Es ist kaum Zufall, dass die USA gerade jetzt gemeinsam mit Japan am Devisenmarkt intervenieren, um den Dollar gegenüber dem Yen zu schwächen. Der Eingriff fällt in eine Phase starken Drucks am langen Ende der US-Zinskurve. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg jüngst auf 5,28% und damit auf den höchsten Stand seit 2007.

Am Donnerstag intervenierte zunächst das japanische Finanzministerium im Alleingang. Mit geschätzten 8,45 Bio. Yen beziehungsweise rund 52,8 Mrd. US-Dollar war es die größte Eintagesintervention Tokios überhaupt. Am Freitag folgte Washington. Damit kauften die USA und Japan erstmals seit 1998 wieder gemeinsam Yen. Zuvor war die japanische Währung auf 163,73 Yen je Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit 1986 gefallen. Nach den Eingriffen erholte sie sich auf gut 157 Yen. Offiziell richtet sich die Intervention gegen die „exzessive Volatilität und ungeordneten Bewegungen“ am Devisenmarkt.

Ein Eingriff im Eigeninteresse

Hinter der Aktion steht ein handfestes US-Kalkül: die Stabilisierung des eigenen Marktes für langlaufende Staatsanleihen. Die Mechanik ist tückisch. Ein noch schwächerer Yen könnte die Bank of Japan dazu zwingen, zur Stützung ihrer Währung in großem Stil US-Treasuries zu verkaufen. Japan ist der größte ausländische Gläubiger der USA.

Ein solcher Verkaufsdruck träfe das lange Ende zur Unzeit. Die US-Renditen würden weiter steigen, während beide Länder ohnehin mit höheren Finanzierungskosten kämpfen. Die koordinierte Intervention soll genau dieses Szenario verhindern: Washington hilft beim Yen-Kauf, damit Tokio seine Treasury-Bestände möglichst nicht antasten muss. Die Devisenpolitik dient damit zumindest indirekt auch der Stabilisierung des US-Anleihemarktes.

Der wunde Punkt ist der Carry Trade

Für Anleger liegt die eigentliche Brisanz jedoch an anderer Stelle. Der schwache Yen bildet das Fundament des größten Carry Trades der Welt: Investoren verschulden sich günstig in Yen und investieren das Kapital in höher verzinste Währungen und Anlagen. Trifft eine massive Intervention auf eine extrem einseitige Positionierung – Spekulanten sind so stark auf einen fallenden Yen positioniert wie selten –, droht eine Kettenreaktion. Steigt der Yen abrupt, müssen Carry-Trader ihre Positionen auflösen. Die dadurch ausgelösten Yen-Käufe treiben die Währung weiter nach oben und zwingen weitere Anleger zum Ausstieg.

Genau dieser Mechanismus ließ die Aktienmärkte am 5. August 2024 binnen weniger Tage einbrechen. Sollte die Bank of Japan die Intervention nun zusätzlich mit einem überraschenden Zinsschritt flankieren, wäre der Boden für einen kräftigen Short Squeeze bereitet. Die Folgen könnten weit über den Devisenmarkt hinausreichen und zahlreiche globale Risikoanlagen erfassen.