Drei Branchen mit KI-Angstabschlägen, die zu hinterfragen sind
Finanzdienstleister, Wissensarbeit und IT-Services stehen unter KI-Beschuss. Wir analysieren anhand von sechs Aktien, ob KI bei diesem Branchen-Trio eher Chance oder Risiko ist.

Wenn man die Logik der „Angst-Abschläge“ konsequent anwendet, rücken neben der Logistik vor allem Branchen in den Fokus, deren Geschäftsmodell auf der Verarbeitung, Vermittlung oder Analyse von Informationen basiert. Hier ist die psychologische Hemmschwelle des Marktes besonders niedrig, eine sofortige Disruption zu wittern.
Hier sind drei Branchen, die derzeit besonders anfällig für solche Muster sind, sowie der Schwergewichte:
Finanzdienstleister und Zahlungsabwickler: Unternehmen wie Adyen (930,70 Euro; NL0012969182) oder auch die Deutsche Bank (26,25 Euro; DE0005140008) stehen unter Beobachtung. Das Narrativ: KI-gesteuerte Fintechs könnten Kreditprüfungen schneller, Versicherungsfälle automatisierter und Zahlungen kostengünstiger abwickeln.
- Der Angst-Faktor: Die Sorge, dass „Legacy-Systeme“ (alte IT-Strukturen) zu träge für die KI-Integration sind.
- Die Realität: Banken besitzen die wertvollsten Datensätze überhaupt. Werden diese mit KI kombiniert, steigen die Margen durch Automatisierung im Backoffice massiv.
Professionelle Dienstleistungen und Wissensarbeit: Hier trifft es Konzerne wie die britisch-niederländische Relx (30,48 Euro; GB00B2B0DG97), die wissenschaftliche und rechtliche Informationen bereitstellen, oder auch Werbegiganten wie Publicis (74,36 Euro; FR0000130577).
- Der Angst-Faktor: Das Vorurteil, dass generative KI Berichte schreibt oder Werbekampagnen entwirft, ohne dass man teure Agenturen oder Datenbanken benötigt.
- Die Realität: KI braucht validierte Quellen. Unternehmen wie Relx besitzen diese exklusiven Daten („Goldstaub“ für KI), während die Agenturen KI nutzen, um die Produktionskosten für Content massiv zu senken, was die Profitabilität nachhaltig stützen kann.
IT-Services und Software-Beratung: Ein klassisches Beispiel aus dem DAX ist SAP (173,10 Euro, DE0007164600) oder aus dem S&P 500 ein global agierender Berater wie Accenture (215,40 US-Dollar; IE00B4BNMY34).
- Der Angst-Faktor: Die Annahme, dass KI-Coding-Tools die Arbeit von tausenden Programmierern ersetzen und so das Beratungsmodell (Abrechnung nach Stunden) zerstören.
- Die Realität: Die Komplexität der Implementierung von KI in bestehende Firmenstrukturen ist so hoch, dass der Beratungsbedarf eher steigt. Die KI fungiert hier als Werkzeug zur Produktivitätssteigerung der Berater selbst.
Einordnendes Fazit
In all diesen Branchen sehen wir das gleiche Muster: Der Markt preist das Risiko einer weitgehenden Ersetzung ein, ignoriert aber oft das Potenzial der Selbst-Disruption.
Wenn beispielsweise SAP oder Relx ihre eigenen Prozesse mit KI „superchargen“ (also mit einem KI-Turbo versehen), verteidigen sie nicht nur ihre Position, sondern greifen oft die Margen kleinerer Wettbewerber an, die sich die hohen Rechenkosten für eigene KI-Modelle gar nicht leisten können.
Die richtige Devise aus Anlegersicht lautet daher aktuell: Qualität schlägt Hype – sofern die Qualität bereit ist, sich digital neu zu erfinden.
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