Deutscher Zucker – Ein Problem, zwei Lösungsansätze

Deutscher Zucker – Ein Problem, zwei Lösungsansätze
© Nordzucker AG
(12.02.2019)

Der anfängliche Optimismus, dass die Öffnung des EU-Zuckermarktes mit ihren grenzenlosen Exportmöglichkeiten das Geschäft von Deutschlands Branchengrößen Süd- und Nordzucker ankurbelt, ist längst in der harten Realität verpufft. Konkurrenz aus Brasilien oder Indien, wo das süße Pulver deutlich günstiger aus dem Rohr statt der Rübe hergestellt wird, sorgte im Vorjahr für massiven Preisverfall in Europa. Überkapazitäten lassen zudem den Weltmarktpreis dahinschmelzen. Ein boomender Export könne das nicht abfedern, musste Südzucker-Chef Wolfgang Heer bereits gestehen. Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen, Nord und Süd müssen sich von der schönen Erinnerung an die wohlbehütende EU-Regulierung verabschieden und handeln.

Beide haben das erkannt und starten große Umstrukturierungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Südzucker verordnet sich nach dem Ergebniseinbruch von rd. 70% in den ersten neun Monaten des Gj. 2018/19 (per Ende Februar) einen straffen Sparkurs. Neben Kostensenkungen in den Verwaltungen plant Heer die Zuckerproduktion um bis zu 700 000 Tonnen jährlich zu drosseln, Werksschließungen nicht ausgeschlossen. So will Südzucker die Kapazitäten stärker am europäischen Bedarf ausrichten. Nordzucker ergreift indes die Flucht nach vorne. Wachstumschancen sieht Firmenchef Lars Gorissen nur noch außerhalb Europas und will daher expandieren. Seiner Ankündigung lässt er nun Taten folgen.

Die Braunschweiger steigen ins Zuckerrohr-Geschäft ein und übernehmen 70% an Australiens zweitgrößtem Zuckerfabrikanten, Mackay Sugar. Für die Beteiligung wird Nordzucker rd. 38 Mio. Euro Eigenkapital einbringen. Die Mackay Sugar-Aktionäre müssen noch zustimmen. Vor dem Schritt über die Grenze Europas scheut sich Südzucker noch, so ein Sprecher. Wirtschaftlich zu expandieren sei angesichts des Preisverfalls auf dem Weltmarkt eine Mammutaufgabe, die nur die größten stemmen könnten. Eine gewisse Ironie schwingt bei dieser Aussage mit, kommt diese Zurückhaltung doch vom größten Zuckerproduzenten der Welt.