Schwacher US-Arbeitsmarkt: Kommt jetzt die Rally bei zinssensitiven Anlagen?
Am kurzen Ende der Zinskurve steigen die Renditen weiter, obwohl fallende Langfristzinsen und ein sinkender Ölpreis längst Disinflation signalisieren. Die US-Arbeitsmarktdaten könnten nun den Startschuss für eine Erholungsrally zinssensitiver Anlagen liefern, die zuletzt stark unter Druck standen.

Der Markt steht vor einer Richtungsentscheidung. Sinkende langfristige Inflationserwartungen und ein anhaltend kräftiger Ölpreisrückgang zeichnen ein nachlassendes Inflationsbild – am langen Ende bleibt die Kurve entsprechend gedeckelt. Am kurzen Ende zogen die Renditen jedoch weiter an, getrieben von der Sorge, Kevin Warsh könnte als Fed-Chef einen deutlich restriktiveren Kurs einschlagen. Der Widerspruch erklärt sich aus unserer Sicht vor allem durch einen Kommunikationswechsel der US-Notenbank: Die Fed hat ihre Forward Guidance spürbar zurückgefahren und zwingt den Markt zur Selbstfindung. Das Resultat ist eine erhöhte Risikoprämie am kurzen Ende, die angesichts der nachlassenden Inflationsdynamik zunehmend übertrieben wirkt. Auffällig ist zudem: Bereits ab etwa einjähriger Laufzeit geht die Kurve wieder nach unten. Das bedeutet, dass der Markt für spätere Zeitpunkte bereits niedrigere Zinsen erwartet. Das könnte ein frühes Signal sein, dass auch die sehr kurzfristigen Zinserwartungen bald nachgeben.
Positionierung im Dollar und SOFR am Anschlag
Auch die Positionierung der Investoren spricht für eine mögliche Wende. Im SOFR-Future, einem wichtigen Finanzinstrument zur Absicherung oder Spekulation auf kurzfristige US-Zinsen, setzen viele Marktteilnehmer einseitig auf weiter steigende Zinsen. SOFR steht für „Secured Overnight Financing Rate“ und ist ein wichtiger Referenzzins für kurzfristige US-Dollar-Finanzierungen.
Ähnlich sieht es beim US-Dollar aus. Viele Investoren sind „long“ im Dollar, sie setzen also auf einen weiter steigenden Greenback. Beides hängt eng zusammen: Wer auf höhere kurzfristige US-Zinsen setzt, erwartet meist auch einen stärkeren Dollar. Denn höhere Zinsen machen eine Währung für Anleger attraktiver.
Solche einseitigen Wetten können lange funktionieren. Wenn sich das Bild aber dreht, werden sie oft schnell aufgelöst. Solche Konstellationen entladen sich historisch selten sanft.
US-Arbeitsmarktbericht als Vorbote
Ein erster Auslöser dafür könnte der jüngste US-Arbeitsmarktbericht vom Donnerstag (vgl. Ticker v. 2.7.) gewesen sein. Der sogenannte NFP-Bericht misst die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft. NFP steht für „Nonfarm Payrolls“ und ist einer der wichtigsten US-Konjunkturindikatoren. Erwartet wurden 113.000 neue Stellen, tatsächlich waren es nur 57.000.
Diese schwachen Arbeitsmarktdaten sprechen dafür, dass die US-Wirtschaft an Dynamik verliert. Damit sinkt auch der Druck auf die Fed, die Zinsen weiter hochzuhalten. Entsprechend begannen erste Zinswetten am kurzen Ende bereits, sich aufzulösen. Auch die Dollar-Rallye bekam einen Dämpfer.
Wichtig sind außerdem die Realzinsen. Beispiel: Liegt die Rendite einer fünfjährigen US-Staatsanleihe bei 4% und die erwartete Inflation bei 2%, beträgt der Realzins 2%. Hohe Realzinsen belasten vor allem Anlagen, die keine laufenden Zinsen abwerfen – etwa Gold, Silber oder Bitcoin.
Diese Anlagen litten in den vergangenen Monaten unter steigenden Realzinsen und einem starken Dollar. Nach dem schwächeren Arbeitsmarktbericht und den nachlassenden Inflationssignalen erscheint es nun weniger wahrscheinlich, dass die Fed die Realzinsen noch deutlich weiter steigen lässt.
Damit könnte sich ein neues Zeitfenster für zins- und dollarsensitive Anlagen öffnen. Gemeint sind Anlagen, die besonders stark auf Veränderungen bei US-Zinsen und Dollar reagieren – zum Beispiel Edelmetalle, Bitcoin, Schwellenländerwährungen oder wachstumsstarke Aktien. Der Markt scheint reif für eine Rotation: Kapital könnte aus den bisherigen Gewinnern herausfließen und in zuletzt belastete Bereiche umgeschichtet werden.