Vor drei Monaten lautete unsere Kernfrage, ob die Tech-Konzerne ihre Milliardeninvestitionen zeitnah in Umsatz, Gewinn und Cashflow übersetzen. Die neuen Zahlen liefern klare, aber unterschiedliche Antworten. Microsoft setzte mit seinen Q4-Zahlen am Mittwoch (29.7.) den Maßstab. Azure, die Cloud-Plattform des Konzerns, beschleunigte ihr Wachstum auf 43%. Die Zahl der bezahlten Microsoft-365-Copilot-Plätze stieg auf mehr als 30 Mio. Der Konzern meldete 41 Mrd. US-Dollar Capex; der Free Cashflow blieb mit 19,6 Mrd. Dollar trotzdem deutlich positiv. Amazon steigerte den Umsatz seiner Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) um 37%. Das KI- und das eigene Chipgeschäft erreichten jeweils mehr als 25 Mrd. Dollar annualisierten Umsatz. Der Free Cashflow der vergangenen zwölf Monate sank wegen des Infrastrukturaufbaus auf minus 7,6 Mrd. Dollar.

Meta Platforms erhöhte den Werbeumsatz um 27% und führte die bessere Nutzerbindung und Werbewirkung teilweise auf KI zurück. Nach 31,1 Mrd. Dollar Investitionen blieben aber nur 784 Mio. Dollar Free Cashflow. Apple überzeugte bei iPhone und Mac. Zudem erhöhten Zollerstattungen die Bruttomarge um rund zwei Prozentpunkte und den Gewinn je Aktie um 0,11 Dollar. Services und der Ausblick enttäuschten jedoch. Alphabet lieferte mit 82% Cloud-Wachstum erneut starke Belege für die Monetarisierung. Die Baustellen der Google-Mutter haben wir bereits vor gut einer Woche genannt: externes Kapital, zugekaufte Rechenleistung, die Verzögerung von Gemini 3.5 Pro und Margenrisiken.

Die Börse trennt nach Qualität der Monetarisierung

Die Reaktion der Börsianer auf die Ergebnisse und Ausblicke war eindeutig. Microsoft und Amazon legten deutlich zu, weil beschleunigtes Cloud-Wachstum, hohe Margen und steigende Auftragsbestände den milliardenschweren Infrastrukturaufbau bereits wirtschaftlich unterfüttern. Meta und Apple standen wie zuvor schon Alphabet kräftig unter Druck. Bei Meta fehlen den Börsianern vor allem neue KI-Erlöse außerhalb der Werbung und bei Apple dürfte es die Kombination aus schwachem Ausblick und hoher Bewertung sein.

Die nächste Phase des KI-Booms dürfte die Unterschiede zwischen den einzelnen Playern noch vergrößern, wenn auch nicht zwingend mit denselben Vorzeichen. Wir gehen Stand jetzt davon aus, dass die meisten Menschen perspektivisch kein bestimmtes KI-Modell auswählen (müssen), weil die künstliche Intelligenz größtenteils hinter vertrauten Oberflächen verschwindet. Die Gemini-App zählt 950 Mio. monatliche Nutzer und die KI-Funktionen treiben laut Alphabet schon heute die Zahl der Suchanfragen. 3,6 Mrd. Menschen nutzen die Meta-Apps und es gibt mehr als 30 Mio. bezahlte Copilot-Plätze bei Microsoft. Der jeweilige Anbieter kontrolliert Zugang, Daten und Bezahlung; das Modell wird austauschbarer.

Aus Gewohnheit und vor allem im beruflichen Kontext auch aus Gründen der Sicherheit und des Datenschutzes dürften viele Menschen für die Suche im Internet weiterhin Google nutzen, in Windows und Office arbeiten, bei Amazon einkaufen oder auf ihrem Smartphone Instagram, WhatsApp und andere Programme nutzen. Einen erkennbaren Mehrwert können die Anbieter über höhere Lizenz- und Abopreise, bessere Werbung oder zusätzliche Transaktionen monetarisieren.

Der Zugang zum Nutzer wird zum entscheidenden Vorteil

Entscheidend wird sein, wer aus diesem Zugang in den kommenden Jahren zusätzliche Erlöse erzielt, ohne dabei die Marge zu verwässern. Das größte planbare Potenzial sehen wir bei Microsoft. Copilot lässt sich pro Arbeitsplatz und nach Nutzung abrechnen, Azure liefert die Rechenleistung. Steigende Inferenz- und Infrastrukturkosten könnten jedoch die Cloud-Margen drücken. Alphabet besitzt im Konsumentenmarkt den besten Zugang und profitiert von eigenen Chips, muss aber die genannten Probleme lösen.

Amazon kann zugleich an AWS, Werbung und Einkäufen verdienen. Fremde Einkaufsagenten könnten jedoch Amazons Suche und damit gesponserte Platzierungen umgehen. Meta monetarisiert KI bereits über bessere Werbung und kann WhatsApp zur Plattform für Unternehmensagenten ausbauen. Noch fehlt jedoch der Nachweis, dass neue Erlöse die hohen Investitionen rechtfertigen. Apple besitzt mit dem iPhone einen besonders direkten Zugang zum Alltag der Menschen. Ein überzeugender Siri-Nutzen könnte einen neuen Geräte- oder Servicezyklus auslösen. Vorerst belasten allerdings Lieferengpässe, Speicherpreise und der verzögerte Start in der EU und China.

Microsoft ist aktuell unser Favorit für planbare KI-Monetarisierung. Gute Chancen sehen wir auch bei Alphabet, während Amazon den größten operativen Hebel bietet. Meta muss erst noch beweisen, dass man sich in dem hart umkämpften Markt behaupten kann. Das positive Überraschungspotenzial ist hier wegen der aktuellen Skepsis aber wohl am größten. Apple muss den wirtschaftlichen Nutzen von Siri erst belegen; die vergleichsweise geringen KI-Investitionen begrenzen aber das Cashflow-Risiko.

Unsere Empfehlungen zu den einzelnen Aktien

Die langfristige Perspektive der Unternehmen darf aber nicht mit der kurz- bis mittelfristigen Entwicklung der Aktienkurse gleichgesetzt werden. Das haben die vergangenen Wochen noch einmal deutlich gezeigt. Bei Apple (303,40 Dollar; US0378331005) war das KGV (12-Month-Forward) vor den Zahlen mit 35 auf den höchsten Stand der vergangenen zehn Jahre gestiegen. Der schwächer als erwartete Ausblick rechtfertigt diesen Bewertungsaufschlag derzeit nicht. Bei Meta Platforms (547,35 Dollar; US30303M1027) erscheint das entsprechende KGV von 16 angesichts der erwarteten Gewinnsteigerungen günstig. Nach dem Kursrutsch fehlt der Aktie jedoch ein kurzfristiger Treiber; das Sentiment bleibt negativ. Apple und Meta wandern daher gemeinsam mit Alphabet (344,30 Dollar; US02079K3059) auf die Beobachtungsliste. Details zu Alphabet finden Sie hier.

Amazon ist auf Konzernebene zwar deutlich margenschwächer als die anderen Anbieter, doch die Profitabilität steigt. Trotz der positiven Kursentwicklung liegt das 12-Month-Forward-KGV der Aktie (269,70 Dollar; US0231351067) mit 25 auf einem historisch niedrigen Niveau. Akkumulieren Sie Amazon bei 255,00 Dollar. Stopp: 155,00 Dollar. Microsoft verbindet seit Jahren starkes Wachstum mit hohen operativen Margen. Die jüngsten Zahlen sprechen für eine Fortsetzung. Das 12-Month-Forward-KGV von 23 liegt dennoch am unteren Ende der Zehnjahres-Range. Die Aktie (462,30 Dollar; US5949181045) hatte bereits vor den Zahlen die Unterstützung bei 350,00 Dollar erfolgreich verteidigt. Akkumulieren Sie Microsoft bei 425,00 Dollar und sichern Sie die Position anschließend mit einem Stopp bei 335,00 Dollar ab.