Hannover Rück steuert vorsichtig
Vom Ausblick von Hannover Rück hatten sich die Analysten mehr erwartet.
„Nichts ist so permanent wie ein temporäres Regierungsprogramm.“
Vom Ausblick von Hannover Rück hatten sich die Analysten mehr erwartet.
Vor gut sechs Jahren hat sich der 1999 aus der Fusion des Bausparers Wüstenrot und des Sach- und Lebensversicherers Württembergische hervorgegangene W&W-Finanzdienstleister neu aufgestellt und sich der Digitalisierung des Geschäfts verschrieben. Seit Anfang 2019 hat sich in der Folge beim Kurs der bis Dezember 2020 im SDAX notierten Aktie (16,72 Euro; DE0008051004) aber relativ wenig getan. Zuletzt konterkarierten die vorgeschriebenen Neubewertungen der umfangreichen Finanzanlagen die gute operative Entwicklung. Grundsätzlich gefällt uns die solide und stabile Aufstellung der Stuttgarter, allerdings wird die laufende Zinswende an den Märkten das Geschäft tendenziell belasten.
Die Analysten haben die Informationen vom Kapitalmarkttag der Munich Re (vgl. PB v. 19.12.22) genutzt, um ihre Gewinnschätzungen auf die Änderungen in den IFRS-Bilanzierungsregeln anzupassen.
Der versicherte Schaden in Deutschland lag 2022 mit 4,3 Mrd. (2021: 12,6 Mrd.) knapp über dem langjährigen Durchschnitt von 4,2 Mrd. Euro. Doch weltweit haben insbesondere Wetterextreme das Vj. zu einem der teuersten Katastrophenjahre der jüngeren Vergangenheit gemacht.
Bei Munich Re wird „das künftige profitable Wachstum auch aus eigener Stärke kommen“, betonte CFO Christoph Jurecka beim Investorentag (15.12.). Der Rückversicherer sei gut aufgestellt in einem Markt mit steigenden Preisen.
An Talanx gefällt uns die Bodenständigkeit und Beharrlichkeit, mit der die Niedersachsen das Versicherungsgeschäft vorantreiben. In dieses Bild passt die neue 2025er-Strategie, bei der der Gewinnanteil aus der Industrie-, Privat- und Firmenversicherung von derzeit rd. 40% auf 50% steigen soll. Bisher dominiert traditionell das Rückversicherungsgeschäft der Tochter Hannover Re.
An den Zahlen des Versicherers Allianz gefällt uns, dass die wichtigsten Kennziffern sich seit dem schwachen Jahresauftakt stetig verbessern. Anders als beim Rückversicherer Munich Re (vgl. PB v. 25.11.) schlägt der Hurrikan Ian nur mit einer Belastung von rd. 100 Mio. Euro zu Buche. Zudem sind die Mrd.-Belastungen rd. um den Anlagebetrug der Fondstochter AGI mittlerweile verdaut. Der operative Gewinn kletterte im Q3 um 7,4% (Q2: +5,3%; Q1: -2,9%) auf 3,5 Mrd. Euro. Weil nach neun Monaten schon 10,2 Mrd. Euro verdient sind, peilt Allianz-Chef Oliver Bäte für 2022 jetzt die obere Hälfte der Guidance (12,4 Mrd. bis 14,4 Mrd. Euro) an.
Ein starkes Prämienaufkommen und der schwache Euro halfen Munich Re, die Belastungen aus dem Hurrikan Ian im Q3 abzufedern. Die Bruttoprämien kletterten um 17,8% (9-Monate: +14,0%) auf 18,2 Mrd. Euro. Für Ian mussten die Münchner zwar 1,6 Mrd. Euro berappen, sodass die Schaden-/Kostenquote im Q3 mit 108,2% (9-Monate: 96,9%) im tiefroten Bereich landete. Im Vj., als neben dem US-Hurrikan Ida auch die Flutkatastrophe in Deutschland belastete, lag diese Quote mit 112,8% aber sogar noch höher.
Wie von uns vermutet, schlug sich der Versicherer Talanx auch im Q3 tapfer und erzielte per September unter dem Strich einen Nettogewinn von 225 Mio. Euro (+27,1%). In einem schwierigen Marktumfeld waren die um 20,4% gestiegenen Bruttoprämien markant und CFO Jan Wicke legte mit der Ankündigung von Preissteigerungen bei Autoversicherungen um ca. 10% und Gebäudeversicherungen von 15% nochmal nach.
Der Rückversicherer Hannover Re schlägt sich trotz Großschäden wie dem Hurrikan Ian (Belastung: 276 Mio. Euro) weiter gut und wird höhere Bruttoprämien einfordern können. Das ist auch nötig, denn die Schaden-Kostenquote lag im Q3 mit 99,6% nur knapp im profitablen Bereich und über der mittelfristigen Konzern-Guidance von 96%.
Stabilität und Vertrauenswürdigkeit sind nur zwei der Eigenschaften, die wir von Talanx erwarten. Einen großen Schritt in die richtige Richtung bedeutete deshalb die im August erfolgte vorzeitige Verlängerung des CEO-Mandats von Torsten Leue bis 2028. Deutschlands drittgrößter Versicherer glänzt aber auch durch ein hohes Wachstum bei den gebuchten Bruttoprämien, wofür weitere Preiserhöhungen beispielsweise bei der Tochter Hannover Rück wegen anhaltend großer Schadenbelastung und der Inflation verantwortlich sind.
Am Markt belasteten bei Hannover Re am Donnerstag (6.10.) die von den Nachrichtenagenturen verbreitete Nachricht vom Kapitalmarkttag, der zweitgrößte Rückversicherer der Welt könne die Schäden aus dem Hurrikan „Ian“ noch nicht beziffern. Wir selbst erachten bei dem per Videostream verfolgbaren Event in London für wesentlich wichtiger, über welche starke Marktposition das DAX-Unternehmen berichtete.
Unsere Kaufen-Empfehlung für Hannover Rück von Anfang August trug nach erfreulichen Q2-Zahlen schon Früchte. Rd. 13% legte die DAX-Aktie (164,85 Euro; DE0008402215) in einem schwachen Gesamtmarkt zu.
Nach wie vor sehen wir die defensiven Qualitäten von Munich Re als große Stärke. Mit einem knappen Minus von 5% halten sich die Verluste der DAX-Aktie (256,90 Euro; DE0008430026) YTD vergleichsweise in Grenzen, wozu solide Q2-Zahlen und ein 12%-Schub seit Anfang August beitrugen.
Im Lebensversicherungsgeschäft ist Allianz schon seit 2018 in China aktiv. Nachdem die US-Tür im Fondsgeschäft durch den Verkauf an die ehemalige ING-Tochter Voya Financial geschlossen werden musste (vgl. PB v. 15.6.), erkunden die Münchner nach bislang nicht offiziell bestätigten Berichten, ob es möglich ist, mit einer chinesischen Bank ein Joint Venture zum Vertrieb von Fondsprodukten im Reich der Mitte aufzusetzen. Der dortige Markt wird auf etwa 4,3 Bio. US-Dollar geschätzt und gilt als wachstumsstark und lukrativ.
Stabil wie ein Brett liegt die Talanx-Aktie (35,40 Euro; DE000TLX1005) seit unserer Empfehlung in PB v. 13.7. im Markt. Dazu passt, dass mit den Q2-Zahlen neue Fakten vorliegen, die zeigen, dass die Hannover Rück-Mutter trotz der Belastungen aus dem Ukraine-Krieg auf Kurs ist.
Zum ersten Mal schauen wir uns auf Leserwunsch heute Nürnberger Beteiligung an, die als Muttergesellschaft der Nürnberger Versicherung sowie der traditionsreichen Augsburger Fürst Fugger Privatbank fungiert.
Mit sehr guten Q2-Zahlen (4.8.) wird Hannover Rück bei den Analysten Revisionsbedarf auslösen. Die Bruttoprämien lagen zum 1. Hj. (wb. +13%) rd. 10% über den Schätzungen und ließen CEO Jean-Jacques Henchoz das Jahresziel auf mehr als 7,5% (zuvor: mind. 5%) anheben.
Nach den Milliardenverlusten von Kunden der Fondstochter AGI im Zuge des „Structured Alpha“-Skandals hat sich der Abwärtstrend der Allianz-Aktie (176,14 Euro; DE0008404005) fortgesetzt.
Die Talanx-Aktie (35,90 Euro; DE000TLX1005) hat zwar seit Jahresbeginn 15% an Wert verloren, PB-Leser liegen seit Erstempfehlung im Januar 2021 (vgl. PB v. 11.1.21) aber immer noch rd. 10% im Gewinn.
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