OHB und KKR nutzen das SpaceX-Fieber – Nicht jeder Aktionär profitiert
Der SpaceX-Börsengang hat auch OHB beflügelt. Das Raumfahrtunternehmen aus Bremen und Großaktionär KKR nutzten das geschickt für eine Kapitalerhöhung zu Rekordkursen. Für neue Aktionäre rechnet sich das bislang nicht.

672 Euro: So hoch stand die OHB-Aktie (283,50 Euro; DE0005936124) Mitte Mai kurzzeitig. Das Allzeithoch folgte auf den fulminanten Börsenstart von SpaceX. Vorstandschef Marco Fuchs und Mehrheitsaktionär KKR nutzten das Momentum: Mitte Juni führte OHB eine Kapitalerhöhung durch. Bis zur Platzierung am 22. Juni war der Kurs zwar bereits auf knapp unter 400 Euro gefallen. Historisch blieb das dennoch ein Traumniveau für frisches Kapital und einen Teilverkauf.
Aktionäre sitzen auf Verlust, KKR auf dickem Gewinn
Für neu eingestiegene Aktionäre hat sich das bislang nicht ausgezahlt. Wer bei der Privatplatzierung zu 300 Euro zeichnete, sitzt beim aktuellen Kurs von 283,50 Euro auf einem Minus von 16,50 Euro je Aktie oder rund 5,5%. Auch Altaktionäre zahlten drauf: Im Bezugsrechtsangebot berechtigten 45 alte Aktien zum Bezug von vier neuen Aktien, ebenfalls zu 300 Euro. Für diese vier neuen Aktien wurden 1.200 Euro fällig; heute sind sie nur noch 1.134 Euro wert.
Noch deutlicher fällt die Rechnung aus, wenn man die 45 bereits gehaltenen Aktien zum Referenzkurs von rund 400 Euro Mitte Juni einbezieht. Dann ergibt sich für aufstockende Altaktionäre eine Gesamtinvestition von 19.200 Euro für 49 Aktien, also rund 392 Euro je Papier. Aktuell sind diese 49 Aktien nur noch gut 13.890 Euro wert. Das entspricht einem Buchverlust von knapp 28% seit Mitte Juni.
Ganz anders sieht die Rechnung für KKR aus. Der Finanzinvestor stieg 2023 und 2024 über zwei Übernahmeangebote zu je 44 Euro je Aktie ein und erwarb so knapp 5,5 Mio. der insgesamt 19,15 Mio. Aktien für rund 241 Mio. Euro. Einschließlich einer 10-prozentigen Kapitalerhöhung und einer Beteiligung an der Raumfahrt-Tochter Rocket Factory Augsburg summierte sich der gesamte Einstieg auf rund 338 Mio. Euro.
Nun verkaufte KKR bis zu 1,228 Mio. Aktien zum Platzierungspreis von 300 Euro und kassierte damit rund 368 Mio. Euro – mehr, als der gesamte Einstieg 2023/24 gekostet hatte. Für die jetzt verkauften Papiere hatte KKR ursprünglich nur rund 54 Mio. Euro bezahlt. Der Verkaufserlös entspricht damit dem 6,8-Fachen des Einstandspreises. Mit rund 20% bleibt KKR weiterhin gewichtiger Ankerinvestor.
Hoffnung auf langfristig profitables Wachstum
Warum ist KKR überhaupt eingestiegen? Vor allem, um CEO Fuchs dabei zu helfen, das chronisch margenschwache OHB auf ein höheres Renditeniveau zu heben. Erste Fortschritte sind sichtbar: Die EBITDA-Marge stieg von 6,7% im Jahr 2018 auf 9,4% im Jahr 2025; im Zehnjahresschnitt lag sie bei 8,8%.
Am Stammsitz in Bremen arbeitet OHB bislang aber noch immer stark in Werkstattfertigung statt in skalierbarer Serienproduktion. Mit dem frischen Kapital soll die Fertigung stärker industrialisiert werden. Zusätzlich wächst die Nachfrage durch steigende Verteidigungsausgaben – ein Geschäft, das strukturell höhere Margen erlaubt.
Beides zusammen soll die EBITDA-Marge dauerhaft in Richtung profitablerer Branchenvertreter wie MDA Space aus Kanada mit rund 20% Marge oder Hensoldt mit rund 19% bei Bundeswehr-Projekten heben. OHB selbst peilt bis 2028 eine Marge von mehr als 12% an; Analysten halten bis 2030 sogar rund 14% für möglich. Die Börse hat diesen Margensprung allerdings bereits vorweggenommen.

Die Hoffnung auf profitableres Wachstum ist zweifellos berechtigt. Analysten kalkulieren bis 2030 mit Erlösen von bis zu 4 Mrd. Euro, was einem jährlichen Wachstum von 26% entspricht. Das EBITDA soll auf rund 550 Mio. Euro steigen, entsprechend einem CAGR von 36%.
Die Aktie hat davon jedoch bereits viel vorweggenommen. Seit Jahresbeginn kletterte der Kurs um 150%, während die Gewinnschätzungen lediglich um 23% stiegen. Das Forward-KGV hat sich seit Jahresbeginn auf 65 verdoppelt und liegt damit 225% über dem langjährigen Schnitt. Das EBITDA-Multiple von 32 notiert sogar 240% darüber.
Zum Vergleich: Selbst die bereits profitablere MDA Space kommt beim Gewinnmultiplikator von 38 gegenüber einem historischen Schnitt von 29 nur auf einen Bewertungsaufschlag von gut 30%. Bei OHB ist die Hoffnung auf den Margensprung also längst eingepreist.
Uns ist hier zu viel Zukunft eingepreist. Wir bleiben bei OHB daher weiterhin auf der Seitenlinie.