Frankfurter Buchmesse zeigt Zensur die rote Karte

Meinungsfreiheit bis zur Schmerzgrenze: Einem Aber erteilt die Frankfurter Buchmesse auch zu ihrem 70. Bestehen eine kategorische Absage. Meinungsfreiheit bis zur Schmerzgrenze: Einem Aber erteilt die Frankfurter Buchmesse auch zu ihrem 70. Bestehen eine kategorische Absage.
© Frankfurter Buchmesse
(12.09.2018)

Europa steckt dieser Tage fest im Griff rechter Hetzer. Ob Chemnitz, Köthen oder Stockholm, die rechten Lager brechen sich Bahn. Die Stimmung im Land ist aufgeheizt. Zeit, ein Zeichen zu setzen: für Europa und die Freiheit des Wortes. Die Frankfurter Buchmesse kommt da wie gerufen. Vier Tage zelebriert die Mainmetropole vom 10. bis 14.10. wieder Kunst, Literatur und die Kraft des geschriebenen Wortes.

Unter den 7 500 Ausstellern spiegelt sich auch diesmal viel Gesellschaftliches: Internationaler, technologischer und thematisch breiter geht es zum 70. Bestehen der Büchermesse zu, verkündet Messe-Direktor Juergen Boos auf der Vorschau-PK am Dienstag stolz.

Zeichnete die Frankfurter Buchmesse einst ein Überhang deutscher und westeuropäischer Verleger aus, sind es inzwischen 67% fremdsprachige Medienhäuser, die das Publikum begeistern wollen. Gastland Georgien, das frankofone Afrika, Südostasien und der wichtigste Buchmarkt Nordamerika hissen intensiv Flagge. Verzagen muss die hiesige Buchgilde trotz vieler Konsolidierungen aber nicht, weiß Boos. Findet die geschriebene Kunst doch auch digital kreative Wege. Viele neue Messeformate zeugen von der Wandlungsfähigkeit der Branche.

Dem politischen Klima kann und will sich die Messe auch in ihrem Jubeljahr nicht verschließen. Wenngleich viele ein Verstummen der populistischen Hasstiraden fordern, erteilt Boos ihrer Zensur eine klare Absage. Was nicht gegen das Grundgesetz verstößt, findet in seinem Haus Gehör. Mit der Kampagne „On the same page“ weiß der Messe-Chef indes Distanz zur rechten Ecke zu schaffen, rückt er mit ihr doch ganz bewusst das 70. Jubiläum der Deklaration der Menschenrechte in Erinnerung, die uns seither uneingeschränkte Meinungs- und Publikationsfreiheit zusichert – ein Vermächtnis, das in aktuellen Zeiten gar nicht hoch genug gehalten werden kann.