Encavis setzt Akquisitionen fort
Nicht nur niedrigere Strompreise, sondern auch wetterbedingte Minderumsätze haben Encavis im 1. Hj. belastet.
„Erfolgreiches Investieren besteht darin, die Erwartungen anderer zu antizipieren.“
Nicht nur niedrigere Strompreise, sondern auch wetterbedingte Minderumsätze haben Encavis im 1. Hj. belastet.
Auf der Agenda der großen Energieversorger RWE, E.On oder Iberdrola steht die Energiewende ganz oben. Am Donnerstag (10.8.) erst betonte RWE-CEO Markus Krebber, dass die Erneuerbaren schnell ausgebaut werden müssen. Ansonsten drohe der Branche ein großes Versorgungsproblem.
Nach einem starken 1. Hj. hob RWE am Dienstagabend (25.7.) überraschend die Prognose für 2023 an (EBITDA: 7,1 bis 7,7 Mrd. statt 5,8 bis 6,4 Mrd. Euro; ber. Nettoergebnis: 3,3 bis 3,8 Mrd. statt 2,2 bis 2,7 Mrd. Euro).
Unsere Einschätzung zu den Energieschwergewichten RWE und E.On haben wir erst kürzlich aktualisiert (vgl. PB v. 30.6.). Doch wie sieht die Lage denn bei kleineren Versorgern aus, wie z. B. bei der Gelsenkirchener Lokalgröße Gelsenwasser?
Nicht nur der Einmarsch Russlands in die Ukraine führte Deutschlands Energieversorger in turbulente Zeiten. Die Strompreise stiegen signifikant, Deckel für Industrie und Gesellschaft mussten her. Auch die planmäßige Abschaltung der letzten Kernkraftwerke Mitte April hat endgültig die Zeitenwende hin zu Erneuerbaren Energien besiegelt. Für die großen Versorger und Netzbetreiber RWE bzw. E.On bedeutet das in erster Linie: Investitionen.
Obwohl Encavis zu den Profiteuren der Energiewende schlechthin gehört, tut sich der Hamburger Betreiber von Solar- und Windparks dieses Jahr bislang schwer.
Bei Energiekontor laufen die Geschäfte trotz aktueller Marktunsicherheiten sehr solide. Dennoch gelingt es dem Betreiber von Wind- und Solarparks nicht so recht, Impulse am Parkett zu entfachen. Seit dem Q1-Lagebericht vom 12.5. steht bei der SDAX-Aktie (71,80 Euro; DE0005313506) ein Minus von rd. 3%.
Als im Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, kam es an den Energie- und Rohstoffmärkten zu heftigen Turbulenzen, wovon der tschechische Energieriese CEZ profitierte und für das Q1 und das Gj. 2022 Rekordgewinne meldete.
In dieser Ausgabe kümmern wir uns um Creditshelf, Roper Technologies und Envitec.
Die vorläufigen Q1-Zahlen von RWE (27.4.) lagen dank eines Gewinnsprungs im Bereich Wasser/Biomasse/Gas (EBITDA: vervierfacht auf rd. 1,2 Mrd. Euro) deutlich über den Schätzungen der Analysten.
Als Encavis Ende März ankündigte, die geplante Dividende von 0,30 Euro je Aktie für Wachstumsinvestitionen zu streichen, klagten Anleger in den sozialen Medien über eine unglückliche Kommunikation. Dem können wir uns nur anschließen.
Äußerst schmerzlich wurden wir am 27.3. im Zuge der Marktturbulenzen der vergangenen Wochen bei Energiekontor mit 23% Verlust ausgestoppt. Nach Vorlage des Rekord-Zahlenwerks zum Gj. 2022 setzte die SDAX-Aktie (74,00 Euro; DE0005313506) nur kurz darauf zum Turnaround an und machte über 30% an Boden gut.
Energiekontor (EK) gilt als Entwickler und Betreiber von Wind- und Solarparks als einer der Profiteure der Energiewende. Zum Jahresende erfreuten uns die Bremer mit gleich zwei Erfolgsmeldungen: mit dem Verkauf eines 10,6 MW-starken Windparks in Niedersachsen, der jährlich 9 000 deutsche Haushalte mit Strom versorgen kann; sowie mit der Genehmigung eines vierten Solarparks im Mecklenburg-Vorpommern, wo EK künftig jährlich 54 000 Haushalte mit grüner Energie beliefern wird.
Nachdem Envitec kurz vor dem Jahreswechsel die Prognose erhöht hat, kann der Anbieter und Betreiber von Biogasanlagen jetzt auf drei Anhebungen für 2022 zurückblicken. Der Vorstand avisiert nunmehr ein EBT in einer Spanne von 60 Mio. bis 65 Mio. Euro und damit mehr als doppelt so viel wie ursprünglich in Aussicht gestellt (27 Mio. bis 30 Mio. Euro).
Nach einem erfreulichen Jahresstart scheint 7C Solarparken zum Jahresende ein wenig die Luft auszugehen. Obwohl der Solarparkbetreiber Ende November noch einmal die Jahresziele anhob, pendelt die Aktie (4,46 Euro; DE000A11QW68) nun schon fast zwei Monate um die Marke von 4,50 Euro und den 50-Tage-Durchschnitt.
„Abwarten“, so lautete unsere jüngste Empfehlung bei E.On (vgl. PB v. 27.6.) bei einem Aktienkurs (9,13 Euro; DE000ENAG999) von 9,10 Euro. Sechs Monate später halten wir fest: An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Im Vergleich zum Konkurrenten RWE (41,68 Euro; DE0007037129) ist der Netzbetreiber einfach weniger attraktiv.
2022 steht ganz im Zeichen der Erneuerbaren Energien. Rückenwind erhielt Encavis daher v. a. von den hohen Strompreisen. Insgesamt steigerten die Hamburger den Umsatz zwischen Januar und September um 37% auf 354,8 Mio. Euro.
Als Projektierer und Betreiber von Wind- und Solarparks gilt Energiekontor als Profiteur der Energiewende. Aufgrund einer hohen Nachfrage, einer gut gefüllten Projektpipeline sowie einem wachsenden Anteil Erneuerbarer Energien (EE) am Bruttostromverbrauch (1. Hj. 2022: 49%; 1. Hj. 2021: 41%) haben wir erst jüngst unsere Kaufempfehlung für den SDAX-Wert (89,20 Euro; DE0005313506) bekräftigt.
Energiekontor hat vor wenigen Tagen (11.10.) einen Windpark in Nordrhein-Westfalen mit einer Leistung von rd. 8,25 MW an die Stadtwerke Heidenheim verkauft. Am Montag (17.10.) erhielt der Projektierer, der rd. die Hälfte seiner Solar- und Windparks in den Eigenbestand überführt, die Genehmigung für drei weitere Solarparks mit einer Leistung von nahezu 130 MWp in Mecklenburg-Vorpommern.
Envitec zählt nicht zuletzt wegen der eingeleiteten Energiewende zu den Profiteuren des Jahres. Das untermauern auch die Hj.-Zahlen sehr eindrücklich. Demnach stieg der Umsatz um 33% auf 144,2 Mio. Euro. Das Vorsteuerergebnis (EBT) legte überproportional um 154% auf 20,1 Mio. (Vj.: 7,9 Mio.) Euro zu. Die Marge verbesserte sich von 7,3 auf 13,9%.
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