Sentiment

BofA-Umfrage Oktober: Investoren so optimistisch wie seit Februar nicht mehr

Das von der Bank of America monatlich erhobene Investor-Sentiment erreicht im Oktober einen neuen Höchststand. Die Cashquote liegt nur noch knapp über einem Niveau, das es seit 2002 nur selten gab – und bislang nie Gutes für Aktien bedeutete.

Jorg Schirmacher,
Bank of America Schriftzug
Bank of America Schriftzug © AdobeStock

Das „Fund Manager Sentiment“ der Bank of America steigt im Oktober erneut und erreicht den höchsten Stand seit Februar 2025. Aktien sind so stark übergewichtet wie seit acht Monaten nicht, Anleihen dagegen so niedrig wie zuletzt im Oktober 2022. Auch die Cashquote sinkt weiter.

Rezessionsängste sind offenkundig passé (vgl. hierfür unseren Bericht aus dem Vormonat) und liegen auf dem niedrigsten Niveau seit Februar 2022. 54% der Befragten erwarten inzwischen eine weiche Landung, 33% sogar keine Landung – also keine Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik in den kommenden zwölf Monaten. Nur 8% rechnen noch mit einer harten Landung. Im Vormonat lag der Anteil der „No Landing“-Optimisten erst bei 18% (vgl. Chart).

Die Cashquote ist auf 3,8% gefallen, nachdem sie bereits in den Vormonaten bei niedrigen 3,9% verharrte. Für die Bank of America gilt dieser Wert seit Juli bereits (damals fiel die Quote von 4,2 auf 3,9%) als Warnsignal. Neu ist, dass sich der Wert nun gefährlich Niveaus nähert, die es seit 2002 nur selten gab: Eine Quote von 3,7% wurde in dieser doch recht langen Zeitspanne 20-mal erreicht, woraufhin jedes Mal Kursverluste an den Aktienmärkten folgten.

Dieses positive Sentiment spiegelt sich folglich auch in neuen Höchstständen bei globalen Aktien, insbesondere US-Aktien, wider. Doch der meistgehandelte Trade bleibt Gold (43%), gefolgt von den „Magnificent 7“ (39%), die beide von Allzeithoch zu Allzeithoch steigen. Auch Silber legte zu und überschritt jüngst die Marke von 50 US-Dollar. Der Goldanteil in den Portfolios bleibt mit durchschnittlich 2,4% allerdings niedrig. Es wird vermutet, dass China mehr kauft, als offiziell angegeben.

Positionierung & Risiken

Bei der Asset Allocation verschoben Investoren im Oktober Kapital aus Anleihen, Konsumgüteraktien und Cash in US-Aktien, Emerging Markets und Versorger. Rohstoffe sind so stark übergewichtet wie seit März 2023 nicht mehr, Schwellenländeraktien so übergewichtet wie seit Februar 2021. Konsumgüter des täglichen Bedarfs (defensiv) bleiben dagegen so stark untergewichtet wie zuletzt im April 2021.

Das größte Risiko sehen die Befragten weiterhin in einer möglichen KI-Blase (33%), gefolgt von einem Kreditereignis im Bereich Private Equity/Private Credit (57%). Das letzte große systemische Kreditereignis war die Finanzkrise 2008, ausgelöst durch den US-Hypothekenmarkt. Spätere, wenn auch weniger gravierende Schocks, waren die Euro-Schuldenkrise (2011/12), das Platzen des chinesischen Immobilienmarkts (Evergrande, 2021–2023) sowie die Turbulenzen im US-Regionalbankensektor rund um die Silicon Valley Bank (2023).

Europa verliert an Attraktivität – Deutschland bleibt Favorit

Europa bleibt bei globalen Investoren zwar übergewichtet, ist aber hinter die Schwellenländer als bevorzugte Region zurückgefallen. Zugleich schließt sich die Lücke zu den USA (wir berichteten hier), da Anleger ihre Untergewichtung in US-Aktien abbauen. Die Hoffnungen auf fiskalische Impulse aus Deutschland als Wachstumstreiber bleiben, doch das Vertrauen bröckelt: Nur noch 57% der Befragten sehen darin den zentralen Katalysator für europäisches Wachstum – der niedrigste Wert seit Mai.

Banken bleibt der am meisten übergewichtete Sektor, während nur 4% Rückschläge erwarten. Technologie-, Versicherungs- und Industrieaktien gelten als überbewertet, Gesundheits- und Rohstofftitel dagegen als unterbewertet. Deutsche Aktien sind länderübergreifend unverändert die bevorzugte Wahl – gestützt von Erwartungen an die Haushaltspolitik. Frankreich bleibt wie bereits im Vormonat das Schlusslicht (und hat die Schweiz abgelöst), belastet durch zunehmende politische Unsicherheit.

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