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Konzernumbau bei Continental schafft Spielraum für höhere Bewertung

Continental schärft sein Profil: Während Contitech für den Verkauf fit gemacht wird, glänzt das Reifengeschäft mit operativer Stärke. Warum die Aktie noch weiter Potenzial hat.

Sebastian Lang,
Eingang der Continental Unternehmenszentrale
Eingang der Continental Unternehmenszentrale © Continental

Continental treibt seine strategische Neuaufstellung konsequent voran. Um die Sparte Contitech noch attraktiver für Interessenten zu machen, wird weiter an der Kostenschraube gedreht. Derweil entwickelt sich das Reifenkerngeschäft erfreulich.

Im dritten Quartal verbuchte das Reifengeschäft ein organisches Umsatzplus von 3,6% im Vergleich zur Vorjahresperiode, dank eines starken Ersatzgeschäfts in Nordamerika und Asien. In Europa machte sich die anhaltend herausfordernde Konjunkturlage negativ bemerkbar, wobei auch hier ein erfolgreicher Start in das wichtige Winterreifengeschäft notiert werden konnte. Die bereinigte EBIT-Marge kletterte sequentiell um 230 Basispunkte und lag mit 14,3% nur leicht unter dem Vorjahresniveau (Q3 2024: 14,6%).

Positiv ist der Margentrend auch bei Contitech: Trotz rückläufiger Industrienachfrage und einem organischen Umsatzrückgang um 0,6% erreichte die bereinigte EBIT-Marge im dritten Quartal ein Niveau von 6,6% (Q3 2024: 4,4%). Ausschlaggebend sind hier die bereits ergriffenen Sparmaßnahmen, die laut CEO Nikolai Setzer allerdings noch nicht ausreichen, um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu gewährleisten. Folgerichtig wurde am Montag (24.11.) ein weiteres Maßnahmenpaket verkündet, das bis 2028 zu jährlichen Einsparungen von 150 Mio. Euro führen soll und einen wichtigen Schritt in Richtung der mittelfristig angepeilten EBIT-Marge von rund 11,0 bis 13,0% darstellt.

In diesem Jahr dürften es bei Contitech lediglich rund 6,0 bis 7,0% werden, sodass das neueste Sparpaket wohl auch den bevorstehenden Verkaufsprozess begünstigen soll. Dieser soll Anfang 2026 starten und bis Ende des Jahres abgeschlossen werden. CFO Roland Welzbacher zeigte sich vor Kurzem in einem Interview sehr zuversichtlich, dass ein „toller“ Verkaufspreis erzielt werden kann; wöchentlich gingen Anrufe von potenziellen Käufern ein.

Übrig bleiben wird dann ein Reifen-Pure-Play, wie wir bereits ausführlich im September erläutert haben. Hier gehört der DAX-Konzern zu den fünf größten Akteuren weltweit; fast 80% des Umsatzes stammen aus dem Reifenersatzgeschäft, was für Stabilität und gute Margen sorgt. Auf Sicht verdient die Aktie (64,64 Euro; DE0005439004) daher eine höhere Bewertung als das momentane 2026er-KGV von 9. Die Peer Group bestehend aus Bridgestone, Goodyear, Pirelli, Michelin und Nokian Tyres wird mit durchschnittlich 11,5 bewertet.

Auch nach dem Kursanstieg um 14% seit unserem Einstieg im September bleibt Continental kaufenswert. Den Stopp ziehen wir hoch auf 47,50 (zuvor: 41,90) Euro.

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