Herr Orben, wie genau funktioniert Gold als Schutz fürs Depot?

Gold gilt als die „ewige Währung“, die unabhängig von digitalen oder finanziellen Systemen existiert. Gerade in Deutschland haben wir Erfahrung mit Hyperinflation und wechselnden Währungen gemacht. Taler, Reichsmark und D-Mark sind verschwunden – Gold bleibt. In Krisenzeiten behält Gold in der Regel seinen Wert oder steigt sogar, während andere Anlageklassen normalerweise fallen oder schwanken. So stieg beispielsweise der Goldpreis während der Finanzkrise 2008 um fast ein Drittel, während die Aktienmärkte um über 50 % einbrachen. Diese Eigenschaft macht Gold, in Verbindung mit einer langfristigen Anlage, zu einer Art Versicherung fürs Depot und auch für die Altersvorsorge. „Langfristig” bedeutet in diesem Fall, dass das Gold mindestens fünf Jahre im Depot gehalten werden sollte. Es muss gar nicht viel sein: Studien zeigen, dass ein Anteil von 5 bis 10% als Versicherung ausreicht. Gold wirft zwar keine Dividende ab, hat aber historisch gesehen über die vergangenen 25 Jahre eine beeindruckende durchschnittliche jährliche Preissteigerung von 9,5% erzielt und ist in diesem Zeitraum nur in fünf Jahren gefallen. Das erkennen auch immer mehr jüngere Menschen, wie unser repräsentatives Anlagebarometer zeigt: Für fast die Hälfte der 25- bis 29-Jährigen ist Gold eine relevante Beimischung zum Portfolio für die Altersvorsorge.

Wertpapiere werden elektronisch eingebucht. Doch was ist mit Gold? Wo lagere ich es?

Physisches Gold lagern die Menschen in Schließfächern oder vergraben es im Garten. Beides ist unsicher. In Gelsenkirchen wurden zu Weihnachten 2025 reihenweise Schließfächer aufgebrochen und ausgeraubt. Außerdem sind Barren und Münzen relativ teuer in der Anschaffung, sie kosten mehr als ihr reiner Metallgegenwert in Euro. Es gibt aber auch die Möglichkeit, Goldzertifikate zu kaufen, die über die Börse handelbar sind. Aber Vorsicht: Sie bilden häufig nur den reinen Goldpreis ab. Das kann ins Auge gehen. Besser sind Produkte, die mit echtem Gold hinterlegt sind. Xetra-Gold verbindet beispielsweise die Vorteile des physischen Goldbesitzes mit dem schnellen und einfachen Marktzugang. Jeder Anteil von Xetra-Gold entspricht genau einem Gramm Gold und ist 1:1 mit physischem Gold hinterlegt, das sicher in Deutschland gelagert ist. Sie haben also Gold im Depot, ohne sich um die Lagerung Gedanken machen zu müssen.

Gold wird gerne als „sicherer Hafen“ bezeichnet. Was muss man sich darunter vorstellen?

Wenn die Sonne scheint und das Meer glatt ist, segelt man entspannt auf dem weiten Meer. Wenn jedoch ein Sturm losbricht, ist man froh, einen sicheren Hafen ansteuern zu können. Hier kann Ihnen nichts passieren. In Krisenzeiten sichert Ihr Gold also Ihr Depot ab. Sie sollten dabei nicht die Nerven verlieren, wenn der Preis anfangs unter Druck steht. Das ist ein übliches Phänomen, wenn Investoren Liquidität benötigen und alles verkaufen, auch Gold. Wir reden jedoch über eine Haltedauer von fünf Jahren und mehr. In der Regel steigt der Goldpreis in diesem Zeitraum und wird erst durch steigende Zinsen wieder ein wenig gebremst.  In jedem Fall überstehen Sie eine Krise besser, wenn Sie Gold im Depot haben.

Seit gut einem Jahr hält sich der Goldpreis auf einem hohen Niveau. Würden Sie im Moment zum Goldkauf raten?

Ja, unbedingt. „Hohes Niveau“ ist relativ. Als wir Xetra-Gold Ende 2007 aufgelegt haben, lag der Goldpreis bei etwa 17 Euro pro Gramm, jetzt bewegen wir uns bei über 110 Euro. Keiner kann sagen, wo das in Zukunft hinführt, obwohl ja Gold eine begrenzte Ressource und relativ knappe Ware ist. Die gesamte jemals gefundene Goldmenge würde zusammengeschmolzen in einen Würfel mit nur 20 Metern Kantenlänge passen. Wer Gold zur Absicherung des Depots kauft, kann jederzeit einsteigen, auch mit kleinen Mengen. Mit Xetra-Gold ist das ab einem Gramm jederzeit möglich. Es ist an der Börse handelbar wie eine Aktie, mit einem extrem engen Spread, also dem Unterschied zwischen An- und Verkaufspreis. Es ist deshalb quasi zu Großhandelspreisen verfügbar. So lässt sich mit Xetra-Gold auch ein Gold-Sparplan umsetzen.

Wie sieht es mit Steuern aus? Wird die Abgeltungssteuer auf Gewinne fällig?

Nein, denn Gewinne aus dem Verkauf von Xetra-Gold sind nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei, da es steuerlich wie physisches Gold behandelt wird. Im Gegensatz zu anderen Edelmetallen wie Silber unterliegt Gold auch nicht der Mehrwertsteuer. Es fallen auch keine Verwaltungsgebühren an. Lediglich die üblichen Wertpapier-Transaktionskosten und eventuell Depotgebühren der Bank können entstehen. Wenn Sie es wünschen, kann das physische Gold auch ausgeliefert werden, in Barren von einem Gramm bis zu größeren Einheiten.

 

Steffen Orben hat über 30 Jahre Erfahrung im Devisen- und Rohstoff-Bereich. Seit 2007 einer von zwei Geschäftsführern der Deutschen Börse Commodities GmbH. Von 1996 bis 2021 in verschiedenen Positionen im Devisen- und Rohstoffhandel für die Deutsche Bank tätig, davor von 1992 bis 1996 Devisenhändler bei JP Morgan in London.

Das Unternehmen

Xetra-Gold zählt zu den etabliertesten börsengehandelten Goldanlagen Europas. Jeder ausgegebene Inhaberschuldverschreibung liegt eine entsprechende Menge physischen Goldes zugrunde. Die Emittentin Deutsche Börse Commodities ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutsche Börse sowie mehrerer Bankenpartner. Sie bündeln ihre Börsen-, Finanzmarkt-, Abwicklungs-, Verwahrungs- und Logistikkompetenz, um am Finanzplatz Frankfurt einen effizienten Markt für den Handel von Gold zu schaffen.