Powell-Abschied mit Knall – Fed gespalten wie seit 1992 nicht mehr
Der Leitzins bleibt bei 3,75%, doch das 8-zu-4-Votum offenbart tiefe Risse im FOMC. Nachfolger Kevin Warsh erbt eine gespaltene Notenbank im Inflationsdilemma.

Stillstand mit Sprengkraft: Die US-Fed hält den Leitzins zum dritten Mal in Folge konstant bei 3,75%. Doch unter der Oberfläche rumort es. Mit acht zu vier Stimmen fiel das Votum so zerklüftet aus wie zuletzt im Oktober 1992. Drei der vier Dissenter wollten die Lockerungstendenz aus dem Statement gestrichen sehen, ein hawkisches Signal an Märkte und den Vorsitzenden in spe Kevin Warsh. Jerome Powell, der hier seinen letzten Vorsitz absolviert, geht mit Knall. In acht Jahren hatte er den FOMC stets auf Konsenslinie gebracht, nun zerbricht die Geschlossenheit zum Abschied.
Ölpreis kassiert die Zinswende
Im Statement räumt das FOMC ein, die Inflation sei erhöht, auch wegen der Energiepreisrallye. Noch im März hatte der Dot Plot eine Senkung 2026 und eine weitere 2027 angedeutet, mit neutralem Niveau um 3,1%. Davon ist nichts mehr übrig: Die Fed Funds Futures preisen für den Rest von 2026 und weit ins Jahr 2027 keine Senkung mehr ein. Auch die zehnjährige Treasury-Rendite kletterte im Laufe der Sitzung deutlich auf 4,42% und befindet sich nun nahe der Hochs der vergangenen sechs Monate. Wer auf einen schnellen Zinszyklus nach unten gewettet hatte, muss umdenken.
Warsh setzt auf KI, Powell warnt
Die ökonomische Pointe der Übergabe liegt im Streit um die KI: Warsh hatte vor dem Senat argumentiert, KI-getriebene Produktivitätsgewinne ließen Zinssenkungen ohne Inflationsrisiko zu. Powell sah die KI zuletzt als kurzfristigen Inflationstreiber: Der Data-Center-Boom überfordere Bauwirtschaft und Stromnetze, die Effizienzgewinne seien noch theoretisch. Donald Trumps Hoffnung auf einen schnellen Schwenk zu billigem Geld bleibt vorerst unerfüllt. Erschwerend kommt hinzu, dass Powell als Gouverneur auf unbestimmte Zeit im Amt bleiben will – mit Verweis auf „illegale Attacken“ der US-Regierung. Warsh bekommt damit weniger eine Stab- als eine Schützengraben-Übergabe.