Indus Holding CEO Schmidt: „Unsere Guidance ist abgesichert“
Indus Holding profitierte auch im zweiten Quartal von einer Sonderentwicklung und hat im Juli die Prognose zum zweiten Mal angehoben. Im Interview mit PLATOW erklärt Vorstandschef Johannes Schmidt, warum die Guidance gut abgesichert ist.

Herr Schmidt, Indus Holding weist zum Halbjahr einen sehr starken Auftragseingang aus, der 22,5% über dem Vorjahr liegt. Wie verteilt er sich auf die Segmente?
„Wenn man auf die Entwicklung in den Segmenten schaut, ist das Bild sehr erfreulich. In allen drei Segmenten ist der Auftragseingang angestiegen. Neben Preiseffekten rund um das Wolframcarbid-Thema kamen positive Impulse zum Beispiel aus dem Bereich der digitalen Infrastruktur. Ein weiterer Indikator, der uns zuversichtlich stimmt, ist die Book-to-bill-Ratio. In der Gruppe liegen wir hier bei 1,14, das heißt, wir haben 14% mehr Aufträge als Umsatz. Die Book-to-Bill ist dabei im Segment Engineering mit 1,22 noch höher. Im Segment Infrastructure liegen wir bei 1,14, im Segment Materials Solutions bei 1,09.“
Der Umsatz ist im Halbjahr um 15% auf 965 Mio. Euro geklettert. Können Sie beziffern, welcher Anteil dabei auf den Sonderfaktor Wolframcarbid entfällt, wo stark steigende Preise aufgrund chinesischer Exportbeschränkungen die Preise in die Höhe treiben?
„Angesichts der außergewöhnlich komplexen Marktlage ist ein Vergleich mit einem Normalniveau derzeit nur eingeschränkt möglich. Aber klar ist: Die Wolframcarbid-Entwicklung hat natürlich einen erheblichen Anteil an der Umsatzentwicklung. Im Segment Material Solutions, das die Erlöse zum Halbjahr um 32% auf 377 Mio. Euro gesteigert hat, können Sie davon ausgehen, dass gut 80 Mio. Euro des zusätzlichen Umsatzes aus diesem Effekt kommen.“
Wie haben sich die Materialpreise für Wolframcarbid zuletzt entwickelt?
„Es gibt da zwei gegenläufige Effekte. Die europäischen Preise sind seit Mai auf einem Plateau angekommen. Die Preise schwanken seither um das zu diesem Zeitpunkt erreichte Niveau und laufen seitwärts. Die überraschende Entwicklung ist, dass die inländischen Preise in China zuletzt deutlich gesunken sind. Im Moment ist Wolframcarbid in China deutlich günstiger. Das beinhaltet auch das Risiko, dass chinesische Hersteller verstärkt mit Fertigprodukten auf Basis niedrigerer Herstellungskosten in Europa auftauchen könnten.“
Welche Beobachtung machen Sie: Ist bei den Kunden die Schmerzgrenze bei den Preisen erreicht?
„Natürlich hat der Markt irgendwann eine Schmerzgrenze. Aber wir haben die Entscheidung, die Materialversorgung aufrechtzuerhalten, gemeinsam mit den großen Kunden getroffen, die das mittragen.“
Beruhte die erneute Anhebung der Prognose Ende Juli jetzt nur auf der besseren Lage bei Materials Solutions?
„Die Anhebung der Guidance war sicher getrieben durch das Wolframcarbid-Thema. Wenn man sich die Entwicklung der anderen Bereiche ansieht, dann war die auch sehr erfreulich, aber ich denke nicht, dass sie zu einer Anhebung der Guidance geführt hätte.“
Gehen Sie davon aus, dass die Sondersituation bei Wolframcarbid auch im Q3 und dem Rest des Jahres anhalten wird?
„Das ist die große Frage, in welchem Ausmaß die Sondersituation bei Wolframcarbid anhält. Wir haben sehr lange Durchlaufzeiten für das Material. Dadurch dauert es natürlich, bis die hohen Preise in den Beständen ankommen. Wir haben also die Situation, dass unsere Materialkosten immer höher werden, gleichzeitig aber wegen der beschriebenen Situation in China billigere Konkurrenzprodukte auf den Markt kommen könnten.“
Ist dieses Szenario in Ihrer aktuellen Guidance unterstellt?
„Wir haben ein sehr realistisches Szenario mit einer gewissen Beruhigung der Lage im zweiten Halbjahr unterstellt. Deshalb sehen wir aktuell kein Szenario, in dem wir schon im dritten Quartal feststellen müssten, dass die Guidance nicht erreichbar ist. Natürlich gilt das immer unter der Voraussetzung, dass die grundlegenden Rahmenbedingungen stabil bleiben.“
Herr Schmidt, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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