Die Aktienmärkte befinden sich seit Anfang März in einem spürbaren Auf und Ab. In den ersten drei Wochen seit Kriegsausbruch büßte der DAX 11% ein, der MDAX sogar 12%. Am Montag (23.3.) ließ allein ein kurzer Tweet von US-Präsident Donald Trump über ein mögliches Kriegsende den deutschen Leitindex binnen Minuten um 1.300 Punkte steigen. Doch die Hoffnung währte nur kurz: Die Gewinne wurden rasch wieder abgegeben.

Der geopolitische Schock aus dem Nahen Osten hat die Bewertungsniveaus am deutschen Aktienmarkt jedenfalls deutlich verschoben. Sowohl im DAX als auch im MDAX sind die Kurs-Buchwert-Verhältnisse (KBV) seit Ende Februar um rund 10% gefallen. Der DAX notiert aktuell bei 1,67 – nur leicht über seinem Zehnjahresschnitt von 1,61; Ende Februar lag er noch bei 1,84. Der MDAX bleibt mit einem KBV von 1,2 klar unter seinem historischen Durchschnitt von 1,7 und ist damit weiterhin attraktiv bewertet. Zwölf der 50 MDAX-Unternehmen werden derzeit unter ihrem Buchwert gehandelt.

Ein Blick auf die Sektoren zeigt: Der Bewertungsdruck trifft die Branchen sehr unterschiedlich. Besonders stark leiden Konsumwerte wie Redcare Pharmacy oder Beiersdorf, deren Bewertungen um über 30% gesunken sind. Auch Immobilienwerte, von Aroundtown über Vonovia bis LEG Immobilien, finden sich mit Abschlägen von 20 bis 25% auf Spitzenplätzen wieder.

Anleger wägen sorgsam ab

Klassische Zykliker sind ebenfalls stark betroffen: Industrie- und Automobilwerte verzeichnen durchweg zweistellige Rückgänge. Autozulieferer wie Schaeffler und Industriewerte wie Deutz notieren rund 30% unter ihren früheren Bewertungen. Dieses Muster überrascht nicht: Zyklische Geschäftsmodelle reagieren besonders sensibel auf geopolitische Risiken und konjunkturelle Eintrübungen. Energiesensible Produzenten wie Salzgitter geraten ebenfalls unter Druck.

Technologiewerte präsentieren sich insgesamt robuster, wobei das Bild differenziert bleibt. Selbst qualitativ hochwertige Unternehmen wie Bechtle sind vor Abschlägen von 22% nicht gefeit, während unser Musterdepotwert Aixtron mit einer Multiple-Ausweitung von fast 20% zu den wenigen Gewinnern im DAX und MDAX zählt.

Versorger und Finanzwerte im Aufwind

Auffällig ist zudem die relative Stabilität von Versorgern und Finanzwerten. Unser Musterdepotwert Deutsche Börse liegt hinter Aixtron auf Platz zwei der Gewinnerliste. Flatexdegiro, RWE und Münchener Rück zählen ebenfalls zu den zehn besten Werten (wobei beim Rückversicherer ein unverändertes KBV schon die Zugehörigkeit zu den Top Ten bedeutet). Diese Branchen gelten als weniger anfällig für geopolitische Spannungen und zeichnen sich durch defensive Eigenschaften aus.

Das Gesamtbild ist klar: Der Rückgang der Bewertungen seit Anfang März ist kein pauschaler Abverkauf, sondern eine gezielte Neubewertung von Risiken. Zyklische und konjunktursensible Sektoren stehen unter Druck, während defensive und selektiv wachstumsstarke Bereiche stabil bleiben oder sogar profitieren. Der Markt reagiert differenziert – und zeigt damit, dass Anleger Risiken nicht panisch verkaufen, sondern sorgfältig abwägen.