Flatexdegiro mit Rekordgewinn – Erhöhung der Guidance könnte folgen
Hohe Handelsaktivitäten und ein überraschend gutes Zinsergebnis bescheren Flatexdegiro einen Rekordstart ins Jahr. Die Guidance bleibt vorerst unverändert, eine Anhebung zur Jahresmitte erscheint aber möglich.

Die Erlöse von Flatexdegiro kletterten im ersten Quartal um fast ein Fünftel auf 174 Mio. Euro, getrieben von einer um 17% auf 22,7 Mio. gestiegenen Zahl von Transaktionen. Das war das höchste Transaktionsvolumen beim Frankfurter Broker seit dem ersten Quartal 2021. CEO Oliver Behrens zeigte sich davon in der Telefonkonferenz am Donnerstag (23.4.) wenig überrascht. „Venezuela, Grönland, Iran, KI-Fear-Trades. Angesichts all dieser Ereignisse ist es fast überraschend, dass die Märkte nicht noch stärker reagiert haben.“
Das EBITDA legte um mehr als ein Viertel auf gut 87 Mio. Euro zu, die EBITDA-Marge verbesserte sich um 290 Basispunkte auf 50,2%. Unter dem Strich stand mit 54 Mio. Euro der höchste Quartalsgewinn in der Unternehmensgeschichte. Die Zahlen lagen allesamt über den Erwartungen.

Die stetig wachsende Kundenbasis (+19.000 gegenüber dem Vorquartal auf 3,6 Mio.), steigende Gebühren je Transaktion (mittlerweile 5,09 Euro je Order) sowie der geplante Rollout von Produkten wie Sparplänen und Kryptohandel in Europa sprechen auch für die kommenden Quartale für weiteres Wachstum. Allerdings kommen im April und Oktober zwei Monate mit starken Vergleichszahlen aus dem Vorjahr.
Guidance-Anhebung im Sommer möglich
Strukturell ist flatexdegiro dabei gut aufgestellt, um von anhaltend hohen Handelsaktivitäten zu profitieren: Das skalierbare Geschäftsmodell erlaubt es, steigende Transaktionsvolumina mit überproportionalem Margenzuwachs zu monetarisieren.

Trotz des starken Auftaktquartals verzichtete Behrens darauf, die Guidance für 2026 anzuheben. Diese sieht weiterhin, bei einer gegenüber 2025 nachlassenden Handelsaktivität, ein Erlöswachstum von 5-10% und einen Gewinnanstieg von 5-15% vor. Analysten erwarten 8% Umsatz-, aber bereits 21% Gewinnwachstum in diesem Jahr, was im Vorfeld der Quartalszahlen die Hoffnungen auf eine frühzeitige Guidance-Erhöhung genährt haben dürfte. Behrens dazu: „Im Vorjahr haben wir bis nach dem zweiten Quartal gewartet, bis wir die Guidance erhöht haben, und das war gut so.“
Sollten die Handelsvolumina hoch bleiben, wäre eine Prognoseanhebung mit den Halbjahreszahlen im Juli möglich. Aus der Aktie ist nach einer starken Entwicklung in den ersten drei Wochen des April jedoch erst einmal etwas die Luft herausgewichen. Am Donnerstag verlor das Papier (33,24 Euro; DE000FTG1111) 9% und war damit der schwächste Wert im MDAX. Mit einem KGV von 18,4 ist die Aktie zwar im historischen Vergleich nicht mehr günstig (10J-Schnitt: 14,5). Angesichts der bestätigten Mittelfrist-Guidance, die bis 2027 ein jährliches Umsatzwachstum von 10% und eine Gewinnausweitung von 21% vorsieht, halten wir die derzeitige Prämie aber nach wie vor für vertretbar.
Flatexdegiro bleibt auf Kaufen. Unser Stopp klettert von 20,75 auf 22,25 Euro.