US-Großbanken schlagen Schätzungen – Stärke der Konsumenten kommt auf den Prüfstand
JPMorgan, Bank of America, Wells Fargo und Goldman Sachs schlagen die Analystenschätzungen vor allem dank starker Kapitalmärkte. Auch die US-Konsumenten, traditionell die Stütze der Konjunktur, zeigen sich erstaunlich robust. Doch das Bild könnte täuschen.

Rekordgewinne, spektakuläre Handelserträge, ein Boom im Investmentbanking: Den US-Großbanken gelang im zweiten Quartal ein Ausnahmequartal. JPMorgan verdiente mit 21,2 Mrd. US-Dollar so viel wie nie zuvor in einem Quartal. Ein milliardenschwerer Sondergewinn aus dem Visa-Aktientausch half dabei allerdings kräftig mit. Auch Bank of America, Wells Fargo, Goldman Sachs und Citigroup schlugen am Dienstag (14.7.) die Analystenschätzungen. Grund war insbesondere das starke Investmentbanking- und Handelsgeschäft.
Dimon befürchtet tektonische Verschiebungen
Dass hinter den glänzenden Zahlen dennoch Risiken lauern, deutete Jamie Dimon an. Geopolitische Spannungen, hartnäckige Inflation und hohe Vermögenspreise könnten sich wie tektonische Platten verschieben – und im Ernstfall kollidieren, so der Chef von JPMorgan bei Vorstellung der Zahlen.
Bemerkenswert robust zeigt sich in diesem Umfeld bislang der amerikanische Verbraucher. Inflation und geopolitische Sorgen hätten eigentlich erste Bremsspuren im Konsumentengeschäft erwarten lassen. Bislang zeigt sich davon wenig: JPMorgan senkte seine Prognose für die Ausfallquote im Kartengeschäft, also für den Anteil der Kredite, die als uneinbringlich gelten. Statt 3,4% rechnet die Bank nun mit rund 3,2% für das Gesamtjahr. Im zweiten Quartal lag die Quote bei 3,34%, kaum verändert zu den Vorquartalen und komfortabel im langjährigen Korridor von 3% bis 4%.
Auch bei der Bank of America zeigen sich keine Bremsspuren im Konsumentengeschäft, einem wesentlichen Konzernteil. Die gesamten Kreditwertberichtigungen lagen bei 1,4 Mrd. Dollar, praktisch unverändert zum Vorquartal und unter dem Vorjahreswert von 1,5 Mrd. Dollar. Im Kartengeschäft sanken die Abschreibungen sogar leicht auf 919 Mio. Dollar.
Nächster Stopp: Zahlen der Kartenanbieter
Ein anderes Bild liefert Citigroup, die Bank mit dem größten Konsumentengeschäft unter den US-Instituten. Die Ausfallquote stieg im zweiten Quartal auf 4,2%. Das ist der höchste Stand seit einem Jahr. Das Bild vom unbeeindruckten Verbraucher bekommt also erste feine Risse, zu denen in den kommenden Wochen weitere hinzukommen könnten. Denn der Optimismus der Konsumenten ruht im Kern auf zwei Stützen: dem Vermögenseffekt durch die Rekord-Aktienmärkte und einem robusten Arbeitsmarkt. In den USA halten deutlich mehr Haushalte Aktien als hierzulande. Doch beide Effekte begünstigen überproportional einkommensstärkere Haushalte. Bank-Manager sprechen deshalb selbst von einer „K-shaped economy“: Wohlhabendere Kunden geben weiter kräftig aus, während die Lage bei einkommensschwächeren Haushalten zunehmend angespannter wird.
Mehr Klarheit dürften in den kommenden Wochen die Kartenanbieter liefern. Mastercard (23.7.), American Express (24.7.) und Visa (28.7.) veröffentlichen bis Ende Juli umfangreiche Daten zu den Kartenausgaben nach Einkommenssegmenten. American Express bedient tendenziell gehobene Einkommen, Visa und Mastercard dagegen ein breiteres Spektrum inklusive Debitkarten.
Unter den US-Großbanken ist von uns nur JPMorgan mit „Kaufen“ bewertet. Die Aktie (334,53 Dollar; US46625H1005) trägt ein KBV von 2,4 – rund 50% über dem langjährigen Schnitt von 1,6. Diese Prämie verdiente sich die Bank bislang mit profitablem Wachstum und hohen Kapitalrenditen. Kurzfristig steigen jedoch die Risiken. Wir stufen JPMorgan daher von Kaufen auf Halten ab und ziehen den Stopp von 202,00 auf 256,00 Dollar nach.