Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC-ADR; 342,50 Euro; US8740391003) steht exemplarisch für den globalen Halbleiterboom. Als dominierender Auftragsfertiger und mit einer Gewichtung von 13 bis 14% im MSCI Emerging Markets Index prägt das Unternehmen nicht nur die Branche, sondern zunehmend auch die Entwicklung ganzer Indizes.

Kursrally seit über einem Jahr

An der Heimatbörse in Taipeh hat der Titel in gut einem Jahr fast 180% zugelegt. Diese Rekordjagd findet auch 2026 eine Fortsetzung. Zuletzt befeuerte die Meldung über einen Gewinnanstieg im ersten Quartal von 58% auf 572,5 Mrd. Taiwan-Dollar die Rally. Dank der ungebrochenen Nachfrage nach modernsten 3-Nanometer-Chips, die in Produkten von Apple bis Nvidia zum Einsatz kommen, hat das Management zudem die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf über 30% angehoben.

Auch die technologische Roadmap überzeugt. Auf einem Symposium präsentierte TSMC jüngst die kommenden Fertigungsplattformen A13 und A12. Diese markieren den Vorstoß in den Bereich von nur noch wenigen Angström (Zehntel-Nanometern) und versprechen ab 2029 noch effizientere Hochleistungschips. Strategische Weitsicht beweist der Vorstand beim Aufschub der teuren High-NA-Lithografie bis nach 2029, um zunächst die Profitabilität bestehender Anlagen zu maximieren.

Kommt Lockerung der Gewichtung?

Die operative Brillanz hat TSMC zum unangefochtenen Schwergewicht im MSCI Emerging Markets Index gemacht. Noch extremer ist die Lage am Heimatmarkt: Beim taiwanesischen TAIEX-Index hat sich das Gewicht in sechs Jahren auf 44% verdoppelt. Dies erzeugt enormen Benchmark-Druck. Da viele Fondsmanager gesetzlich bei einer 10%-Gewichtung pro Einzelwert gedeckelt sind, konnten sie die enorme TSMC-Stärke im Portfolio kaum abbilden.

Die geplante Lockerung dieser Grenze durch die Aufsichtsbehörde auf 25% ist daher eine wichtige Weichenstellung für den lokalen Markt (globale MSCI-Indizes sind davon unberührt). Wenn Manager ihre TSMC-Bestände anpassen dürfen, könnte das Zuflüsse von bis zu 6 Mrd. USD auslösen.

Auch so gesehen spricht vieles für zunächst weiter steigende Kurse. Zumal auch die Ergebnisschätzungen passen, da der Konsens von 2025 bis 2028 den Gewinn von 10,63 USD auf 23,42 USD je Aktie steigen sieht.

Politische Risiken weitgehend ausgeblendet

Dass wir trotzdem nicht auf den fahrenden Zug aufspringen wollen, hat damit zu tun, dass bereits viel Perfektion eingepreist sein dürfte. Die Sektorstimmung ist nach vielen guten Nachrichten in Serie zunehmend euphorisch – womit das Enttäuschungspotenzial wächst. Zudem scheint der Markt politische Risiken (China-Taiwan-Konflikt, Invasionsgefahr, US-Exportbeschränkungen) derzeit weitgehend auszublenden.

Da wir aber gerne diszipliniert agieren, lässt uns das bei TSMC an der Seitenlinie verharren.