Zyklische Belebung treibt deutsche Industrieaktien
Während der deutsche Aktienmarkt insgesamt mit Rückenwind ins Jahr 2026 gestartet ist, fällt die Outperformance der Industriewerte besonders deutlich aus. Die Entwicklung ist Ausdruck struktureller Veränderungen, die zunehmend Unterstützung von zyklischen Impulsen bekommen.

Der DAX ist solide in das neue Börsenjahr gestartet. Nachdem Mitte Januar ein neues Allzeithoch markiert wurde, notiert der deutsche Leitindex momentan 2% im Plus. Deutlich besser läuft es für den DAXsector Industrial Goods & Services, der mit einem Wertzuwachs von circa 10% den Gesamtmarkt klar hinter sich lässt. Dabei handelt es sich um keinen kurzfristigen Trend; der Blick auf die Performance seit letztem Sommer deutet auf eine tiefgreifende fundamentale Entwicklung hin.
Eine wichtige Rolle spielt die zunehmend breite Nachfragebasis, allen voran getrieben vom anhaltenden Rüstungsboom in Europa. Die sicherheitspolitische Lage zwingt die Staaten zu dauerhaft höheren Verteidigungsausgaben. Daraus resultieren prall gefüllte Auftragsbücher und eine außergewöhnlich hohe Visibilität für Umsatz und Ergebnis bei Unternehmen wie Rheinmetall und Hensoldt, aber auch Airbus und MTU Aero. Anders als in früheren Zyklen handelt es sich nicht um temporäre Sonderprogramme, sondern um langfristig angelegte Investitionspfade, die über viele Jahre hinweg Wachstum und Erträge sichern.
Hinzu kommen massive Infrastrukturinvestitionen. Der Umbau der Energieversorgung, der Ausbau der Stromnetze, Investitionen in Bahn- und Verkehrssysteme sowie die Digitalisierung industrieller Prozesse treiben die Nachfrage nach Industrieanlagen, Automatisierungslösungen und elektrotechnischen Komponenten.
Ebenfalls positiv machen sich die umfangreichen Restrukturierungen der letzten Jahre bemerkbar. Viele Industrieunternehmen verfügen heute über deutlich schlankere Kostenstrukturen. Schon moderate Umsatzsteigerungen schlagen daher überproportional auf die Ergebnisse durch. Die Folge sind steigende Margen und robuste Cashflows – ein attraktives Profil in einem Umfeld, das weiterhin von geopolitischen Unsicherheiten und geldpolitischen Weichenstellungen geprägt ist.
Frühindikatoren deuten auf zyklische Belebung
Unterstützung kommt inzwischen auch von der Makroseite; die jüngsten Frühindikatoren deuten auf eine zyklische Belebung der globalen Industrie hin. Nach dem Rückgang im vierten Quartal legten die globalen PMIs breit zu, und der World Manufacturing PMI stieg im Januar auf 50,9 Punkte. Auch in den USA sprang der ISM-Index auf 52,6 und bewegt sich damit im Einklang mit anderen führenden Indikatoren. Die Synchronisation der PMI-Zuwächse weltweit, von Europa über die USA bis nach Asien, deutet darauf hin, dass der Zyklus den Seitwärtstrend der vergangenen drei Jahre durchbricht. Damit scheint sich der Übergang von einer späten Abschwungphase in eine frühe Erholungsphase zu bestätigen. In einem solchen Umfeld schneiden zyklische Sektoren wie Industrie, Materials und Konsumgüter historisch besonders stark ab.
Begleitet wird die positive Fundamentaldynamik von einer ausgeprägten Sektorrotation an den internationalen Kapitalmärkten. Nach Jahren der Dominanz großer US-Technologiewerte verlagern Investoren ihre Allokation zunehmend in zyklische Branchen und nach Europa. Auslöser sind eine Neubewertung der Wachstumsperspektiven im Technologiesektor sowie die fortschreitende Kommoditisierung Künstlicher Intelligenz, die den Margen- und Bewertungsvorsprung vieler Software- und Plattformunternehmen relativiert. Gleichzeitig gewinnen industrielle Anwendungen von Automatisierung, Robotik und intelligenter Fertigung an Attraktivität. Die Kombination aus attraktiveren Bewertungen, strukturellem Wachstum und hoher Investitionsdynamik macht Industriewerte zu einem zentralen Ziel dieser globalen Kapitalumschichtung.
Auch wenn das Risiko weiterer geopolitischer Schocks nicht von der Hand zu weisen ist, spricht somit vieles für eine weitere taktische Übergewichtung des Industriesektors im Portfolio.