Nach Leipzig/Halle – Secunet könnte von Sorgen um kritische Infrastruktur profitieren
Deutschland rüstet sich gegen Sabotage und Cyberangriffe. An der Börse wird das Thema bislang kaum gespielt. Für den IT-Sicherheitsanbieter Secunet könnte sich daraus aber neues Geschäft ergeben.

Die Sicherheitslage in Deutschland hat sich in den vergangenen Tagen und Wochen erkennbar verschärft. Nach dem versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle, mehreren Sabotageversuchen an Stromanlagen sowie Brandsätzen beim Rüstungselektroniker Rohde & Schwarz spricht die Bundesregierung von einer „neuen Gefahrenqualität“. Das Innenministerium hatte die Bedrohungslage schon vorher von „abstrakt“ auf „hoch“ angehoben. Wir rechnen daher mit weiter steigenden Anforderungen an den Schutz kritischer Infrastrukturen, kurz KRITIS. Dazu zählen etwa Energie- und Wasserversorger, Krankenhäuser oder Verkehrsbetriebe. Für Secunet Security Networks ist primär deren digitaler Schutz relevant, etwa durch sichere Netze, geschützte Fernzugriffe und Angriffserkennung.
Starke Stellung beim Bund ist ein Vorteil
Das Unternehmen startet dabei aus einer starken Position. Die Sicherheitsarchitektur SINA kommt auf mehr als 250.000 aktive Geräte und gilt nach Unternehmensangaben als De-facto-Standard in der Bundesverwaltung. Hinzu kam im ersten Halbjahr ein großer Auftrag von einem Bundesland. Auch bei potenziellen KRITIS-Kunden muss Secunet nicht erst die Tür öffnen. Referenzen gibt es etwa bei den Berliner Wasserbetrieben, Gelsenwasser und dem Gasspeicherbetreiber astora. Mit Secunet edge adressiert der Konzern zudem die Absicherung verteilter IT- und Produktionsumgebungen.
Der Markt ist allerdings hart umkämpft. Konkurrenz kommt unter anderem von deutschen Hochsicherheitsanbietern wie Rohde & Schwarz, genua oder infodas sowie internationalen Cybersecurity-Konzernen. Secunet punktet jedoch mit seiner großen installierten Basis, langjährigen Behördenbeziehungen, BSI-Zulassungen und der Positionierung als deutscher Anbieter für besonders sensible Daten und Netze.
Damit sollte sich die positive Entwicklung der vergangenen Jahre weiter fortsetzen. Seit 2016 hat sich der Umsatz von 115,7 Mio. auf 458,8 Mio. Euro fast vervierfacht. Der Gewinn je Aktie stieg im selben Zeitraum von 1,10 auf 5,15 Euro. Für 2026 erwartet der Vorstand Erlöse am oberen Ende der Zielspanne von 460 Mio. bis 500 Mio. Euro. Das entspräche einem Plus von rund 9%. Für das EBIT liegt die Prognose bei 53 Mio. bis 58 Mio. Euro (Konsens: 59,4 Mio.) Euro nach 51,6 Mio. Euro im Vorjahr. Im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz um 19,2% auf 204,7 Mio. Euro, das EBIT um 20,4% auf 8,7 Mio. Euro.
Unternehmen halten ihre Budgets noch zusammen
Dabei erhöhte der Public Sector, also das Geschäft mit Behörden, Verteidigung und Sicherheitsorganisationen, sein EBIT um 42,5% auf 13,9 Mio. Euro. Im deutlich kleineren Business Sector mit Industrie- und Gesundheitslösungen weitete sich der operative Verlust dagegen von 2,6 Mio. auf 5,3 Mio. Euro aus. Der Vorstand verweist hier unter anderem auf eine bislang schleppende Umsetzung neuer Sicherheitsvorgaben bei Unternehmen. Das Staatsgeschäft trägt das Wachstum also bereits heute. Zusätzliche Investitionen in den Schutz kritischer Infrastruktur könnten die positive Entwicklung weiter verstärken und zugleich dem bislang schwachen Geschäft mit Unternehmen neue Impulse verleihen.
Aktuell rechnet der Konsens für die kommenden Jahre mit knapp zweistelligen Umsatzzuwächsen und einer von 11,3% (2025) auf 13,3% (2028) steigenden EBIT-Marge. Das 12-Monats-Forward-KGV liegt mit aktuell 25 dennoch deutlich unter dem Zehn-Jahres-Schnitt von 37. Beim EV/EBIT stehen 16 einem Mittelwert von 25 gegenüber.
Die Aktie (175,40 Euro; DE0007276503) ist damit kein Schnäppchen, bietet aber trotzdem Fantasie für steigende Kurse. Das gilt vor allem dann, wenn der Schutz kritischer Infrastruktur auch an der Börse stärker in den Fokus rückt. Kaufen Sie Secunet mit Stopp bei 126,00 Euro.