Insider bleiben Käufer, doch bei den Chip-Gewinnern wird verkauft
Im fünften Monat in Folge kaufen Insider deutlich mehr Aktien, als sie verkaufen. Die Kaufquote bleibt mit 90% sehr hoch. Auffällig ist jedoch: Bei zwei Highflyern des deutschen Aktienmarktes trennen sich Führungskräfte bereits den zweiten Monat in Folge von Anteilen.

Im Juni waren neun von zehn Insider-Transaktionen Käufe. 45 Mal griffen Vorstände und Aufsichtsräte bei Aktien des eigenen Unternehmens zu, nur fünfmal wurde verkauft. Die Kaufquote liegt damit bei 90% und hält sich im fünften Monat in Folge auf oder über dieser Schwelle. Seit dem Hoch im Februar mit 97,6% geht sie allerdings leicht zurück. Für das erste Halbjahr stehen damit insgesamt 255 Käufe bei 279 Transaktionen zu Buche. Das entspricht einer Kaufquote von 91,4%. Die vollständige Übersicht aller Insider-Transaktionen im Juni haben wir wie gewohnt in einer separaten Tabelle zusammengestellt.

Unter den wenigen Verkäufern fallen zwei interessante Wiederholungstäter auf: Infineon und der ehemalige Depotwert Elmos Semiconductor. Infineon legte 2026 in der Spitze um 135% zu und markierte am 22. Juni bei 88,83 Euro ein Allzeithoch. Danach fiel die Aktie zeitweise auf unter 70 Euro zurück. In diesem Umfeld verkauften Aufsichtsrat Peter Gruber am 8. Juni und Vorstand Andreas Urschitz am 16. Juni Aktien zu Kursen von jeweils über 80 Euro.
Auch Elmos Semiconductor zählte zu den großen Gewinnern. Die Aktie hat sich binnen zwölf Monaten fast verdreifacht und erreichte Anfang Mai bei 206 Euro ein Verlaufshoch. Zuletzt fiel sie auf unter 160 Euro zurück. Aufsichtsrat Thomas Lehner und Vorstandsmitglied Burkhard von Spreckelsen verkauften Mitte Juni bei rund 176 Euro. Wichtig dabei: Die beteiligten Führungskräfte halten weiterhin umfangreiche Aktienpakete, die sie zuvor im Rahmen von Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen erhalten hatten. Bei derart stark gelaufenen und entsprechend hoch bewerteten Aktien sind solche Verkäufe daher nicht zwangsläufig als Vertrauensverlust ins eigene Unternehmen zu werten.
Wir selbst haben bei beiden Chipwerten ebenfalls reagiert. Elmos verließ am 11. Juni mit einem Gewinn von 71,6% unser Musterdepot. Zuvor hatten wir den Stopp mehrfach nachgezogen. Bei Infineon griff Anfang Juli unser bewusst aggressiv nachgezogener Stopp.
Käufe mit Konstanz
Auf der Käuferseite dominieren einige altbekannte Namen, teils mit beeindruckender Konstanz. Kontron führt die Liste an: Seit mittlerweile 14 Monaten in Folge kaufen dort Insider Aktien. Dahinter folgen unser Musterdepotwert Scout24 mit acht Käufen in zwölf Monaten und Symrise mit sieben Käufen. Auch GEA sticht hervor. Im Juni griffen sechs verschiedene Vorstandsmitglieder zu. Es war bereits der vierte Monat in Folge mit durchgehenden Insiderkäufen. Die gute Auftragslage, die attraktive Bewertung und genau diese umfangreichen Insiderkäufe gaben für uns Ende Juni den Ausschlag: Wir sprachen eine limitierte Kaufempfehlung für den Maschinenbauer fürs Musterdepot aus und kamen damit Anfang Juli auch zum Zug.
Kürzere, aber ebenfalls konstante Kaufserien endeten dagegen im vergangenen Monat. Bei MTU riss im Juni eine viermonatige Serie, bei Grenke eine dreimonatige. In die Kursschwäche hinein kauften Insider dagegen weiterhin Rüstungswerte. Rheinmetall markierte Ende Juni bei rund 900 Euro ein neues Jahrestief und lag damit mehr als 50% unter dem Allzeithoch von Oktober 2025. Führungskräfte des Unternehmens griffen insgesamt fünfmal zu. Hensoldt notiert gut ein Drittel unter seinem Rekord; auch hier kauften Insider im Monatsverlauf fünfmal.

Interessant sind zudem die Neuzugänge auf der Käuferliste. Lanxess, Uzin Utz, Mutares und Hamborner Reit tauchen erstmals seit mindestens 14 Monaten wieder auf. Continental meldet sich nach über einem Jahr Pause zurück. Eine gemeinsame Branchenklammer gibt es dabei nicht: Spezialchemie trifft auf Immobilien, eine Beteiligungsholding und einen Automobilzulieferer. Was die fünf Werte eint, ist allein die lange Funkstille davor.
Erfreulich ist auch der Blick auf unsere Musterdepotwerte: Im Juni gab es dort ausschließlich Insiderkäufe. Scout24-CFO Martin Mildner, seit dem 1. März im Amt, griff am 19. Mai und erneut am 1. Juni zu. GEA bleibt mit der genannten Sechser-Serie der Dauerbrenner unter den Depotwerten. Bei der Deutschen Telekom kaufte Vorstand Rodrigo Francisco Diehl nahe am Zweijahrestief, nur vier Tage nach unserem eigenen Einstieg bei dem Wert.