Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) hat ihre Wachstumsprognose für ihr Berichtsgebiet 2026 noch einmal leicht von 5,1 auf 4,9% gesenkt. Für 2027 erwartet sie unverändert ein Plus von 5,1%. Maßgeblich sind die vom Konflikt im Nahen Osten ausgelösten Störungen der Energieversorgung und der Lieferketten. Diese sorgen nicht nur aus Sicht der ADB für höhere Produktionskosten und eine vielerorts schwächere Nachfrage, was die Konjunktur spürbar abbremst.

Hinter der unverändert optimistischen Prognose für 2027 steht weiterhin die bereits im April geäußerte Erwartung, dass der Konflikt bald beigelegt oder zumindest eingedämmt werden kann.

Indien bleibt China beim Wachstum voraus

Die Wachstumsabschwächung verteilt sich weitgehend gleichmäßig auf die Subregionen und einzelnen Länder. Für das Schwergewicht China bleiben die Prognosen unverändert bei 4,6% für 2026 und 4,5% für 2027. Rivale Indien behält trotz einer leichten Abwärtsrevision mit 6,6 und 7,3% (zuvor: 6,9 und 7,3%) die klar besseren Aussichten.

Zentralasien und Kaukasus geraten stärker unter Druck

Eine nennenswerte Abweichung von diesem Muster zeigt die Region Zentralasien und Kaukasus, deren Wachstumsausblick für 2026 von 4,2 auf 3,8% gesenkt wurde. Dahinter steht zunächst die schwächere Prognose für Armenien mit 5,0 und 5,5% (zuvor: 5,5 und 5,7%). Belastend wirken die politisch motivierten Handelsbeschränkungen Russlands, während zugleich die Exportroute über den Iran aus bekannten Gründen ausfällt.

Im Hintergrund macht sich zudem die Schwäche der Türkei bemerkbar. Für das Land erwartet die ADB nun ein Wachstum von 3,1 und 3,8% statt zuvor 3,6 und 4,0%. Aufgrund der mittlerweile engen wirtschaftlichen Verflechtungen überträgt sich diese Entwicklung vor allem auf Aserbaidschan und Zentralasien.

Düngemittelknappheit trifft die Philippinen

Deutlicher nach unten korrigiert wurden daneben lediglich die Prognosen für die Philippinen. Dort erwartet die ADB nun ein Wachstum von 3,8 und 5,3% statt zuvor 4,4 und 5,5%.

Maßgeblich ist der Schock durch die Verknappung von Mineraldüngern. Die Folge sind Produktionsrückgänge, insbesondere beim asiatischen Grundnahrungsmittel Reis, und entsprechende Preissteigerungen. Zusätzliche Energiekosten für Lagerung, Aufbereitung und Transport verschärfen den Effekt.

Beide Faktoren treffen die Philippinen überproportional. Spezielle Analysen der ADB zu diesem Themenkomplex gehen von Ernteverlusten von bis zu 22% und einem Preisschub in einer ähnlich hohen Größenordnung von etwa 18% aus.

KI-Boom stärkt Südkorea und Taiwan

Positive Überraschungen liefern die stärker entwickelten Volkswirtschaften der Region. Für Südkorea hob die ADB ihre Prognosen auf 2,6 und 2,0% an (zuvor: jeweils 1,9%). Für Taiwan erwartet sie nun ein kräftiges Wachstum von 9,5% im Jahr 2026 und unverändert 4,0% im Folgejahr (zuvor: 7,6 und 4,0%).

Die hohen Exporterlöse aus dem anhaltenden KI-Boom sorgen dort für eine kräftige Binnennachfrage. Davon dürften nicht zuletzt konsumnahe Unternehmen profitieren.