Osteuropa – Goldgräberstimmung in der Rüstungsindustrie
In der europäischen Rüstungsindustrie herrscht Goldgräberstimmung, seit die EU das bis zu 150 Mrd Euro schwere SAFE-Programm aufgelegt hat, mit dem Investitionen in die Rüstung und militärisch relevante Infrastruktur gefördert werden.

Den größten Anteil hat sich Polen mit 43 Mrd Euro gesichert. Demgegenüber kommen Belgien, Bulgarien, Dänemark, Spanien, Kroatien, Zypern, Portugal und Rumänien zusammen auf einen Anteil von 38 Mrd Euro. Die gewachsene strategische Bedeutung speziell Polens unterstreicht der US-Triebwerksbauer Pratt & Whitney mit der Entscheidung, im südostpolnischen Rzeszow 100 Mio Dollar in ein neues Werk für zivil und militärisch genutzte Triebwerke zu investieren.
Industrielle Integration mit viel Tradition
In Mittelost- und Südosteuropa kommen strategische Erfordernisse und industrielle Kapazitäten zusammen, erklärt denn auch ein KPMG-Papier zur europäischen Rüstungsindustrie. Länder wie Tschechien, Ungarn, Polen, Rumänien und die Slowakei sind nicht nur durch die gemeinsame EU– und NATO-Mitgliedschaft, sondern auch die jahrzehntelange industrielle Integration eng verbunden.
Die Region profitiert vom Kapitalzufluss sowohl durch die direkte EU-Förderung als auch die damit induzierten Auslandsinvestitionen der Unternehmen der EU-Kernstaaten. Damit stehen der Rüstungsindustrie unterm Strich fortschrittliche Fertigungstechniken, namentlich aus der Automobilproduktion, leistungsfähige Industrieanlagen samt einer Zulieferstruktur für Elektronik und Software zur Verfügung.
Der tiefe Fall von CSG
Die negativen Seiten des Goldrauschs verkörpert der tschechische Rüstungskonzern CSG. Der legte vor wenigen Wochen einen glänzenden Start an der Börse hin, erlebte dann aber einen regelrechten Absturz. „Chairman“ und Hauptaktionär Michal Strnad trieb die Expansion des geerbten Unternehmens offenbar vor allem dank überdurchschnittlich guter Beziehungen zum slowakischen Verteidigungsminister Robert Kalinak voran. Seit Kalinaks Amtsantritt erhielt die CSG Aufträge im Wert von über 60 Mrd Euro aus Bratislava. Die Abschlüsse mit den fünf vorhergehenden Regierungen belaufen sich zusammen genommen auf lediglich rund 150 Mio Euro, wie slowakische Medien unter Berufung auf das Investigative Center of Jan Kuciak (ICJK) berichten.
Die ICJK-Recherche legt zudem nahe, dass einige dieser Verträge möglicherweise nie erfüllt werden, da den beteiligten Unternehmen offenbar die Produktionskapazitäten fehlen. Dies rief wiederum den Shortseller Hunterbrook auf den Plan, der CSG nicht als Hersteller, sondern als Händler einstuft und weitere Prospektfehler behauptet. CSG bestreitet alle Vorwürfe, ohne aber exakte Angaben zur Produktion zu machen.
Der Fall CSG mahnt zur Vorsicht. Die durchaus chancenreiche Branche sollte nicht durch Einzeltitel, sondern ein Portfolio erfasst werden.