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Tschechien – Wenn nur die Politik nicht wäre

Volkswirtschaftlich könnte Tschechien ein Ausreißer in den trüben EM-Prognosen des IWF sein, doch die Regierung schafft Risiken.
Volkswirtschaftlich könnte Tschechien ein Ausreißer in den trüben EM-Prognosen des IWF sein, doch die Regierung schafft Risiken. © CC0

_ Die EM kommen etwas langsamer in Fahrt, aber sie kommen. Die nicht ganz nachvollziehbare Prognose des IWF (s. S. 5) hält die Industriestaaten als Investmentziele zunächst noch für interessanter. Das EM-Land Tschechien indes glänzt schon jetzt. Die Krone zieht an den Devisenmärkten an und erreichte erstmals seit vergangenem Sommer wieder die Marke von 26 Kronen je Euro. Diese Aufwertung ist ein Indiz für wachsendes Interesse der ausländischen Anleger.

Dahinter dürften zwei Faktoren stehen: Zunächst fielen die zum Jahresende publizierten Q3-Zahlen besser aus als erwartet. Der BIP-Rückgang von 5% zum Vj.-Quartal war flacher, der Zuwachs von 7% zum Vorquartal bedeutend stärker als erwartet und nicht zuletzt auch von den Währungshütern der Notenbank CNB prognostiziert. Die positiven Überraschungen steckten zunächst einmal in den Exporten, die weniger unter der Corona-Krise gelitten haben als von den Notenbankern getaxt. Die jüngste Handelsbilanz per November lieferte sogar einen neuen Rekord-Überschuss. Zudem blieb der private Konsum erstaunlich stabil. Beides zusammen ließ die schwache Investitionsneigung der Unternehmen in den Hintergrund treten. Sowohl die Investitionen in Maschinen und Anlagen als auch die Aufstockung der Vorräte waren schwächer als erwartet, weil die Unternehmen in der Krise eine stärkere Risikoscheu entwickelten als die privaten Haushalte.

Das überraschend gut ausgefallene Wachstum lieferte dann den richtigen Hintergrund für den Auftritt von Notenbanker Jiri Rusnok. Der vertat öffentlich die Ansicht, dass sich die tschechische Wirtschaft offenbar dynamischer entwickele und schneller aus der Pandemie herausfände als zunächst angenommen. Folglich müsse man auch schneller eine Zinsnormalisierung einleiten, etwa im Vergleich zur EZB. Zudem ist Tschechien mit einem praktisch leergefegten Arbeitsmarkt in die Krise hineingegangen, die Arbeitslosigkeit sei daher längst nicht so stark gestiegen wie befürchtet. Alles in allem ergebe sich daraus ein Erholungstempo, welches eine schnellere Zinsnormalisierung erforderlich mache. Der eher neutral eingeschätzte Rusnok nähert sich damit den „Falken“ in der CNB, die schon früher Zinserhöhungen ins Auge gefasst haben.

Der in der aktuellen CNB-Projektion skizzierte Zinspfad 2021 mit drei Schritten über je 25 Basispunkte dürfte gut abgesichert sein mit diesen Argumenten. Überraschungen sind eher am oberen Zinsende zu erwarten, was der Krone noch mehr Schwung geben würde. Von daher wären Anleihen auf tschechische Kronen derzeit sicher eine interessante Portfolioergänzung, mit der das Aktienrisiko aufzufangen wäre. Indes schafft die Politik ein beachtliches Risiko: Unter dem Druck des rechtsradikalen Koalitionspartners hat die Regierungsmehrheit ein Gesetz verabschiedet, dass den großflächigen Einzelhandel verpflichtet, künftig mind. 55% aller Lebensmittelumsätze mit tschechischen Produkten zu machen und diese Quote bis 2028 auf 73% zu steigern.

Wer darauf setzt, dass diese kapitale Dummheit bereinigt wird, bevor echter Schaden entsteht, ist mit tschechischen Rentenpapieren gut bedient.

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