Infineon setzt voll auf die KI-Karte
KI-Chips statt automobile Halbleiter: Infineon rüstet Teile seiner Produktionskapazitäten um und konzentriert sich stärker auf das margenstarke Geschäft. Das kostet allerdings Geld.

Der Halbleiterhersteller Infineon reagiert aktiv auf die veränderten Marktbedingungen und lenkt Kapital wie auch Produktionskapazitäten gezielt in profitablere Bereiche. Mit den zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 (per 30. September) vorgelegten Zahlen übertraf der Konzern vor allem bei der Gewinnmarge leicht die Erwartungen. Gleichzeitig kündigte Infineon an, die Investitionen im laufenden Jahr um 500 Mio. Euro auf 2,7 Mrd. Euro zu erhöhen. Das zusätzliche Geld fließt vor allem in den Ausbau von Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren, einem der derzeit margenstärksten Wachstumsfelder.
Das für 2026/27 avisierte Umsatzziel von rund 2,5 Mrd. Euro in diesem Bereich – nach etwa 1,5 Mrd. Euro im laufenden Jahr – bezeichnete CEO Jochen Hanebeck im Earnings Call ausdrücklich als Schätzung und „nicht zwingend als Maximum“. Kundenseitig gebe es ein großes Interesse an längerfristigen Liefervereinbarungen. Zudem betonte Hanebeck die breite Kundenbasis und die strategische Bedeutung der Produkte: „Es gibt keine KI ohne Stromversorgung.“ Die aktuelle Verhandlungsposition sei günstig, denn: „Die Kunden würden diese Gespräche nicht führen, wenn sie anderswo reichlich Versorgung bekämen.“
Prognose mit Luft nach oben – aber auch mit Risiken
CFO Sven Schneider verwies darauf, dass in der bestätigten Jahresprognose mögliche Preisanpassungen noch nicht enthalten sind. Diese würden erst nach Abschluss der laufenden Kundengespräche berücksichtigt: „Das wäre ein Aufwärtspotenzial.“ Auf der Risikoseite steht dagegen der Wechselkurs. Infineon kalkuliert für den weiteren Jahresverlauf mit einem Euro-Dollar-Kurs von 1,15, was unter dem aktuellen Niveau liegt. Eine anhaltende Dollar-Schwäche könnte Umsatz und Marge belasten. Positiv ist, dass die höheren Investitionen nicht eins zu eins auf den freien Cashflow durchschlagen. Die Prognose wurde nur moderat von 1,1 Mrd. auf 1,0 Mrd. Euro gesenkt. Dennoch sorgten die Kombination aus steigenden Ausgaben, schwächerem Wachstum im Automotive-Geschäft und Sorgen vor möglichem Preisdruck im KI-Umfeld dafür, dass die Aktie (39,80 Euro; DE0006231004) nach einer starken Eröffnung im Tagesverlauf deutlich ins Minus drehte.
Wir bleiben überzeugt, dass Infineon mittelfristig stark wachsen kann und die Aktie ihre mehrjährige Seitwärtsphase nach oben verlassen wird. Die Aktie ist mit einem Stopp bei 22,00 Euro unverändert kaufenswert.