Rücksetzer macht Allianz wieder interessant
Die Allianz-Aktie hat zuletzt deutlich nachgegeben. Operativ bleibt der Versicherungskonzern jedoch auf Rekordkurs. Hohe Kapitalrenditen, steigende Dividenden und Aktienrückkäufe unterstreichen den anhaltend starken Shareholder Value.

Seit einem Jahr bewegen sich die Anteilscheine der Allianz seitwärts. Seit Jahresbeginn hat die Aktie (350,10 Euro; DE0008404005) sogar mehr als 10% verloren. Dabei zeigen die jüngsten Geschäftszahlen einmal mehr, dass der größte europäische Versicherer operativ in hervorragender Verfassung ist – und seine aktionärsfreundliche Kapitalpolitik konsequent fortsetzt.
Verlässlicher Shareholder Value
Im Geschäftsjahr 2025 profitierte der Konzern von einer geringen Belastung durch Großschäden. Der Versicherer erzielte einen Rekordgewinn von 17,4 Mrd. Euro. Damit erreichte Vorstandschef Oliver Bäte das im Jahresverlauf angehobene und zuletzt eingeengte Gewinnziel.
Für Aktionäre bleibt die Allianz eine der verlässlichsten Adressen im DAX. Die Dividende soll um 11% auf 17,10 Euro je Aktie steigen, die Ausschüttungsquote bleibt mit 60% hoch. Zusätzlich kündigte der Konzern ein neues Aktienrückkaufprogramm über 2,5 Mrd. Euro an. Seit 2017 hat Allianz bereits eigene Aktien im Wert von rund 16 Mrd. Euro zurückgekauft. Für 2025 ergibt sich nach unserer Kalkulation ein Total Shareholder Return von 14,4%. Selbst inklusive des von der Pandemie geprägten Jahres 2020 liegt der Durchschnitt der vergangenen sieben Jahre bei rund 12% pro Jahr.

Geopolitische Risiken wie die Ereignisse im Iran haben unserer Einschätzung nach kaum Auswirkungen auf den Konzern. Die Allianz bietet grundsätzlich keine Kriegsrisikoversicherungen an. Mögliche Belastungen könnten höchstens indirekt über Reiseversicherungen entstehen, etwa wenn Touristen aus Krisengebieten zurückgeholt werden müssen. Auch die Kreditversicherungssparte Allianz Trade spielt mit rund 2% Anteil am Versicherungsgeschäft nur eine untergeordnete Rolle.
Gerade in einem Umfeld steigender geopolitischer Risiken und hoher Energiepreise zeigt sich eine der zentralen Stärken des Geschäftsmodells. Die Ertragsentwicklung der Allianz ist weitgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen oder kurzfristigen Rohstoffpreisen. Versicherungsprämien, Kapitalerträge und langfristige Verträge sorgen für eine hohe Planbarkeit der Ergebnisse.
KI hilft der Branche mehr, als sie schadet
Auch beim Thema Künstliche Intelligenz halten wir den Versicherer für gut positioniert. Bäte betonte zuletzt, dass KI weniger eine disruptive Bedrohung als vielmehr ein Produktivitätshebel für die Branche darstellt. Gerade in der historisch gewachsenen, oft fragmentierten IT-Landschaft europäischer Versicherer kann KI helfen, Software schneller weiterzuentwickeln und Verbesserungen gleichzeitig in mehreren Geschäftsbereichen auszurollen.
Darüber hinaus erwartet die Allianz spürbare Verbesserungen im Kundenservice. In Phasen hoher Schadensmeldungen – etwa nach schweren Unwettern – könnten KI-Systeme einfache Fälle automatisiert bearbeiten. Bäte glaubt, die durchschnittlichen Schadenskosten bei stärker automatisierter Abwicklung um 20 bis 30% senken zu können.
Bewertung ist wieder attraktiver geworden
Bewertungstechnisch hat sich das Bild spürbar entspannt. Noch im vergangenen Herbst schien uns die Aktie dem fundamentalen Fortschritt vorausgelaufen zu sein. Inzwischen hat der Kursrückgang zusammen mit um 3% gestiegenen Gewinnschätzungen für eine Normalisierung gesorgt. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt aktuell bei rund 11.
Historisch betrachtet bleibt die Bewertung damit leicht über dem Durchschnitt. Angesichts stetig steigender Gewinne, hoher Kapitalrenditen und der aktionärsfreundlichen Ausschüttungspolitik erscheint dieser Aufschlag jedoch gerechtfertigt.
Nach der jüngsten Kursschwäche überwiegen daher wieder die Chancen. Wir stufen die Aktie der Allianz wieder auf Kaufen hoch und setzen den Stoppkurs bei 259,00 Euro.