Q2-Preview Deutsche Börse: Je unruhiger die Märkte, desto besser
Der Börsenplatzbetreiber dürfte im zweiten Quartal von regem Handel profitiert haben. Risiken am Golf, Ölpreise und Zinserwartungen trieben die Volumina. Entscheidend bleibt die Marge, im Segment IMS wie auch im Konzern.

Über Langeweile konnten Börsianer im zweiten Quartal beileibe nicht klagen. Die auf- und abflackernde KI-Euphorie, der Börsengang von SpaceX und die immer wieder aufflammende Krise um die Straße von Hormus beschäftigten die Marktteilnehmer. Hinzu kamen ständig neu kalibrierte US-Zinserwartungen. Von diesem Umfeld profitieren Börsenplatzbetreiber weltweit.
Dieses Umfeld dürfte auch unserem Musterdepotwert Deutsche Börse in die Karten gespielt haben. Der Frankfurter Konzern präsentiert die Zahlen zum zweiten Quartal am kommenden Mittwochabend (22.7.). Nach einem schwächeren April zogen die Umsätze an Eurex und Kassamarkt im Mai an: Sie lagen gut 13% über dem Vorjahresniveau, im Juni waren es sogar ein Drittel mehr. Diesmal trieben nicht US-Zölle wie im Vorjahr die Volumina, sondern der Konflikt zwischen den USA und dem Iran, schwankende Ölpreise und wechselhafte Zinserwartungen, die Anleger zu mehr Absicherungsgeschäften zwangen. Insgesamt lag das Handelsvolumen an Eurex und Kassamarkt im zweiten Quartal rund 8% über dem Vorjahr, nach 10% im fulminanten ersten Quartal.
Bei den Segmenten zeigt sich das gewohnte Bild: Trading & Clearing dürfte um rund 4% zugelegt haben. Fund Services und Securities Services wachsen mit voraussichtlich 15% bzw. 11% weiterhin zweistellig und bestätigen ihre Rolle als margenstarke Wachstumstreiber. Die große Unbekannte bleibt Investment Management Solutions (IMS): Mit einem erwarteten Zuwachs von 8% wäre es das stärkste Quartal seit Q2 2024. Entscheidend für die Marktreaktion wird sein, ob und wie deutlich die EBITDA-Marge über die 30%-Marke klettert.

Für den Konzern insgesamt deutet sich damit ein starkes erstes Halbjahr an. Die Nettoerlöse dürften im zweiten Quartal um rund 6% auf 1,59 Mrd. Euro gestiegen sein, nach einem Plus von 9% im ersten Quartal. Das passt zur Guidance von CEO Stephan Leithner: Um die avisierten 6,4 Mrd. Euro im Gesamtjahr zu erreichen, benötigt das Unternehmen ein Wachstum von 6,7%. Der Analystenkonsens liegt mit 6,478 Mrd. Euro bereits leicht darüber.
Beim EBITDA rechnen Analysten mit einem Plus von 7% auf 953 Mio. Euro, nach 10% im ersten Quartal. Das Ergebnis dürfte damit erneut etwas stärker wachsen als die Erlöse. Dahinter steht der Segmentmix: Trading & Clearing, Fund Services und Securities Services vereinen rund 80% der Erlöse auf sich und arbeiten mit deutlich höheren Margen als IMS. Im ersten Quartal lagen die EBITDA-Margen dort bei rund 67%, 63% und 74%, während IMS lediglich 29% erreichte. Nimmt die margenstarke Handelsaktivität zu, profitiert die EBITDA-Marge des Gesamtkonzerns überproportional.
Ob CFO Jens Schulte nach dem ersten Halbjahr bereits die Prognose anheben kann, ist offen. Zumindest dürfte die Zuversicht wachsen, sie zu erreichen, sollten die Q2-Zahlen die Erwartungen wie in den Vorquartalen deutlich übertreffen. Das größte Fragezeichen bleibt IMS: Das Segment steht für rund 20% der Erlöse, trägt wegen seiner deutlich niedrigeren Marge aber nur etwa 10% zum EBITDA bei. Am Ende dürften sowohl die Entwicklung dieser Segmentmarge als auch die Marge des Gesamtkonzerns über die Reaktion der Anleger entscheiden.
Die Aktie der Deutschen Börse (255,30 Euro; DE0005810055) ist ein Core Investment in unserem Musterdepot ohne Stopp. Angesichts einer aktuellen Bewertung mit dem etwa 19,5-Fachen der künftig erwarteten Gewinne, was in etwa dem langfristigen Schnitt entspricht, raten wir unverändert zum „Halten“. Neuleser warten auf günstigere Einstiegsfenster.