Insider setzen Akzente – Mit und gegen den Trend
Manager greifen in den ersten sechs Wochen des Jahres seltener zu als zuvor. Dabei zeichnet sich aber ein neues Muster ab: Ein bisher wenig beachteter Sektor rückt in den Fokus – und das ausgerechnet in einer Phase nachlassenden Momentums.

Seit Monaten zeigt der Insiderhandel in Deutschland ein klares Muster. Vorstände aus klassischen Industrie- und zyklischen Branchen kaufen regelmäßig eigene Aktien. Auffällig ist aber: Sie greifen nicht nur in Schwächephasen zu. Häufig geschieht das auch dann, wenn der Relative-Stärke-Index nach Levy (RSL) bereits ein hohes Momentum signalisiert.
Ein Blick auf das aktuelle Momentum-Ranking aller Werte des DAX, MDAX und SDAX bestätigt diesen Befund. Werte wie Klöckner oder Bayer, die die Rangliste aktuell anführen, tauchen in der Insiderstatistik der vergangenen Monate zwar nicht auf. Doch Salzgitter und Schaeffler – aktuell ebenfalls weit oben platziert – standen auch in Phasen relativer Stärke wiederholt auf den Kauflisten. Gleiches gilt etwa für Deutz.
Das heißt: Einige Manager aus der Industrie kaufen nicht nur antizyklisch, um ihr Vertrauen in Schwächephasen zu zeigen. Sie kaufen vielmehr auch in laufende Trends hinein. Das könnte ein Ausdruck operativer Zuversicht sein.

Anders das Bild im Finanzsektor. Im Februar erscheinen Commerzbank und Deutsche Bank erstmals nach längerer Pause wieder in der Insiderstatistik. Als beide Titel zuletzt gekauft wurden (Commerzbank im Mai, Deutsche Bank im Juli), wiesen beide Titel eine relative Stärke auf. Zum Zeitpunkt des aktuellen Kaufs (11. Februar) lagen beide unter der RSL-Schwelle von 1,0 – zeigten also relative Schwäche.
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Ähnlich verhält es sich bei Münchener Rück und Hannover Rück. Selbst die Allianz liegt nur knapp über der Neutralzone. Finanzinsider kaufen damit nicht in ausgeprägte Stärke hinein, sondern eher in eine Konsolidierung.
Natürlich hat das Timing von Insiderkäufen viele Gründe. Vorstände handeln nicht im luftleeren Raum. Oft nutzen sie schlicht die wenigen zulässigen Zeitfenster nach Zahlenvorlagen. Auch private Vermögensentscheidungen spielen eine Rolle. Die konkreten Motive im Einzelfall bleiben unbekannt.
In der Summe ergibt sich dennoch ein interessantes Bild. Zyklische Industriewerte werden trotz – oder gerade wegen – ihres starken Momentums weiter gekauft. Finanzwerte hingegen finden in einer Phase nachlassender relativer Stärke wieder Unterstützung aus dem eigenen Haus.
Sollte sich dieses Muster verfestigen, ließe sich ableiten: Das Vertrauen der Unternehmenslenker erstreckt sich nicht nur auf die erhoffte Industrieerholung, sondern zunehmend auch auf die Ertragskraft von Banken und Versicherern.