In zwei Wochen legt die Deutsche Börse ihre Quartalszahlen für das erste Quartal 2026 vor. Die am Montag (13.4.) veröffentlichten Handelsstatistiken für März dürften Analysten noch einmal Anlass geben, ihre Schätzungen nachzuschärfen. Denn die Daten sind in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.

An der Eurex wurden im März 322 Mio. Kontrakte gehandelt. Üblich sind im Schnitt rund 180 Mio. Kontrakte pro Monat; vor Jahresfrist wurden 248 Mio. verzeichnet, rund 23% weniger als in diesem März. Das Unternehmen bestätigte auf Nachfrage, dass März 2026 ein historischer Rekord ist, der selbst die Corona-Verwerfungen des März 2020 übertrifft. Das damalige Volumen wurde um knapp 9% übertroffen.

Geopolitik als Treiber

Der Auslöser ist bekannt: Der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus haben den Ölpreis nachhaltig über die Marke von 100 US-Dollar je Barrel getrieben. Das zwingt institutionelle Anleger dazu, Zins- und Energierisiken massiv neu abzusichern. Allein bei den Zinsderivaten wurden im März 172 Mio. Kontrakte gehandelt. An den Energiemärkten wurden mit 1.670 TWh die höchsten Volumina bei Power-Derivaten seit Beginn der Zeitreihe 1999 verzeichnet.

Auch am Kassamarkt zogen die Umsätze kräftig an. Das Orderbuchvolumen von 208,5 Mrd. Euro lag gut 24% über dem Vormonat und übertraf das Vorjahresvolumen um 1,2%. Für einen Platz unter den zehn höchsten Monatswerten seit 1999 reichte es aber mit Rang 12 nicht.

Ohne Kenntnis der produktspezifischen Transaktionsgebühren lassen sich Erlöse und Gewinne nur überschlägig ableiten. Die höheren Handelsvolumina im März dürften zusätzliche Erlöse im mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbereich erzeugt haben. Da die Kosten bei höherem Volumen nur unterproportional steigen, profitierte das EBITDA überproportional. In den Segmenten Trading & Clearing sowie Securities Services, die zusammen rund 65% der Konzernerlöse ausmachen, liegen die Margen ohnehin bei über 60%. Im März dürften sie noch einmal angezogen haben.

Nachhaltiger Effekt?

Ein Teil der guten Zahlen dürfte eingepreist sein. Die Aktie (252,50 Euro; DE0005810055) unseres Musterdepotwerts ist im März um 8% gestiegen, während der DAX im gleichen Zeitraum rund 10% verlor. Der Effekt könnte aber länger anhalten als der Handels-Boost durch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump vor Jahresfrist: Denn während sich der Zollstreit mit einem Tweet beenden ließ, wird die Blockade der Straße von Hormus absehbar längerfristige Auswirkungen auf den Ölpreis und die Versorgungslage der Weltwirtschaft haben. Solange der Ölpreis über 100 Dollar bleibt, dürfte der erhöhte Absicherungsbedarf anhalten und auch dem zweiten Quartal Rückenwind geben.

Dafür wird die Aktie derzeit aber bereits mit dem 20-fachen erwarteten Gewinn gehandelt, etwas über dem historischen Schnitt von 19. Nachkäufe drängen sich auf diesem Niveau nicht auf.

Deutsche Börse bleibt ein Core Investment ohne Stoppkurs.