Vitesco rutscht in die Verlustzone
Den hohen Erwartungen nach dem ordentlichen Zahlenwerk der ehemaligen Muttergesellschaft Continental in dieser Woche konnte Vitesco am Freitag (12.5.) nicht gerecht werden.
„Nichts ist so permanent wie ein temporäres Regierungsprogramm.“
Den hohen Erwartungen nach dem ordentlichen Zahlenwerk der ehemaligen Muttergesellschaft Continental in dieser Woche konnte Vitesco am Freitag (12.5.) nicht gerecht werden.
Mit der Schaffung der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone (African Continental Free Trade Area, AfCFTA) wurde im Jahr 2018 die größte Freihandelszone der Welt geschaffen, gemessen an der Bevölkerungszahl (1,3 Milliarden). Die AfCFTA bietet ihren Mitgliedern die Möglichkeit, durch den Handel das Wachstum und den Lebensstandard auf dem gesamten Kontinent zu erhöhen. Im Gegensatz dazu ist der Außenhandel Afrikas in den letzten Jahrzehnten eher bescheiden gewachsen, wobei der Anteil des Dienstleistungshandels gemessen am BIP konstant geblieben ist. Die Exporte des Kontinents in den Rest der Welt werden vor allem von Rohstoffen dominiert, während der Handel innerhalb der Region diversifizierter ist und einen größeren Anteil an verarbeiteten Waren umfasst. Diese Handelsmuster spiegeln die schwache Position des Kontinents in globalen Wertschöpfungsketten wider und zeigen die fragmentierte handelspolitische Landschaft. Gleichzeitig existiert ein bedeutender informeller Außenhandel, der jedoch schwer zu erfassen ist.
Seit unserem letzten Bericht zu Vitesco (vgl. PB v. 10.1.22) hat der Kurs der SDAX-Aktie (66,20 Euro; DE000VTSC017) um weitere 7% zugelegt. Seit Erstempfehlung (vgl. PB v. 5.10.22) liegen unsere Leser über 25% im Plus.
Continental kommt operativ nicht in Fahrt, wie die vorl. Eckdaten für 2022 offenbaren: Mit einem Umsatzwachstum von 17% auf 39,4 Mrd. Euro übertraf der Automobilzulieferer und Reifenhersteller zwar den Konsens (39,0 Mrd. Euro) und erreichte die Mitte der in Aussicht gestellten Umsatzspanne (38,3 Mrd. bis 40,1 Mrd. Euro).
Laut Ifo-Umfrage blicken die Automobilzulieferer mit großer Skepsis auf die kommenden sechs Monate. Bei der ehemaligen Continental-Tochter Vitesco klingt das ganz anders. CEO Andreas Wolf rechnet nach den jüngsten Produktionsverzögerungen mit einer riesigen Nachfrage. Die ohnehin schon sehr gut gefüllten Auftragsbücher dürften damit noch voller werden. Noch wichtiger werten wir die Aussagen, dass die Verfügbarkeit der zuletzt oftmals fehlenden Bauteile besser geworden sei und sich dieser Trend fortzusetzen scheine.
Der Blick auf den Q2-Bericht von Continental zeigt, dass sich im Vorjahresvergleich bis auf den Umsatz (+13%) alle wichtigen Kennzahlen verschlechtert haben.
Die von Conti am Mittwoch (11.5.) vorgelegten Q1-Zahlen zeigen deutlich, wie stark der Automobilzulieferer unter den Kostensteigerungen bei Beschaffung und Logistik leidet. Während der Umsatz ggü. Vj. um 8,2% gestiegen ist, hat sich das Ergebnis je Aktie halbiert. Die EBIT-Marge fiel von 8,5% auf 4,7%, der Free Cashflow war negativ.
Die noch junge Börsenhistorie von Vitesco ist bislang alles andere als erfolgreich. Über 40% Kursverlust stehen seit dem IPO im September 2021 bei der ehemaligen Continental-Tochter zu Buche. Eine Trendwende können auch die vorl. Eckdaten des Gj. 2021 nicht einleiten – obwohl sie positiv ausgefallen sind.
Erst im September brachte Continental die Antriebssparte Vitesco Technologies an die Börse, bereits am Montag (20.12.) zog die auf E-Mobilität spezialisierte Tochter in den SDAX ein. Doch die Freude währte nur kurz. Denn die Regensburger haben die Abspaltung von Conti teuer bezahlt: Vitesco hat sich verpflichtet, Gesellschaften des Mutterkonzerns von Kosten und Verbindlichkeiten freizustellen, die den übertragenen Geschäftsbereichen zuzurechnen sind.
Wer in diesen Tagen vom DAX spricht, kommt um eine numerische Klarstellung nicht umhin. Am Donnerstag (16.9.) besteht das wichtigste deutsche Börsenbarometer für einen Tag aus 31 Werten, weil aus Kontinuitätsgründen die von Continental abgespaltene Antriebssparte Vitesco (s. S. 3) einen Tag lang im deutschen Leitindex aufgeführt ist.
Continental hat die Antriebssparte Vitesco an die Börse gebracht.
Schon nach sieben Monaten ist klar, dass 2021 rekordverdächtig ist. Insgesamt 17 „Initial Public Offerings“ (IPOs) zählen wir seit Jahresbeginn an der Börse Frankfurt, darunter zehn „echte“ Neuemissionen, mit denen der deutsche Kurszettel um satte 7,4 Mrd. Euro schwerer wurde.
Mit dem Ausblick für das Gj. 2021 sorgte der neue Continental-Chef Nikolai Setzer am Dienstag (9.3.) für herbe Enttäuschung am Markt. Seither schmierte die DAX-Aktie (113,50 Euro; DE0005439004) rd. 12% ab. Besonders mit der prognostizierten EBIT-Marge von 5 bis 6% (2020: 3,5%) blieb Setzer deutlich hinter den Markterwartungen von knapp 7% zurück.
Aktionäre von Continental können aufatmen: Das DAX-Papier (100,25 Euro; DE0005439004) hat seine September-Schwäche hinter sich gelassen und in den vergangenen vier Wochen mehr als 20% zugelegt. Daran konnte auch die erneute Diesel-Razzia beim Autozulieferer am Donnerstag (22.10.) nichts ändern.
Harte Kritik von Armin Laschet: „Kalter Kapitalismus“ sei die Schließung eines Continental-Reifenwerks in Aachen, so der NRW-Ministerpräsident am Wochenende, der den Abbau von 1 800 Stellen auf verschiedene Standorte verteilt sehen will. So verständlich Laschets Ärger ist, so richtig ist die konsequente Umsetzung der Sparmaßnahmen von Conti.
Eigentlich nimmt die deutsche Q2-Berichtssaison erst in der kommenden Woche so richtig Fahrt auf. Weil wegen Corona die Erwartungen aber teils ins Bodenlose gestürzt waren, kommt es dieser Tage häufiger als üblich zu positiven Überraschungen, die eine vorzeitige Veröffentlichung notwendig machen.
Anfang des Jahres waren sich die Experten einig: 2020 wird gut für Börsengänge. Doch dann kamen zwei Stolpersteine, mit denen keiner rechnete. Erst sorgte Corona für ein dramatisch schlechtes Börsenumfeld, dann konnte die durch die langen Vorbereitungszeiten eher träge IPO-Maschine nicht schnell genug angeworfen werden, um die rasche Markterholung auszunutzen. Mit PharmaSGP gelang am Freitag (19.6.) nach Exasol Ende Mai erst dem zweiten deutschen Neuling der Sprung aufs Börsenparkett (s. a.„Spezialpharmazie – Im Zentrum des Wachstums“ auf S. 2).
Wie stark Auto- und Industriebranche in der Krise stecken, wird an der Entwicklung von Continental deutlich. Der einst so stolze deutsche Zulieferer hat in den vergangenen beiden Jahren in der Spitze 80% seiner Marktkapitalisierung eingebüßt.
Mehrere Wochen lang standen die Bänder bei BMW, Daimler & Co. still. Nun soll die Produktion schrittweise wieder angefahren werden. Von Rückkehr zur Normalität kann aber noch lange keine Rede sein. Es werde womöglich Jahre dauern, bis die Industrie das Produktionsniveau des Rekordjahres 2017 wieder erreiche, so etwa Continental-Chef Elmar Degenhart im „Spiegel“.
In Deutschland ist die Zahl der am Coronavirus erkrankten Menschen am Freitag (13.3.) auf 3 117 gestiegen. Ein Impfstoff ist noch nicht gefunden, aber immerhin können Ärzte und Krankenhäuser jetzt schneller überprüfen, ob der eingelieferte Patient nur eine Grippe oder die schwere Atemwegserkrankung hat: Der Pharmakonzern Roche hat von der US-Gesundheitsbehörde FDA die Notfall-Zulassung für seinen Corona-Schnelltest SARS-CoV-2 erhalten.
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