Die PLATOW-Dividendenkönige – Treue schlägt Rendite
Hohe Dividendenrenditen sind oft trügerisch. Wer nach Dividendenstärke sucht, schaut besser auf Kontinuität und den Fünf-Jahres-Schnitt. Unsere Analyse zeigt: Echte Dividendenkönige sind rar.

Die Dividendenrendite ist schnell berechnet – und ebenso schnell falsch interpretiert. Denn sie ist das Resultat aus der Höhe der Ausschüttung und dem zugrunde gelegten Kurs, meist dem Jahresendkurs. Ist der Aktienkurs stark gefallen, steigt die Rendite. Aussagekräftiger ist daher der Fünf-Jahres-Schnitt, der kurstreibende Einmaleffekte abmildert. Noch wichtiger ist aus unserer Sicht die Dividendentreue: Zahlt ein Unternehmen seit vielen Jahren eine Dividende und hat die Ausschüttung je Aktie immer mindestens auf dem Vorjahresniveau gehalten oder erhöht? Das halten wir für ein wesentlich belastbares Zeichen für die Stärke des zugrundeliegenden Geschäftsmodells.
Unsere Dividendenkönige
Wir haben deshalb die 83 laufenden Kaufempfehlungen der PLATOW Börse (Stand: 31.3.2026) daher auch nicht nach der aktuellen Dividendenrendite geordnet, sondern zunächst nach der Dividendentreue der vergangenen zehn Jahre und anschließend nach der durchschnittlichen Rendite der vergangenen fünf Jahre. Den vollständigen Überblick finden Sie hier.
Als treu gilt dabei nur, wer seit 2015 lückenlos eine Dividende gezahlt und diese nie unter das Vorjahresniveau gesenkt hat. Sonderdividenden werden mitgezählt – was Unternehmen wie MLP oder MBB aus der Gruppe eliminiert hat. MLP senkte 2015 die Dividende. MBB wiederum hat zwar seit dem Börsengang 2006 stets eine gleich hohe oder höhere Basisdividende gezahlt, doch nach Jahren mit Sonderdividenden blieb die Ausschüttung im darauffolgenden Jahr auch mal darunter.
Nach diesem Maßstab bleiben von 83 Empfehlungen nur neun echte Dividendenkönige übrig. Beim Blick auf die Sektoren zeigen sich dabei klare Muster. Der Finanzsektor weist mit einem Fünf-Jahres-Schnitt von 4,3% die höchste Rendite aus und stellt vier der neun Dividendenkönige: Allianz, Munich Re und unsere Musterdepotwert Talanx und Deutsche Börse. Dahinter rangieren mit DWS und MLP zwei weitere Finanztitel unter den 20 besten Titeln.

Der Industriesektor hat mit 25 Titeln das größte Gewicht im Empfehlungsuniversum, aber auch die stärkste Streuung – von Deutsche Post (4,4% im Fünf-Jahres-Schnitt) bis zu unserem Musterdepotwert Fraport (0,7%). Dividendentreu sind hier nur GEA und Vossloh. Im Technologiesektor sticht Freenet mit einem Fünf-Jahres-Schnitt von 7,6% als defensiver Cashflow-Wert heraus – unser Musterdepotwert SAP steht mit 1,6% am anderen Ende, hat aber ebenso wie Fraport (2019) nur in einem der vergangenen zehn Jahre (2021) die Dividende senken müssen.
Autosektor verliert an Glanz
Einen eigenen Blick verdient die Automobilindustrie: Mercedes-Benz, BMW und Volkswagen gehören traditionell zu den starken Dividendenzahlern. Auch im aktuellen Ranking der Fünf-Jahres-Renditen liegen sie immer noch unter den Top Ten – die Stuttgarter führen diese Auswertung mit 7,8% sogar an, die Münchner folgen mit 6,2% auf Platz 5 und die Wolfsburger mit 5,8% auf Rang 8. Doch der strukturelle Wandel der Branche schlägt sich in der jüngeren Ausschüttungspolitik deutlich nieder: Mercedes kürzte die Dividende für 2025 um 18,6% gegenüber dem Vorjahr, VW um 17,2%. Die hohen Renditen spiegeln damit auch den starken Kursverfall insbesondere der vergangenen zwei Jahre wider – und das Risiko weiterer Kürzungen bei der Dividende ist nicht von der Hand zu weisen.
Wer dauerhaft von Dividenden profitieren will, sollte nicht der höchsten Rendite nachjagen, sondern auf Kontinuität und nachhaltige Ausschüttungskraft setzen. Die neun Dividendenkönige aus unserem Empfehlungsuniversum sind in jedem Fall einen Blick wert.