Relevante Makrodaten wie die PCE-Inflation, BIP-Zahlen oder Arbeitsmarktdaten liefern entscheidende Hinweise darauf, in welchem Marktregime wir uns aktuell befinden. Mindestens ebenso aufschlussreich wie die Daten selbst ist jedoch die Reaktion der Märkte darauf. Denn sie offenbart, wovor sich Investoren derzeit am meisten fürchten – vor zu hoher Inflation, zu restriktiver Geldpolitik oder vor einer konjunkturellen Abschwächung. Gegenwärtig dominiert noch das Hochkonjunktur-Regime: Der Markt setzt auf Zinssenkungen und honoriert schwächere Inflationszahlen. Doch je länger dieses Umfeld anhält, desto stärker dürften Wachstumsrisiken in den Vordergrund rücken.

Erste Risse im Hochkonjunktur-Narrativ

Tatsächlich gibt es bereits Anzeichen dafür, dass sich Wachstumssorgen einschleichen. Die jüngsten NFP-Zahlen (= neu geschaffene Stellen außerhalb der Landwirtschaft) übertrafen zwar die Erwartungen, dennoch legten die Anleihekurse zu – ein erstes Indiz für eine veränderte Interpretation starker Konjunkturdaten. Am Freitag (20.2.) überraschte zudem das US-BIP mit lediglich 1,4% Wachstum deutlich negativ; erwartet worden waren 2,4%. Der Aktienmarkt steckte diese Enttäuschung nach einem kurzen Rücksetzer jedoch erstaunlich gut weg und ging mit einem robusten Schlusskurs aus dem Handel. Noch also dominiert die Zuversicht – aber die Sensibilität gegenüber konjunkturellen Enttäuschungen nimmt spürbar zu.

Zinskurve warnt – Finanzwerte unter Druck

Parallel dazu flacht die US-Zinskurve derzeit spürbar ab. Besonders die Renditen zweijähriger und dreijähriger US-Staatsanleihen sind deutlicher gefallen und notieren inzwischen unterhalb der Renditen sechsmonatiger und einjähriger Papiere. Der Markt preist damit eine konjunkturelle Abkühlung in absehbarer Zeit ein. Auffällig ist zudem die Schwäche der Finanzwerte, die historisch besonders sensibel auf Veränderungen der Zinsstruktur reagieren. Noch bleiben Wachstumssorgen eine Nebenrolle, und der Markt zeigt sich gegenüber schwächeren Wirtschaftsdaten vergleichsweise stabil. Doch das kann kippen: Sobald Aktien auf enttäuschende Konjunkturdaten empfindlich reagieren und schwächere Inflationszahlen keine positiven Impulse mehr liefern, dürfte der Übergang in den klassischen „Rezessionstrade“ erfolgen. Besonders bearish wird das Umfeld, wenn der Markt selbst auf bessere als erwartete Wirtschaftsdaten nicht mehr positiv reagiert, sondern weiter abverkauft. Dann hätte das Marktregime endgültig gedreht.