer Inflation, die zu einer strukturellen Komponente wird, und einer geoökonomischen Neuordnung abwägen.

In der Asset Allokation unserer Portfolien stehen wir diesen Herausforderungen grundsätzlich leicht positiv gegenüber.

Auf der Aktienseite werden der Tech-Investitionszyklus sowie die Ausbreitung der KI in die Produktionsprozesse der Industrie ein zentrales Thema der Transformation bleiben. Das Konzentrationsrisiko bei den US-Mega Caps lässt uns aber über die USA hinaus auch auf Technologieunternehmen in China, Taiwan, Europa und Japan blicken. So konzentrieren wir uns an den Aktienmärkten auf eine sowohl regionale als auch sektorielle Diversifikation. Neben der angesprochenen Technologiethematik stehen dabei ebenfalls Finanztitel oder auch Industrieunternehmen im Fokus, die von den höheren Investitionen profitieren sollten. Neben der Verteidigungsindustrie zählen hierzu auch defensivere Sektoren wie die Kommunikationstechnologie oder auch die Energieversorgung.

Generell befürworten wir in unseren Portfolien eine breite Diversifikation über eine Vielzahl von Assetklassen hinweg, um den Risiken, die eine solche gravierende Transformation mit sich bringt, robust gegenüberzustehen. Neben einer leichten Übergewichtung sowohl der Aktien als auch der Unternehmensanleihen guter Bonität gehören dementsprechend nach unserer Ansicht auch Beimischungen inflationsgeschützter Anleihen, ausgewählter Währungen oder auch Gold in ein ausgewogenes Portfolio.

Den Staatsanleihen stehen wir aufgrund der hohen Verschuldung bestenfalls neutral gegenüber, würden aber vor dem Hintergrund der stark steigenden Verschuldung in den USA verbunden mit einem schwachen US-Dollar europäische Titel den amerikanischen Staatsanleihen vorziehen.

Frank Fischer, Vorstandsvorsitzender, Shareholder Value Management
Die globalen Kapitalmärkte stehen 2026 vor einer Zäsur, manche sprechen auch von dem „Jahr der Wahrheit“. Über Jahre kumulierte Ungleichgewichte in der Fiskalpolitik, der technologischen Bewertung und der monetären Steuerung müssen sich nun auflösen. Da die politische Antwort auf die enorme US-Schuldenlast (prognostiziert bei über 140 % des BIP) in einer fortgesetzten „finanziellen Repression“ besteht, drohen Sparern durch negative Realzinsen schleichende Enteignungen. Trump‘s „Mar-a-Lago-Accord“ ist ein Policy-Blueprint, der auf Berater wie Stephen Miran, der Trump nahesteht, zurückgeht. Besorgniserregend sind die Hinweise auf finanzielle Repression: Diskutiert werden Mechanismen, die ausländische Halter von US-Anleihen faktisch „zur Kasse bitten“. Das soll geschehen durch den Druck, US-Treasuries in extrem lang laufende, niedrig bzw. nicht verzinste Papiere zu tauschen (z.B. 100-Jahre-Bonds bzw. zero-coupon/perpetual Bonds – ökonomisch nahe an einer Zwangsanleihe), oder durch eine „user fee“/Quellensteuer-ähnliche Abgabe auf Zinszahlungen bzw. Kapitalzuflüsse, um die Attraktivität von Dollar-Assets zu senken. Kritiker betonen, dass genau solche Schritte die Safe-Haven-Eigenschaft von Treasuries und Vertrauen in den Dollar untergraben und dadurch massive Marktvolatilität bis hin zu globaler Ansteckung auslösen könnten. Anlegern bleibt daher nur die Flucht in hochwertige Sachwerte wie Aktien.

In Anlehnung an Charlie Munger und Warren Buffett setzen wir bei Shareholder Value Management konsequent auf den Modern-Value-Ansatz. Wir investieren ausschließlich in „wunderbare Firmen“, die über einen tiefen wirtschaftlichen Burggraben verfügen. Dieser Moat dient als entscheidender struktureller Schutz: Er schirmt die Kapitalrenditen über mindestens ein Jahrzehnt hinweg gegen Wettbewerb und neue disruptive Kräfte ab – 2026 ist dabei die Hauptfrage, welche Burggräben auch der Bedrohung durch KI standhalten. Nur Unternehmen mit einem „KI-resistenten“ Schutz besitzen die notwendige Preissetzungsmacht, um den realen Werterhalt des Kapitals zu garantieren. Wir agieren als Contrarians dort, wo Marktmeinungen übermäßig negativ sind. Eine Chance zur Outperformance sehen wir aktuell im britischen Aktienmarkt, wo wir Weltmarktführer mit starken Burggräben zu „Ausverkaufspreisen“ finden. Zudem positionieren wir uns antizyklisch in Sektoren wie dem Biopharma-Bereich (CDMOs) und Diagnostikfirmen. Nach den Post-COVID-Anpassungen kehren diese Unternehmen zu stabilen Wachstumstrends von 7 bis 8 % zurück. Durch diese gezielte Auswahl von Qualitätswerten mit Sicherheitsmarge navigieren wir unsere Kunden gestärkt durch das „Jahr der Wahrheit“.

Robert Rethfeld, Herausgeber, Wellenreiter-Invest
Das Jahr 2026 ist ein Zwischenwahljahr im US-Wahlzyklus. Es sollte ein Seitwärtsjahr werden. Der Kauf-Fokus liegt auf dem Beginn des vierten Quartals. Das vierte Quartal ist in Zwischenwahljahren positiv.

Tuan Huynh, Kapitalmarktstratege DACH und Osteuropa, Blackrock
Unsere zentrale These für 2026 lautet: Das Anlageumfeld wandelt sich grundlegend und wird von wenigen strukturellen Megatrends geprägt. Besonders deutlich zeigt sich dies im rasanten Ausbau der KI, deren Tempo und Kapitalintensität historisch beispiellos sind. Damit verschiebt sich das Wachstum von einem kapitalarmen zu einem stark kapitalintensiven Modell, das wirtschaftliche, finanzielle und infrastrukturelle Grenzen ausreizt.

Die Investitionssummen im KI-Umfeld erreichen eine Größenordnung, bei der unternehmerische Entscheidungen zunehmend gesamtwirtschaftliche Relevanz erlangen. Ob und in welchem Umfang sich diese Vorleistungen langfristig in entsprechende Erträge übersetzen lassen, ist noch offen. Gleiches gilt für die Frage, wie sich mögliche Wertschöpfung entlang der einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette verteilt. Hinzu kommen reale Begrenzungen, etwa bei Energie, Infrastruktur und Genehmigungen, die den Ausbau bremsen, aber auch neue wirtschaftliche Schwerpunkte verschieben können. Ein weiterer zentraler Faktor ist der zunehmende Einsatz von Fremdkapital. Zukunftsinvestitionen gehen den Erträgen voraus und treffen auf bereits hohe staatliche Verschuldung, was das Finanzsystem anfälliger für Zinsbewegungen und politische Schocks macht. Private Kapitalquellen gewinnen in diesem Umfeld an Bedeutung, insbesondere für Infrastruktur- und Transformationsprojekte.

Vor diesem Hintergrund verändert sich der Charakter klassischer Diversifikation. Marktbewegungen werden zunehmend von gemeinsamen Faktoren bestimmt, sodass breit angelegte Allokationen faktisch konzentrierte Risikopositionen darstellen können. Entsprechend erfordert dieses Umfeld eine differenzierte Steuerung von Risiken, hohe Flexibilität und die gezielte Nutzung alternativer Ertragsquellen. Für die Portfolio-Allokation bedeutet dies eine aktivere Ausrichtung, eine Übergewichtung von US-Aktien mit KI-Bezug und den gezielten Einsatz idiosynkratischer Renditequellen, insbesondere in Privatmärkten – kombiniert mit belastbaren Plan-B-Strategien.

Bisher in dieser Serie erschienen:

Expertenumfrage Teil 1: Wachstum, Inflation, Zinsen, Gold, Dollar: Das erwarten unsere Volkswirte für 2026

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