Biotechnologie – Chancen gibt‘s nur mit Risiko

Der hohe Forschungsstand in Deutschland hilft vielen Biotechnologieunternehmen
Der hohe Forschungsstand in Deutschland hilft vielen Biotechnologieunternehmen © Sartorius

_ Mit rd. 680 Firmen, einem Umsatz von 5 Mrd. Euro und Forschungsausgaben von über 1 Mrd. Euro gehört die Biotechnologie zu den eher kleineren Branchen Deutschlands. Doch der Ruf der Branche ist hervorragend und der Sektor bietet schon jetzt über 50 000 Menschen hierzulande sichere, gut bezahlte Arbeit. Das Problem bleibt die Bereitstellung von Wagniskapital, weshalb junge Firmen oft den Gang nach Übersee antreten (s. „Unsere Meinung“ auf S. 1). Doch es gibt eine Reihe von Unternehmen, die für Anleger mit einer gewissen Risikobereitschaft interessant sind. Wir stellen drei deutsche Hoffnungsträger näher vor.

Es läuft gerade bei Biontech. Mit dem Verkauf von 5,5 Mio. Anteilscheinen flossen vor Wochenfrist brutto 512 Mio. US-Dollar in die Kasse. Gleichzeitig startet bei einem zusammen mit Pfizer entwickelten Corona-Wirkstoff in Rekordzeit die klinische Wirksamkeitsprobe an 30 000 globalen Teilnehmern. Im Oktober könnte feststehen, ob BNT162b2 vor einer Corona-Ansteckung schützt. Im Wettlauf mit dem Konkurrenten Moderna liegt das deutsch-amerikanische Forschungspaar damit gleichauf. Wir haben daher unsere Schätzungen für Biontech nach oben korrigiert und rechnen jetzt schon ab 2021 mit Gewinnen. Allerdings ist die an der Nasdaq notierte Aktie (84,71 Dollar; US09075V1026) bereits ordentlich gelaufen und wird mit dem 72-fachen Gewinn bewertet. Viel Luft nach oben können wir da leider nicht erkennen. Biontech bleibt interessant.

Wir warten aber ein besseres Einstiegsniveau ab.

Mit vier vielversprechenden Biosimilars, also mit Hilfe der Biotechnologie hergestellten Nachahmerprodukten für erfolgreiche Biopharmazeutika, setzt Formycon auf eines der am stärksten wachsenden Geschäftsfelder der Pharmabranche. Mit dem Augenmittel FYB201 (gegen feuchte Makuladegeneration) soll ab 2021 dem Novartis-Mittel Lucentis auf dem 3,9 Mrd. Dollar schweren Anwendungsgebiet Konkurrenz gemacht werden. Bei FYB 202 (Schuppenflechte) und FYB203 (Augenkrankheiten) beginnen jeweils im Laufe des 2. Hj. die abschließenden Phase-III-Studien. Die jeweiligen Standard-Medikamente von Janssen und Bayer erzielten 2019 Erlöse von 6,3 Mrd. bzw. 7,5 Mrd. Dollar. Zusammen mit einem noch nicht genannten weiteren Wirkstoff haben die Bayern also vier heiße Umsatzeisen im Feuer. Bei der im Scale-Index notierten Aktie (24,30 Euro; DE000A1EWVY8) sind Gewinne zwar noch ein Jahr weiter weg als bei Biontech, dafür gefällt uns aber die breitere Aufstellung mit vier hochpreisigen Wirkstoffen.

Risikobewusste Investoren steigen bei Formycon mit Limit 25,30 Euro und Stopp bei 19,20 Euro ein.

Morphosys verfügt aus unserer Sicht über die beste Kombination aus Potenzial und Reife. Dem MDAX-Unternehmen steht ein interessanter August bevor. Die Q2-Zahlen am Mittwochabend (5.8.) dürften dabei keine besonderen Überraschungen bringen. Viel wichtiger ist, was gerade in den USA passiert. Dort haben die Planegger die Zulassung von Tremfya bei bestimmten Fällen von Arthritis bekommen. Bis Ende August will die Zulassungsbehörde FDA zudem über die Zulassung des Blutkrebsmittels Tafasitamab (MOR208) entscheiden. Der klare Fokus auf den lukrativen US-Markt wird der Aktie (108,95 Euro; DE0006632003) dabei helfen, ihre jüngste Schwächephase zu überwinden.

Morphosys bleibt auf unserer Kaufliste. Der Stopp liegt bei 89,95 Euro.

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