BER – Das Trauerspiel geht weiter

BER – Das Trauerspiel geht weiter
© Lufthansa AG
(21.11.2017)

Den neuesten Standards und Ansprüchen des modernen Flugverkehrs wollte Berlin mit dem Willy Brandt-Flughafen (BER) Rechnung tragen. Nun ist in sechs Jahren Verspätung viel passiert. Neben Stuttgart 21 und der Elbphilharmonie ist BER zum Sinnbild misslungener Zeit- und Kostenkalkulation von öffentlichen Großbauprojekten geworden. Zumindest dem Hamburger Konzerthaus gelang es, die verärgerten Hanseaten mit beeindruckenden Klangspielen milde zu stimmen. Ob das aber BER schafft, ist zweifelhaft. Denn das Flughafenprojekt könnte auch nach Inbetriebnahme zum Problem für den Hauptstadt-Knotenpunkt werden.

Selbst die Berliner Senatsverwaltung für Verkehr räumt ein, die BER-Kapazität von rd. 22 Mio. Passagieren könne schon den aktuellen Bedarf nicht decken. Pro Jahr reisen rd. 30 Mio. Fluggäste von und nach Tegel und Schönefeld. Eine simple Rechnung also, die nicht aufgeht. Zumal Tegel, so viel steht fest, spätestens sechs Monate nach BER-Eröffnung Geschichte sein wird. Airlines sowie die Mehrheit der Berliner Bevölkerung prangern die Schließung an, befürchten sie doch nicht zu Unrecht einen Wettbewerbsnachteil für Berlin. Nur die Lufthansa ist gegen den Weiterbetrieb von Tegel. Nach dem Kauf des Löwenanteils von Air Berlin könnte CEO Carsten Spohr dies aber noch mal überdenken, ist doch die Hauptstadt der wichtigste Hub des Berliner Erbes. Ryanair forderte indes gar die Planung eines dritten Flughafens. Der Low Coster rechnet damit, dass der Flugverkehr in Berlin bis 2050 auf 50 Mio. Passagiere steigt.

Die Lösung soll nun ein Ausbau des zu klein geratenen BER bringen. Irgendwann bis 2030. Dann, so versprach BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup, sollen rd. 58 Mio. Passagiere abgefertigt werden können. Der aktuell diskutierte Ausbau dürfte angesichts der bisher wenig glorreichen Bauleistung jedoch keine beruhigende Alternative zur Schließung Tegels sein. Zumal der Versuch, den Experten Carsten Wilmsen vom Münchner Flughafen als Bauherr nach Berlin zu holen, scheiterte.