Industrieaktien im Aufwind – Struktur statt Einzeltrend
Die Performance des Industriesektors wird zunehmend von mehreren Clustern getragen. Verteidigung, Elektrifizierung und Automatisierung liefern Impulse. Wir ordnen die Entwicklung ein.

Die Gründe für die gute Aktienperformance des Industriesektors in den letzten Monaten haben wir jüngst eingehend beleuchtet. Dieses Mal widmen wir uns einer entscheidenden Anschlussfrage: Wird die Outperformance von einigen wenigen Schwergewichten getragen oder ist sie Ausdruck einer breiten Marktbewegung?
Die Struktur des Industriesektors lässt sich über die zugrunde liegenden DAXsubsector-Indizes und klassische Industrie-Cluster analysieren. Der DAXsector Industrial ist kapitalgewichtet und umfasst mehr als 60 Aktien, überwiegend aus klassischen Industrie-Bereichen wie Maschinenbau, Komponenten, Schwerindustrie, Verteidigung und Energietechnik.
Für die sektorspezifische Einordnung lassen sich vier große industrielle Cluster identifizieren: Energy & Power Equipment (z. B. Siemens Energy, Nordex), Heavy Industry & Materials (z. B. ThyssenKrupp, GEA), Defense & Aerospace (z. B. Rheinmetall, MTU Aero) und Commercial Vehicles & Industrial Services (z. B. Daimler Truck, Bilfinger).
Besonders starkes Kursmomentum zeigen aktuell die Defense- und Energy-Technologie-Cluster, was typisch für zyklische Phasen mit strukturellem Investment ist (Verteidigungsausgaben, Energiewende, Infrastrukturinvestitionen). Unter den Topperformern seit Jahresanfang finden wir Nordex (+45%) und Siemens Energy (+41%); bei den Rüstungswerten sticht TKMS mit einem Plus von 43% hervor, während sich die Kursaufschläge bei den restlichen Vertretern auf circa 7-8% belaufen.
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Ein Blick auf die Kursstruktur innerhalb des Industriesektors zeigt aber, dass auch Unternehmen aus den Bereichen Automatisierung, Elektrotechnik und Anlagenbau intakte Aufwärtstrends vorweisen. Insgesamt tragen viele mittelgroße Industriewerte zur Gesamtbewegung bei, was für die Nachhaltigkeit des Aufwärtstrends spricht.
Wo liegt weiteres Potenzial?
Besonders interessant sind aus unserer Sicht folgende Gruppen:
1. Verteidigung mit Visibilität
Unternehmen mit langfristig abgesicherten Auftragsbüchern und strukturellem Nachfragewachstum bleiben Kernpositionen. Unsere Favoriten im Rüstungssektor sind Rheinmetall und Renk.
2. Elektrifizierung und Netzinfrastruktur
Profiteure des Netzausbaus, der Energieeffizienz und industriellen Elektrifizierung bieten attraktives strukturelles Wachstum bei gleichzeitig zyklischem Rückenwind. Zu dieser Gruppe gehören z. B. Siemens, Siemens Energy und Nordex.
3. Automatisierung und intelligente Fertigung
Anbieter von Robotik, Sensorik und Produktionssoftware stehen an der Schnittstelle von Industriekonjunktur und Produktivitätssteigerung – ein Bereich mit zunehmender strategischer Bedeutung. Gut aufgestellt sind hier u. a. Jenoptik und Dürr, aber auch Kion als sekundärer Profiteur des Automatisierungs- und Produktivitätstrends.
Fazit
Die aktuelle Outperformance der Industriewerte ist nicht das Werk weniger Schwergewichte, sondern wird von einer robusten Marktbreite getragen. Das Momentum bleibt intakt, interne Rotationen verlaufen konstruktiv, und makroökonomische Frühindikatoren liefern zusätzlichen Rückenwind.
Solange sich diese Kombination aus strukturellem Wachstum, zyklischer Erholung und breiter technischer Bestätigung fortsetzt, spricht vieles dafür, dass Industriewerte ihre Führungsrolle im Markt behaupten können und selektiv weiteres Kurspotenzial bieten.