ASML hebt Prognose erneut an und stellt 2030-Ziele auf den Prüfstand
Der Chipausrüster ASML hebt die Jahresziele erneut kräftig an und plant für 2027 und 2028 deutlich mehr Anlagen. Die Aktie verspielt nach den Zahlen dennoch ein Kursplus von 8%.

Der Ende Januar bereits überraschend positive Ausblick auf das laufende Jahr hat sich bei ASML als immer noch viel zu vorsichtig erwiesen. Nach der ersten Erhöhung im April legten die Niederländer bei Vorlage der Q2-Zahlen am Mittwoch (15.7.) erneut nach. Die Umsatzprognose liegt nun bei 43 Mrd. bis 45 Mrd. Euro, nachdem ursprünglich nur 34 Mrd. bis 39 Mrd. Euro avisiert wurden. Die Bruttomarge soll im Gesamtjahr zwischen 54% und 56% liegen, statt wie zunächst erwartet zwischen 51% und 53%.
Auf Basis der Mittelpunkte rechnet ASML nun mit einem Bruttogewinn von 24,2 Mrd. Euro. Das sind 5,2 Mrd. Euro oder rund 28% mehr als vor einem knappen halben Jahr.
Grund für den Optimismus ist die Investitionswelle rund um künstliche Intelligenz. Große Chiphersteller bauen ihre Werke schneller aus und schließen länger laufende Verträge mit ihren Abnehmern. Das erhöht auch die Planungssicherheit von ASML. CEO Christophe Fouquet erklärte im Analysten-Call: „Die Kundennachfrage bleibt sehr stark, und unsere Sicht reicht inzwischen mehrere Jahre in die Zukunft.“ Für 2027 ist die geplante Produktion der wichtigsten Lithografiesysteme, der sogenannten Low-NA-EUV-Anlagen, nahezu komplett mit Bestellungen abgedeckt. Auch für 2028 liegen bereits zahlreiche Aufträge vor.
Aufträge treiben den Kapazitätsausbau
ASML will die Produktionskapazität dieser Anlagen deshalb 2027 um rund 30% auf etwa 85 Stück erhöhen. Sollte die Nachfrage weiter steigen, soll gemeinsam mit den Zulieferern geprüft werden, ob auch noch mehr möglich ist. Für 2028 prüft der Konzern schon jetzt einen weiteren Ausbau auf etwa 110 Maschinen. Die dafür nötigen Kapazitäten kann ASML auf den vorhandenen Flächen schaffen. „Wir warten nicht, bis die Bestellungen eingehen“, betonte Finanzvorstand Roger Dassen. ASML bereitet sich damit schon heute auf eine Nachfrage vor, für die noch nicht sämtliche verbindlichen Aufträge vorliegen.
Für die Kunden wie TSMC, Samsung, Intel und Micron ist das besonders wertvoll: Wegen leistungsfähigerer Modelle soll die mit den 2027 ausgelieferten Anlagen bereitgestellte Fertigungskapazität um rund 45% steigen. ASML sieht deshalb mehr Preissetzungsspielraum. Einem Medienbericht zufolge plant der Konzern bereits höhere Preise, stößt damit bei TSMC aber auf Widerstand. Wegen der langen Bestell- und Lieferzeiten dürften die positiven Effekte allerdings erst verzögert in Umsatz und Gewinnmarge sichtbar werden.
Die Q2-Zahlen belegen schon jetzt die Dynamik. Der Umsatz stieg um 21% auf 9,3 Mrd. Euro, der Nettogewinn um 27% auf 2,9 Mrd. Euro. Das Geschäft mit bereits installierten Anlagen wuchs um 32% auf 2,8 Mrd. Euro. Hintergrund: Viele Kunden steigern kurzfristig die Leistung ihrer vorhandenen Maschinen. Für das dritte Quartal stellt der Vorstand 11 Mrd. bis 12 Mrd. Euro Umsatz sowie eine Bruttomarge von 55% bis 57% in Aussicht. Für 2026 rechnet ASML mit mehr als 75% Umsatzwachstum durch Anlagen für Speicherchips. Der Umsatz mit Anlagen für die Herstellung moderner Logikchips soll um mehr als 25% steigen.
Die bisherigen Langfristziele reichen nicht mehr
Die Ende 2022 aufgestellten und zwei Jahre später bestätigten Langfristziele dürften damit zu niedrig angesetzt sein. Schon 2026 könnte ASML die Untergrenze des für 2030 avisierten Umsatzkorridors von 44 Mrd. bis 60 Mrd. Euro erreichen. Am oberen Ende der neuen Margenprognose für 2026 von 54% bis 56% wäre zugleich bereits die Untergrenze des für 2030 vorgesehenen Korridors von 56% bis 60% erreicht.
Seine langfristigen Annahmen will der Vorstand deshalb beim Kapitalmarkttag in elf Monaten (10.6.27) aktualisieren. Erste Analysten rechnen für 2030 bereits mit Umsätzen von rund 84 Mrd. Dollar (73,2 Mrd. Euro) und einem Gewinn je Aktie von knapp 82 Dollar (71,49 Euro). In der Spitze wurden vor den neuen Zahlen schon EPS-Schätzungen von fast 97 Euro genannt. Diese Zahlen deuten an, welches Potenzial Europas bedeutendster Player im KI-Sektor noch hat. Für das laufende Jahr wurde bislang nur ein EPS von 31,50 Euro erwartet, für 2027 waren es gut 48 Euro.
An der Börse reichten die neuen Ziele dennoch nur kurz für Begeisterung. Die Aktie (1.572,80 Euro; NL0010273215) lag am Mittwoch zunächst fast 8% im Plus, musste die Gewinne bis zum Handelsschluss aber wieder komplett abgeben. Ein Grund dafür dürfte sein, dass der Kurs seit Jahresbeginn bereits um 70% gestiegen ist. Seit dem Tief im April 2025 hat er sich mehr als verdreifacht. Unsere vor fast genau einem Jahr ausgesprochene Kaufempfehlung liegt mit rund 160% im Plus.
Der Chipausrüster bleibt wegen seiner starken Positionierung in einem dynamischen Wachstumsmarkt ein Basisinvestment. Das schützt den Kurs aber nicht vor den üblichen Schwankungen. Wir ziehen den Stoppkurs von 750,00 Euro auf 850,00 Euro nach. Wer noch nicht investiert ist, versucht ASML bei 1.330 Euro zu akkumulieren.