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Wurde der US-Konsument zu früh abgeschrieben?

Trotz mieser Konsumentenlaune überraschen die starken Black-Friday-Umsätze. Konsumgüteraktien drehen bereits nach oben. Lohnt sich ein Blick auf den Sektor?

David Giesecke,
USA-Flagge
USA-Flagge © Nik Shuliahin

Die Konsumentenstimmung ist im Keller, zumindest legt das der Michigan Consumer Sentiment Index nahe. Für den November meldete das Barometer mit 51 Punkten den zweittiefsten Wert seiner Geschichte. Hohe Preise und nur verhaltene Lohnzuwächse drücken erkennbar aufs Gemüt. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Zyklische Einzelhandelstitel, darunter Kaufhausketten wie Macy’s oder Kohl’s, wirkten bis vor kurzem wie ausgebombt. Doch dann setzte eine ebenso deutliche wie überraschende Trendwende ein. In den vergangenen Wochen legte der Sektor massiv zu. Neben den Kaufhäusern, die nach robusten Quartalszahlen durchstarteten, zogen auch Modeanbieter wie Urban Outfitters und Abercrombie deutlich an. Auf die Aktie von Abercrombie werfen wir heute einen frischen Blick.

Rabatte als Katalysator

Der kräftige Kursaufschwung bei den Einzelhandelstiteln nahm vorweg, was die Black-Friday-Umsätze bestätigten: Am Tag nach Thanksgiving, der längst auch hierzulande als Rabattformat angekommen ist, klingelten die Kassen. Laut Adobe Analytics stieg der US-Black-Friday-Umsatz auf 11,8 Mrd. US-Dollar – ein Plus von 9,1% gegenüber dem Vorjahr. Dieser Anstieg lässt sich durchaus unterschiedlich lesen. Einerseits könnte der Rabattboom Ausdruck gesteigerter Preissensibilität sein. Viele Käufer könnten Käufe über das Jahr bewusst aufgeschoben haben, um erst im Sale zuzuschlagen. Dazu passt, dass „Buy now, pay later“-Optionen um 8,9% zum Vorjahr zulegten. Andererseits sprechen die Zahlen auch gegen übertriebenen Pessimismus. Denn auch die Q3-Ergebnisse der Einzelhändler fielen fast durchweg besser aus als befürchtet – von breiter Kaufzurückhaltung vor dem Black Friday war dort wenig zu sehen.

Zinsen als Rückenwind

Gerade in den USA wird eine großer Teil des Konsums traditionell auf Kredit finanziert. Sinkende Zinsen schaffen hier neuen Spielraum. Wenn die Kreditkosten weiter nachgeben, was die Fed derzeit signalisiert, könnte das Stimmungstief schneller drehen, als es der Sentiment-Index suggeriert. Die Börse scheint diese Entwicklung bereits vorwegzunehmen. Die jüngsten Kursgewinne zyklischer Einzelhandelswerte senden ein deutliches Signal: Anleger rechnen damit, dass die Konsumflaute nur vorübergehend ist und dass sich die Kassen auch ohne Sonderangebote bald wieder besser füllen.

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