Gold unter Druck – Warum ein Einstieg jetzt Sinn ergibt
Die Welt steht vor einer Energie- und Lieferkettenkrise, die alle Krisen der Nachkriegszeit übertreffen könnte und Notenbanken, Anleihemärkte und Staatsfinanzen gleichzeitig unter Druck setzt. Warum Gold in diesem Szenario zu einer der überzeugendsten Anlagen werden könnte.

Was nach Corona als Lieferkettenstörung galt, dürfte im Rückblick wie eine Generalprobe erscheinen. Damals fehlten Halbleiter und Spezialkomponenten. Heute setzt die Disruption tiefer an: bei Energie und Rohstoffen, den Grundstoffen jeder wirtschaftlichen Aktivität. Eine Störung dieses Ausmaßes hat die Weltwirtschaft seit 1945 nicht erlebt. Das Ergebnis ist ein Cocktail aus steigenden Preisen und perspektivisch schrumpfender Wirtschaftsleistung, eine Stagflation, die Notenbanker in eine echte Klemme treibt: Senken sie die Zinsen, befeuern sie die Inflation. Erhöhen sie diese, würgen sie die Konjunktur ab.
Staaten stimulieren – und machen es schlimmer
Westliche Regierungen werden kaum anders können, als fiskalisch zu reagieren: Unternehmen, die wegen Mangels an chemischen Vorprodukten oder Energie die Produktion einstellen, werden gestützt. Energiepakete könnten eingeführt werden, die die eigene Bevölkerung im globalen Bieterwettbewerb um fossile Ressourcen stärken, auf Kosten ärmerer Länder, die schlicht nicht mithalten können. Gleichzeitig dürfte der Anleihemarkt unter Druck geraten: Steuereinnahmen brechen weg, während Gläubiger angesichts steigender Inflationserwartungen höhere Zinsen verlangen. Emittiert der Staat neue Anleihen in einen bereits fallenden Markt, um seine Defizite zu finanzieren, dürfte die Nachfrage kaum ausreichen. Die logische Konsequenz: Zinskurvenkontrolle oder quantitative Lockerung, beides geldmengenwirksam, beides inflationstreibend.
Gold wartet auf den richtigen Moment
Gold läuft der Inflation voraus, nicht hinterher. Der Grund liegt in seiner inversen Korrelation mit den realen Renditen, also dem nominalen Zins zehnjähriger US-Staatsanleihen abzüglich der Inflationserwartungen. Steigen die Nominalrenditen schneller als die Erwartungen, drückt das auf den Goldpreis. In diesem Umfeld fahren Investoren kurzfristig besser, direkt in die Treiber der Inflation zu investieren: Energie und Agrarrohstoffe. Kommt es jedoch zur Zinskurvenkontrolle, werden Nominalrenditen künstlich gedeckelt, während fiskalische Stimuli die Erwartungen weiter anheizen, dürfte Gold zu einer der überzeugendsten Anlagen werden. Der Markt hat eine Tendenz, solche Entwicklungen sukzessive einzupreisen. Der jüngste, teils kapitulationsartige Abverkauf bei Gold könnte für jene, die die Rally verpasst haben, ein interessanter Einstiegspunkt sein.