Deutsche Bank auf Kurs – Sewing hält alle Versprechen
Die Zahlen der Deutschen Bank bestätigen: Christian Sewing hat 2025 messbar geliefert. Erträge, Kosten, Eigenkapitalrendite — alles deutet auf einen erfolgreichen Wandel hin. Doch erste Bewertungskennzahlen nähern sich kritischen Marken.

Christian Sewing hat seine anfangs noch belächelten Versprechen für 2025 eingelöst. „Wir haben 2025 bei all unseren Zielen geliefert“ und sind auf dem besten Weg, „ein klar aufgestelltes, fokussiertes Geschäft anzubieten“, so der Chef der Deutschen Bank zum Auftakt der Analystenkonferenz am Donnerstag (29.1). Die Razzia vom Vortag wegen des Verdachts auf Geschäftsbeziehungen zu Gesellschaften, die von 2013 bis 2018 an Geldwäsche-Geschäften beteiligt gewesen sein sollen, sollte die glänzenden Zahlen nicht ausblenden.
Erträge und Kosten liefern robustes Fundament
Die Erträge stiegen 2025 um 7% auf 32,1 Mrd. Euro, befeuert vom Investment-Banking und der Vermögensverwaltung der DWS-Tochter. Damit wurde das Ziel von 32 Mrd. Euro leicht übertroffen, die Erlöse lagen zudem rund 1% über Konsensschätzungen. Seit 2021 beträgt das durchschnittliche jährliche Wachstum etwa 6%, nach zuvor lähmenden Jahren der Ertragsschwäche. Die Kosten sanken um 10% auf 20,7 Mrd. Euro, die Ertrags-Kosten-Relation (CIR) verbesserte sich auf 64,4% nach 76,3% im Vorjahr und lag im Zielbereich („unter 65%“). Das stellt einen Schritt hin zu besserer Wettbewerbsfähigkeit dar: US-Banken wie JPMorgan kommen auf eine Kostenquote von etwa 56%, bei europäischen Konkurrenten wie BNP Paribas sind es gut 60%.
Der Jahresüberschuss von 6,1 Mrd. Euro — gestützt durch ein Rekord-Abschlussquartal mit 1,3 Mrd. Euro — ist das zweitbeste Ergebnis seit 2007. Die vorgeschlagene Dividende von 1,00 Euro je Aktie und ein Rückkaufprogramm über 1 Mrd. Euro sorgen für 2,9 Mrd. Euro Rückflüsse an Aktionäre. Seit 2022 summieren sich Ausschüttungen auf 8,5 Mrd. Euro. Die Eigenkapitalrendite verbesserte sich auf 10,3% (Vorjahr: bereinigt 7,1%) – ein weiteres Häkchen auf dem Guidance-Zettel von Sewing (Ziel: „mehr als 10%“).
Bis 2028 soll die Rendite laut der im November vorgestellten Strategie sogar auf mehr als 13% klettern, was dann angesichts der schwierigeren Rahmenbedingungen (fehlender einheitlicher Kapitalmarkt in Europa; härtere Kapitalanforderungen) durchaus respektabel ist im Vergleich mit den noch etwas höheren Eigenkapitalrenditen der US-Konkurrenz um JPMorgan (zuletzt rund 17%).
Bewertung ist ambitioniert, aber nicht überreizt
2025 kletterte die DAX-Aktie um 168% und notiert trotz kleinerer Gewinnmitnahmen am Donnerstag so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das 12-Monats-Forward-KGV liegt damit bei 9,6 — etwa 17% über dem langjährigen Mittel. Wichtiger für die Bewertung eines Finanztitels ist aber das Kurs-Buchwert-Verhältnis, das auf 0,97 gestiegen ist und damit bereits rund 60% über dem 20-jährige Durchschnitt von 0,6 liegt. Nur 14% der Zeit in den letzten zwei Dekaden wurde ein höherer Aufschlag gezahlt – und diese Zeiten liegen lang zurück.

Die „defensiven“ Jahre bis 2025 hat Sewing also eindrucksvoll abgeschlossen und die Profitabilität wiederhergestellt. Ob Deutsche Bank bis 2028 wie geplant in die Offensive gehen kann, bleibt abzuwarten. Die Analysten bleiben bei ihren Schätzungen skeptisch: Beim RoTE liegt der Konsens mit 12,7% mindestens 30 Basispunkte unter dem Ziel von „mehr als 13%“. Sewing nahm es in der Analystenkonferenz gelassen: Beim 2025er-Ziel sei die Skepsis noch viel höher gewesen. „Wir haben an Glaubwürdigkeit gewonnen – und es ohnehin schöner, (Ziele) zu erhöhen und zu schlagen.“
Deutsche Bank hat alle Chancen, vom guten Marktumfeld des Finanzsektors zu profitieren. Für einen Einstieg warten wir allerdings auf eine bessere Einstiegschance.