Der Fracking-Boom machte die USA binnen weniger Jahre vom Öl- und Gasimporteur zum Exporteur und löste einen massiven Produktivitätsschub aus. Die eigentlichen Gewinner waren jedoch schon bald nicht die Fracking-Unternehmen selbst, sondern deren Kunden. Das rasant wachsende Überangebot drückte die Energiepreise und vernichtete einen Großteil der Produzentenmargen. Nach 2014 setzte ein zäher Bärenmarkt für die Fracking-Branche ein, der zahlreiche Öl- und Gasunternehmen in den Ruin trieb.

Die Parallele zur Künstlichen Intelligenz drängt sich auf. Auch heute fließen enorme Investitionen in eine Basistechnologie, die die Produktivität der gesamten Wirtschaft steigern könnte. Die entscheidende Frage für Anleger lautet daher: Werden die Gewinne bei den KI-Anbietern selbst landen oder am Ende vorwiegend bei deren Kunden?

Der Blick verschiebt sich

Die jüngste Rotation am Aktienmarkt weg von den großen KI-Ausrüstern, also jenen Konzernen, die die milliardenschweren Rechenzentren bauen und die nötige Infrastruktur bereitstellen, deutet bereits auf erste Zweifel hin, wo die Profite tatsächlich anfallen werden. Zunehmend rücken stattdessen die Anwender in den Fokus. Ein Beispiel ist die Biotechnologie: Hier gibt es konkrete Anzeichen, dass KI die Medikamentenentwicklung durch bessere Mustererkennung deutlich beschleunigen kann.

Dabei dürfte kaum eine Branche von KI-getriebenen Effizienzsteigerungen ausgenommen bleiben. Der Markt steht nach dem ersten großen Infrastruktur-Hype daher womöglich erst am Anfang einer zweiten Phase, in der die eigentlichen Anwendungsprofiteure herausgearbeitet werden.

Private Equity liefert das Signal

Auch die Private-Equity-Branche reagiert. Im jüngsten „Private Equity Trend Report 2026“ des Beratungsunternehmens PwC, für den 250 europäische Firmen befragt wurden, rangiert der KI-Hebel erstmals vor dem klassischen Fremdkapitalhebel als wichtigstes Instrument zur Wertsteigerung. Das ist ein bemerkenswerter Wendepunkt, schließlich war der Leverage-Effekt jahrzehntelang das Herzstück des PE-Geschäftsmodells.

Für Anleger heißt das: Die KI-Story am Kapitalmarkt ist keineswegs vorbei. Doch der Konsens könnte zu einseitig positioniert sein. Wer ausschließlich auf die Ausrüster setzt, läuft Gefahr, den zweiten Akt zu verpassen. Interessant werden zunehmend die Anwender: Biotech- und Pharmaunternehmen, Versicherer, Softwarehäuser als Implementierungsplattformen für KI, aber auch klassische Industrieunternehmen, die ihre Margen durch KI strukturell verbessern können. So haben sich PE-Investoren jüngst bei Industriewerten eingekauft, wie der jüngste Verkauf der Conti-Tochter Contitech an Lone Star zeigt (vgl. Ticker v. 3.7.)