Das Jahr nähert sich seinem Ende, und für europäische Investoren fällt die Bilanz ihrer US-Exposure ernüchternd aus. Zwar liegt der S&P 500 seit Jahresbeginn in US-Dollar gerechnet mit knapp 16% im Plus, doch die deutliche Abwertung des Greenbacks reduziert die Rendite für Anleger aus dem Euroraum auf magere rund 2%. Beim technologie- und KI-lastigen Nasdaq fällt das Plus in Euro mit knapp 5% nur unwesentlich höher aus.

Diese Diskrepanz zwischen nomineller Indexentwicklung und realer Anlegerrendite verweist auf einen grundlegenderen Wandel: Erstmals seit vielen Jahren profitieren internationale Investoren kaum noch von der Stärke der US-Börsen.

Besonders überraschend ist dies vor dem Hintergrund, dass 2025 als Jahr des KI-Booms galt – und damit als Paradebeispiel für die Innovationskraft der US-Wirtschaft. Doch während US-Technologieaktien neue Höchststände erreichten, entwickelten sich andere Märkte deutlich dynamischer. Der DAX verzeichnet eine Jahresrendite von rund 21%, und auch Aktienmärkte in China, Lateinamerika oder Afrika ließen die USA hinter sich. Die bislang scheinbar unangefochtene Führungsrolle der US-Börsen gerät damit zunehmend ins Wanken.

Kapitalabflüsse und politischer Kurswechsel

Ein zentraler Grund dafür sind spürbare Kapitalabflüsse aus den USA, die insbesondere in den ersten beiden Quartalen zu beobachten waren. Diese Entwicklung ist weniger zyklischer Natur als vielmehr das Resultat eines strategischen Kurswechsels der US-Wirtschaftspolitik. In den vergangenen 25 Jahren hatten US-Unternehmen ihre Profitabilität vor allem durch die Verlagerung von Produktionsketten ins Ausland gesteigert – vornehmlich nach China.

Die zunehmenden geopolitischen Spannungen und die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen und Vorprodukten erzwingen nun jedoch ein Umdenken. Die Rückverlagerung von Produktionskapazitäten in die USA („onshoring“) ist kapitalintensiv, senkt kurzfristig die Margen und kehrt den Trend der Globalisierung teilweise um. Parallel dazu lastet eine historisch hohe Staatsverschuldung auf dem Wirtschaftsmodell der USA. Zunehmend entsteht der Eindruck, dass diese Schulden nicht primär durch fiskalische Disziplin, sondern durch reales Wachstum und höhere Inflation zulasten der Anleihehalter abgetragen werden sollen.

2025 könnte damit als Wendepunkt in die Kapitalmarktgeschichte eingehen: Erstmals reichten selbst die enorme Innovationskraft der US-Unternehmen und ein massiver KI-Investitionszyklus nicht mehr aus, um internationale Kapitalzuflüsse dauerhaft zu sichern. Anleger reagieren bereits – mit Verkäufen von US-Anleihen, einer Abkehr vom Dollar und einer kritischeren Haltung gegenüber US-Aktien.