Ryanair – Die Zeit für einen Neuanfang ohne O‘Leary ist reif

Low-Coster zahlt für Härte gegen streikende Mitarbeiter. Low-Coster zahlt für Härte gegen streikende Mitarbeiter.
© Ryanair
(21.01.2019)

Ein Blick auf Passagierzahlen der großen europäischen Airlines lässt eitel Sonnenschein vermuten. Der irische Low-Coster Ryanair (139,2 Mio. Fluggäste) belegt zwar nur Rang zwei hinter Kontrahent Lufthansa (142,3 Mio.), dennoch schafften beide einen neuen Rekord. Andere Baustellen machen den Erfolg der Iren freilich zunichte. Allen voran der lange währende Streit mit der Belegschaft, gepaart mit steigenden Kerosinkosten und dem Druck auf die Ticketpreise, nagt stärker an der Bilanz als es CEO Michael O‘Leary erwartet hatte. So muss Ryanair binnen drei Monaten die zweite Warnung für das Gj. (per 31.3.) aussprechen.

Der bereinigte Gewinn werde nur noch zwischen 1 Mrd. und 1,1 (vorher 1,1 bis 1,2) Mrd. Euro liegen. Dies ist nur die jüngste Schramme im angekratzten Image des Billigfliegers. Bislang hielten Eigner und Verwaltungsrat zu ihrem Chef, bestätigten ihn erst vergangenen September auf der HV mit 98,5% im Amt. Seine „nichts ist zu billig“-Attitüde und die restriktive Personalpolitik machten die Airline groß. Der Erfolg gab O‘Leary lange Recht, fängt nun aber an zu bröckeln. Seitdem der Streit zwischen Airline und Belegschaft losbrach, vor über einem Jahr, verlor die Aktie die Hälfte ihres Wertes.

O‘Learys Führungsstil sehen viele als nicht mehr angemessen. Der Aufstieg Ryanairs vom Underdog am Rande der Insolvenz zu Europas starker Nummer 2 fordert auch vom Chef ein „Erwachsenwerden“ vom schrillen, spitzzüngigen Raubein zum seriösen Manager eines etablierten Flugbetreibers. Für O‘Leary eine große Herausforderung. Dass die harte Linie und Attitüde des „Enfant terrible“ der Branche dem Konzern schadet, dürfte auch seinen Verbündeten bitter aufstoßen und den Thron des Low-Coster-Kings zum Wanken bringen. Die Zeit für einen natürlichen Neuanfang ist ideal. 2019 läuft der Vertrag des Airline-Chefs aus. O‘Leary selbst hat bereits laut darüber nachgedacht, seinen Hut zu ziehen und eingeräumt, dass hinter den Kulissen wohl schon über einen Wechsel nachgedacht wird. Dieser könnte nun eingefädelt werden, ohne dass O‘Leary, das Gesicht von Ryanair, sein eigenes Antlitz verlieren würde.