Merck – Oschmann lässt sich bei Versum nicht in die Karten blicken

Das Thema Versum-Übernahme ist für die Darmstädter hoch lange nicht gegessen. Das Thema Versum-Übernahme ist für die Darmstädter hoch lange nicht gegessen.
© PLATOW
(08.03.2019)

Mit ihrer als friedliches Angebot verpackten 6 Mrd. US-Dollar-Offerte an den US-Halbleiterspezialisten Versum Materials war das Top-Thema der Merck-Bilanz-PK schon im Vorfeld entschieden. Wirklich dazu äußern wollte sich CEO Stefan Oschmann am Donnerstag in Darmstadt allerdings nicht. Bohrenden Fragen begegnete der Merck-Lenker mit stoischem Schweigen.

Angesichts der regulatorischen und juristischen Brisanz der von ihm mit allen Mitteln zu verhindern versuchten Fusion Versums mit dem US-Rivalen Entegris, dürfe er sich dazu nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, kommentierte Oschmann knapp. Dass sein Haus für Versum aber die beste Heimat wäre, daran ließ der Vorstandschef keinen Zweifel. „Wir sind von unserem Vorschlag 100% überzeugt“, unterstrich er nachdrücklich.

Schon der am Dienstag an die Versum-Aktionäre gerichtete offene Brief hatte eine klare Sprache gesprochen (s. a. PLATOW v. 6.3.). Bestärkt wird Oschmann in seinem Bestreben zudem durch die positive Reaktion des Kapitalmarktes, wo der Kurs der Versum-Aktie seit Bekanntgabe des inzwischen auch ungenierten Werbens um die Gunst der Aktionäre kräftig anzog. Zu mehr Einblick in seine Strategie ließ sich der Merck-Chef aber nicht hinreißen.

Die Enttäuschung über die harsche Absage der Offerte von Versum-CEO Guillermo Novo sitzt spürbar tief. Nach nur zwei Tagen hatte das Management in Arizona diese bereits abgeschmettert. Wie zu hören ist, habe das selbst bei versierten Investmentbankern der Wallstreet zu Verwunderung geführt. Locker lassen wird Oschmann bei den Amerikanern denn auch nicht so schnell. Das wurde auch ohne viel zu sagen deutlich. Ein teures Übernahmepoker scheint somit nicht ausgeschlossen, wenngleich Oschmann betonte, noch immer ein konservatives Familienunternehmen zu leiten.

Das Muskelspiel des DAX-Konzerns kommt indes nicht von ungefähr. Nachdem das Übergangsjahr 2018 holprig (Umsatz: +2%; EBITDA pre: -10,5%), aber dank des Verkaufs der Consumer Health-Sparte an Procter & Gamble mit Gewinnsprung (+29,5%) und stark reduzierten Schulden (-3,4 Mrd. auf 6,7 Mrd. Euro) schloss, will Oschmann 2019 endlich wieder wachsen. Dazu stellt er ein moderates Umsatzplus und ein um bis zu 9% höheres EBITDA pre (inkl. Währungseffekten) in Aussicht.