Kevin Warshs Antrittssitzung als Fed-Chef begann mit einem Paukenschlag. Zwar bestätigte der FOMC mit 12 zu 0 Stimmen die Leitzinsspanne von 3,50% bis 3,75% – so erwartet, so unspektakulär. Doch das war auch das Einzige, was nach Routine aussah. Das Statement schrumpfte von 341 Wörtern im April auf nur noch 130 – eine drastische Bereinigung, die ganz auf Warshs Linie der bewussten Unterkommunikation einzahlt. Vor allem verschwand die bisherige Lockerungstendenz ersatzlos. Stattdessen die klare Ansage: „The Committee will deliver price stability.“ Die Inflationsbekämpfung rückt also in der Kommunikation in den Vordergrund. Die Inflation – auf Drei-Jahres-Hoch – liege deutlich über dem 2-Prozent-Ziel, auch wegen Angebotsschocks im Energiesektor. Die Märkte reagierten umgehend: S&P 500 -1,25%, Nasdaq -1,01%, Treasury-Renditen kletterten spürbar.

Der fehlende Punkt im Dot Plot

Die eigentliche Sensation steckt in den neuen Projektionen. Der Median für das Jahresende 2026 sprang von 3,4% auf 3,8% – das FOMC stellt damit explizit eine Zinsanhebung in Aussicht. Neun von 18 Teilnehmern erwarten Zinsen über der aktuellen Spanne bis Jahresende, acht sehen keine Veränderung, ein einziger noch eine Senkung. Doch der spektakulärste Punkt im Dot Plot ist der fehlende: Warsh hat seine eigene Projektion schlicht nicht abgegeben – eine in der modernen Fed-Geschichte beispiellose Verweigerung des Forward-Guidance-Instruments. Konsistent mit seinen „lange gehegten Ansichten“, wie er in der Pressekonferenz erklärte. Eine Kampfansage an die Schule der präzisen Markt-Steuerung à la Jerome Powell – und ein klarer Wink an die Märkte, sich auf weniger Pfadführung einzustellen.

Warsh signalisiert Unabhängigkeit von Trump

Für Anleger heißt das: Zinssenkungen sind vom Tisch – trotz des neuen, von Donald Trump favorisierten Fed-Chefs. Wo der Markt noch vor Wochen eine Senkung 2026 einpreiste, müssen sich Investoren nun auf eine mögliche Zinsanhebung einstellen. Die Treiber: die scharfe Energierally, der Hormus-Stau, eine zähe US-Kerninflation und ein Arbeitsmarkt, der sich kaum eintrübt. Warsh kündigte zudem eine Task Force zur Überarbeitung „wesentlicher Fed-Operationen“ an – im Klartext: Auch Bilanz, Discount Window und Kommunikationsregime kommen auf den Prüfstand. Wer auf das alte Powell-Drehbuch baute, mit klaren Pfadsignalen und vorsichtiger Lockerungsneigung, muss umlernen. Warsh führt anders. Härter, kürzer, opaker – und mit seiner ersten Amtshandlung: entschieden hawkish.